Die Tische im Restaurant des Christlichen Sozialwerks Hope in Baden sind bis auf den letzten Platz belegt. Rund 20 Besucherinnen und Besucher dekorieren mit Sternen, Strasssteinchen und besinnlichen Sprüchen Einmachgläser. Während die einen die Behälter mit Schokolade und Guetzli füllen, legen die anderen Kerzchen in die Gläser. So auch Elisabeth Schmid. «Ich schätze es sehr, dass ich über die Festtage hierher kommen und in Gesellschaft sein kann», sagt die «Hope»-Besucherin, die gemeinsam mit ihrem im Thurgau lebenden Partner gekommen ist.

Seit fast zehn Jahren organisiert das «Hope» während der Weihnachtszeit diverse Anlässe – für alleinstehende Menschen und solche, die in prekären Familienverhältnisse leben oder sich in Notsituationen befinden. «Damit möchten wir den Menschen etwas Gemeinschaft geben und ein Miteinander bieten», sagt Geschäftsleiterin Daniela Fleischmann. In den Jahren haben sich die Anlässe etabliert. «Bei uns herrscht ein familiäres Ambiente, man kennt sich und unterstützt sich gegenseitig», sagt sie. Hier würden sich Menschen in schwierigen Lebensverhältnissen wohlfühlen.

«Gemeinschaft erleben ist toll»

Dass das so ist, wird an diesem Nachmittag schnell klar. Nicht nur wird eifrig gebastelt, sondern auch viel geredet und gelacht. Ein Grossteil der Besucherinnen und Besucher kommt auch während des Jahres regelmässig ins «Hope». Elisabeth Schmid beispielsweise besucht jeden Freitag die Strickgruppe und nimmt am Spaghetti-Essen am Mittwochabend teil. Tischnachbarin Maya Stenz, die mit ihrem Zwergpinscher Gina gekommen ist, zieht hingegen das kreative Werken am Donnerstag vor. «Die Gemeinschaft, die wir hier erleben, ist toll», sagt Stenz und klebt einen Stern auf das Einmachglas. Vor allem während der Festtage sei es schön, im Beisein anderer Zeit zu verbringen.

Finanziert werden die Anlässe durch Spenden. «Das Geld reicht zwar nicht immer aus, aber wir schaffen es trotzdem jedes Mal irgendwie», sagt Geschäftsleiterin Fleischmann mit einem Lächeln. Das ist auch den Helfern zu verdanken, die sich freiwillig für das Sozialwerk einsetzen. Eine davon ist Besucherin Maya Stelz: «Das ‹Hope› lebt von freiwilliger Arbeit. Deshalb habe ich mich entschieden, nicht nur zu konsumieren, sondern auch mitzuhelfen.»

Trotz Problemen gut aufgelegt

Die meisten Besucherinnen und Besucher, die an diesem Nachmittag anwesend sind, suchen Gesellschaft. So auch der 46-jährige Calo, der geschieden und nach einer Herzschwäche in IV-Abklärung ist. «Damit ich nicht alleine zu Hause bin, komme ich hierher. So bin ich unter Leuten», sagt der aufgestellte Mann. Auch trotz seinen Problemen versuche er, stets gut gelaunt zu sein. «Im Beisein anderer möchte ich nicht über meine Sorgen reden, sondern die Gesellschaft geniessen. Und wenn ich einmal Bedarf habe, dann suche ich das Gespräch mit den ‹Hope›-Mitarbeitern.»

Draussen beginnt es einzudunkeln. Die Geschäftsleiterin stellt die Musik leiser und fragt in die Runde: «Habt ihr Hunger?» Die Gruppe bejaht lautstark, dann wirft Besucherin Elisabeth Schmid ein: «Lasst uns vor dem Essen noch etwas singen.» Nach «Stille Nacht, Heilige Nacht» werden schliesslich Raclette-Öfen auf die Tische verteilt und mit Punsch auf die gemeinsame Zeit im «Hope» angestossen.