Nur schon wegen dem Ambiente lohnt sich ein Besuch im Theater im Kornhaus in Baden – im Keller findet dort die Magie statt. Am Freitag waren es vier Herren, die das Publikum mit auf eine Reise nahmen. Auf der dunklen Bühne hinter schwarzen, altertümlichen Tischen sassen die Autoren Rolf Hermann und Manuel Naef, die ihr Programm «Wettern» vortrugen. Neben ihnen hatte die Band Cyrilov, bestehend aus Tomas Vysusil und Armando Wehrli, ihren Platz.

Mit kurzen, pointierten Texten machten die beiden Autoren Rolf auf manches Problem der Gesellschaft aufmerksam. Zwischen den Lesungen spielte «Cyrilov». So wurde der Abend zu einem Kosmos aus Sprache, Witz und Kritik.

Poetische Witze und lustige Lieder

Rolf Hermann präsentierte die Texte in seinem sympathischen Walliser Dialekt, was die Erzählungen persönlich und intim erscheinen liess. Manuel Naef las in akzentfreier Schriftsprache vor. Eingestiegen sind die beiden gleich mit zwei kurzen Witzen. Anschliessend gab die Band ihr erstes Lied zum Besten. Tomas Vysusil haute beim Akkordeon in die Tasten und sang. Armando Wehrli spielte leidenschaftlich den Kontrabass.

Die Musik war schwungvoll aber dunkel und den Gesang könnte man als brachial bezeichnen, denn Tomas Vysusil schrie die deutschen und tschechischen Liedtexte mit seiner kratzigen Stimme wütend ins Mikrofon. Der ganze Abend gestaltete sich als eine Abwechslung aus poetischen Texten, die mit einer Pointe abgeschlossen wurden und Musik.

Schliesslich dauerte der ganze Abend satte zweieinhalb Stunden, obwohl im Programm von eineinhalb Stunden die Rede war. Es funktionierte nicht jede Pointe der Geschichten von Hermann und Naef so gut, wie sie sich das vielleicht gewünscht hätten. Aber die beiden hatten auf jeden Fall ihren Spass, denn sie mussten ständig über ihre eigenen Abhandlungen oder die des anderen schmunzeln.

Aufführung als Prototyp

Die Herren entpuppten sich als zwei sehr sympathische Geschichtenerzähler und hatten in Sachen Rhetorik etwas auf dem Kasten. So erstaunte es nicht, dass das Publikum immer wieder herzlich lachte und den beiden warmen Applaus schenkte. Der Abend wurde als inoffizielle Premiere betitelt, weil sie das Programm zum ersten Mal aufführten und es «Prototypcharakter» gehabt habe, wie Manuel Naef sagt. Der nächste Auftritt ist im Februar 2019 im Kellertheater in Winterthur geplant – jedoch wahrscheinlich in einer gekürzten Version.