Baden

In Baden gab es wieder Marktluft zu schnuppern – unter kreativen Schutzmassnahmen

Am Samstag konnte in Baden wieder ein Wochenmarkt stattfinden. Einige Marktbetreiber befolgen die BAG-Vorgaben zum Schutz der Bevölkerung mit einem gewissen Enthusiasmus. Die Freude am Kundenkontakt überwiegt.

Von Weitem sieht alles ganz normal aus. Buntes Markttreiben belebt die Weite Gasse in Baden, Standbetreiber haben sich links und rechts der Gasse aufgereiht, Menschen mit Körben und Einkaufstrolleys bewegen sich dazwischen und begutachten die ausgelegte Ware. Es riecht nach frischem Gemüse und Tatendrang. Vom Schulhausplatz sieht man vertraute Stände: den kleinen Kastenwagen mit Käse und Milch, die hellgrünen Fleecejacken bei Biomeier. Erst beim Näherkommen fallen die Schilder und die rot-weissen Absperrbänder auf und man bleibt schon früh stehen: In einer Schlange.

Noch ist das Angebot nicht so gross wie zu normalen Zeiten. Vor den Marktständen markieren Klebebänder am Boden die Abstände, die einzuhalten sind, Desinfektionsmittel und Gummihandschuhe stehen alle paar Meter zur Verfügung. Einige Marktbetreiber befolgen die BAG-Vorgaben mit einem gewissen Enthusiasmus, loben auf Kalktafeln im Vornherein «ihre mit Abstand besten Kunden», rollen den roten Teppich aus, der markiert, wo man gehen und stehen sollte (und wo nicht) oder halten die wartenden Kunden mit einem Becher Prosecco oder Apfelsaft bei Laune.

Bei Biomeier gibt eine Mitarbeiterin der Autorin das Zeichen, dass sie an der Reihe ist. Die Waren legt sie in eine grüne, faltbare Box, die sie am Ende des Standes deponiert. Bezahlt wird nach wie vor mit Bargeld. Nicht alle werden sich die Hände desinfizieren, bevor sie zum nächsten Stand gehen.

Nur wenige Menschen mit Mundschutz

Für Hanspeter Meier sind die Corona-Massnahmen ein notwendiges Übel, die er einhält «so gut es geht», doch die Freude darüber, seine Kundschaft wieder zu sehen, überwiegt deutlich. Sein Geschäft habe aber auch in den vergangenen Wochen floriert, sagt er. Rund 400 Neukunden hätten in den letzten Wochen sein «Gemüsechistli» abonniert. Gerade jetzt wollen sich die Menschen gesund und bewusst ernähren, denn «wenn alle Biogemüse essen würden, würden auch deutlich weniger Menschen krank werden», ist er überzeugt.

Einen Stand weiter steht eine junge Frau mit Mundschutz in der Schlange vor dem Brotstand. Sie ist eine der wenigen Ausnahmen an diesem Morgen. Sie habe lange darauf gewartet wieder an den Markt zu gehen, sagt sie. Dass aber so wenige einen Mundschutz trügen, selbst Menschen, die der Risikogruppe angehörten, überrasche sie: «Ich arbeite im Gesundheitswesen und habe deswegen eine gewisse Verantwortung mir und meinen Patienten gegenüber.»

Auch Andreas Tobler, der beim Löwenbrunnen selbstgemachten Honig verkauft, befürchtet, dass viele Menschen die Schutzmassnahmen zu wenig einhalten würden. Andreas Tobler ist einer der Menschen, die zur Risikogruppe gehören. Zwar sei er kerngesund, aber er habe Diabetes II und trage deshalb immer eine Schutzmaske, wenn er unter Menschen geht, sagt er. Nach Monaten der Quarantäne, in denen er neben seinen Bienen nur wenige Menschen gesehen hat, sei er sehr froh, heute wieder am Markt zu sein, Menschen zu sehen und Kontakte zu pflegen. Doch wenn er sich heute so umschaue, dann halte er es für nicht ausgeschlossen, «dass eine zweite Grippewelle kommt».

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