Anfang Oktober erhielt die Gemeinde Gebenstorf einen Anruf vom Departement Gesundheit und Soziales des Kantons: Ab November müsse Gebenstorf einen weiteren, achtzehnten Asylbewerber aufnehmen. Dies aufgrund des erneuten Wachstums der Gemeinde. «Dass wir uns solidarisch zeigen und Asylbewerber aufnehmen, steht ausser Frage», sagt Gemeindeschreiber Stefan Gloor. Er habe aber Mühe mit der Kommunikation des Kantons, welche nicht der feinen Art entspreche.

«Im Prinzip wird uns das Messer an den Hals gesetzt. Wenn wir nicht einwilligen und bis zum sehr kurzfristig aufdiktierten Termin Wohn-Platz für einen Asylbewerber schaffen, müssen wir eine Ersatzabgabe von 110 Franken pro Tag bezahlen.» Und es sei bekanntlich nicht ganz einfach, innerhalb so kurzer Zeit günstigen Wohnraum im Dorf zu finden.»

Nun wollen Stefan Gloor und der Gemeinderat den Spiess umdrehen; für einmal soll es die Gemeinde Gebenstorf sein, welche dem Kanton die Regeln diktiert – und nicht umgekehrt. «Wir haben dem Departement von Regierungsrätin Susanne Hochuli den Vorschlag gemacht, dass wir statt nur eines Asylbewerbers gleich vier oder fünf zusätzliche Asylsuchende in unserem Dorf aufnehmen. Allerdings unter der Bedingung, dass es sich um eine Familie handelt, welche uns zugewiesen wird.»

Gemeinde übt Druck aus

Aus zwei Gründen mache dieser Vorschlag Sinn, erklärt Gloor: Erstens habe man mit Asylbewerber-Familien in Gebenstorf in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht. Zweitens hofft der Gemeinderat, kommendes Jahr für einige Monate Ruhe zu haben und nicht alle paar Wochen aufgrund des Bevölkerungswachstums wieder neuen Platz für Asylsuchende finden zu müssen. «Wir erwarten, dass der Kanton unsere Bedingungen akzeptiert. Wenn nicht, werden wir vorläufig keine Ersatzabgabe zahlen», so Gloor.

Wohnung gesucht

Nun gehe es in den kommenden Tagen darum, eine Wohnung für die zusätzlichen Asylbewerber zu finden. In der neusten Ausgabe des Mitteilungsblatts bittet der Gemeinderat die Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche nach einer Unterkunft. «Gesucht wird möglichst rasch eine preiswerte 3- bis 4-Zimmer-Wohnung, ebenso erwünscht sind gut erhaltenes Mobiliar wie Betten, Sofa, Tisch und Stühle», heisst es. Zwar zeichne sich eine Lösung für eine Wohnung ab, doch weitere Angebote seien willkommen», sagt Gloor.

Aktuell leben in der 5150-Einwohner-Gemeinde Gebenstorf siebzehn Asylbewerber. Acht stammen aus Syrien, sieben aus dem Irak, je einer aus der Türkei und Serbien.