Baden
In Baden darf man mit diesem Bauch Bus fahren

Zwischen Bauch und Steuerrad ist genügend Platz. Doch Michael Mersin wäre zu dick für den Job als Lokführer bei den SBB. Denn diese verlangen, gemäss der Zeitung «Der Sonntag», einen Body-Mass-Index (BMI) unter 35.

Corinne Rufli
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Michael Mersin hat mit seinen 130 Kilos einen BMI von 35. «Ich habe keine gesundheitlichen Probleme», sagt der Buschauffeur der RVBW. Das glaubt man ihm sofort.

Kündigungsgrund: Adipositas

Seine Arbeitgeberin, die RVBW, ist weniger restriktiv als die SBB. «Wir haben keine Regelung mit einer BMI-Obergrenze», sagt René Rüegg, stellvertretender Direktor der RVBW. «Bei uns gibt es aber eine medizinische Abklärung der Buschauffeure bei unserem Vertrauensarzt. Aufgrund seiner Beurteilung entscheiden wir, ob wir jemanden einstellen oder nicht.»

Es gebe auch bei ihnen korpulente Fahrer: «Wenn einer mit dem Bauch bis ans Steuerrad kommt, ist es nicht mehr gut», sagt Rüegg. «Das könnte ein Kündigungsgrund sein.» Er schliesst nicht aus, dass die RVBW einmal eine BMI-Grenze einführt.

Ärzte haben wenig Verständnis

Wenig Verständnis für die BMI-Regel hat Andreas Gross, Leiter Pneumologie im Kantonsspital Baden: «Es gibt keinen Grund, Personen mit einem erhöhten BMI von der Ausübung des Chauffeurberufs abzuhalten. Wenn man nur auf den BMI schaut, dann stigmatisiert man adipöse Menschen und wird dem Ziel einer Verbesserung der Verkehrssicherheit nicht gerecht.»

Wichtig sei eine differenzierte Untersuchung. Nicht die Adipositas müsse man für die Fahrtauglichkeit erfassen, sondern deren Folgekrankheiten. Das können Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder das Schlafapnoe-Syndrom sein, die bei übergewichtigen Menschen öfter vorkommen.

BMI-Wert und Fahrtauglichkeit

Der BMI-Wert habe eine bestimmte Bedeutung als Risikofaktor, stelle aber an sich keinen die Fahrtauglichkeit einschränkenden Zustand dar. «Es fahren viele Leute herum, die eine Gefahr für den Strassenverkehr sind. Wer Medikamente, Alkohol oder Drogen konsumiert oder an Herzinsuffizienz leidet, kann ein Verkehrsrisiko sein.»

Hans-Jürg Beer, Chefarzt Innere Medizin am Kantonsspital Baden, fügt noch an: «Bei übergewichtigen Buschauffeuren gibt es Regelungen, aber es wird nicht hinterfragt, dass Personen mit einem hohen BMI auch Auto fahren. Ein Patient mit hohem Cholesterin oder Blutdruck als Risikofaktoren erhält auch kein Fahrverbot.» Er macht aber auch klar: «Es gibt viele Übergewichtige, die gesund sind. Eine Regelung mit einer BMI-Obergrenze ist diskriminierend.»