Mellingen
Im Torhaus ist man überraschend auf Wandmalereien gestossen

Das alte Rathaus und das angebaute Torhaus in Mellingen sollen renoviert werden. Bei einer Bauuntersuchung hat man im Torhaus überraschend Wandmalereien entdeckt.

Carolin Frei
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Wandmalerei in Mellingen entdeckt
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 Architekt Jürg Hüsser wurde wegen der Wandmalereien bei der Gemeinde vorstellig
 Jonas Kallenbach, Kantonale Denkmalpflege, vor der Portalöffnung (1534 datiert)
 Restauratorin Ina Link zeigt auf die Stelle, an der ein wuchtiger Richterstuhl gestanden haben könnte
 Cecilie Gut und Jonas Kallenbach - und zwischen ihnen die Säule aus dem 16. Jahrhundert.
 Peter Frey, Kantonsarchäologie, vor dem Tresor, der in die Mauer eingelassen ist

Wandmalerei in Mellingen entdeckt

Caroline Frei

«Wenn man eine Schicht abträgt, kommt eine andere hervor», sagt Jonas Kallenbach von der Kantonalen Denkmalpflege an der Begehung des 1528 erbauten Torhauses in Mellingen. «Funde in dieser Qualität zu machen, das hat man hier nicht erwartet.» Peter Frey von der Kantonsarchäologie rollte an der Besichtigung die Geschichte rund ums Torhaus auf. Bis heute sei die Forschung davon ausgegangen, dass das Rathaus und das Torhaus in ihrer Funktion unabhängig voneinander waren.

Die nun im Torhaus zutage geförderten Wandmalereien unterschiedlicher Datierung belegten jedoch einen funktionalen Zusammenhang. «Hier sieht man schlichte, florale Rankenmalereien», sagt Restauratorin Ina Link und zeigt auf die freigelegte Stelle an der Wand. Dann deutet sie in die andere Ecke, auf der ein Fries mit Familienwappen von Ratsgeschlechtern der Stadt Mellingen abgebildet ist. Eine Ecke weiter ist eine Darstellung zu sehen, die in drei Szenen das Urteil des Salomon festhält. Neben diesen Malereien deutet auch ein Tresor auf eine öffentliche Funktion des Raumes hin. Diese Vermutung wird durch eine jetzt entdeckte Verbindungstüre ins ehemalige Rathaus mit geschmücktem Sturz und Mellinger Stadtwappen sowie der Jahreszahl 1534 bekräftigt.

Und auch eine reich profilierte Fenstersäule zeugt von einer üppigen Raumausstattung. Aufgrund all dieser Funde geht man deshalb davon aus, dass dieser Raum für Rechtsangelegenheiten genutzt wurde – in Ergänzung zum grossen Ratssaal.

Raum sollte ein Studio werden

Was soll nun mit diesen wertvollen Wandmalereien geschehen, nachdem das Haus in Privatbesitz ist? «Die Wandbilder werden auf jeden Fall gesichert», sagt die Restauratorin. Was nachher damit geschehe, stehe allerdings in den Sternen. Architekt Jürg Hüsser sieht es als Aufgabe und Herausforderung zugleich, Historisches zu erhalten und mit neuen Elementen zu ergänzen. Der Raum mit den wiederentdeckten Wandbildern sollte eigentlich zu einem Studio werden. «Nachdem diese Malereien zum Vorschein kamen, wurden wir bei der Gemeinde vorstellig und haben dort deponiert, dass dieser Raum einen öffentlichen Charakter hat», sagt Hüsser. Wie man das seitens der Gemeinde sieht, sei offen. Geplant ist, im Frühling 2013 mit dem Umbau zu beginnen.

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