Die Eingemeindung von Dättwil, Rütihof und Münzlishausen war für Baden ein bedeutender Schritt. Seit dem Zusammenschluss im Jahr 1962 lässt sich eine beachtliche Expansion feststellen. Baden ohne diese Eingemeindung wäre heute nicht eine Kleinstadt, sondern ein kleines Städtchen! Man darf klar davon ausgehen, dass der damalige Zusammenschluss die Entwicklung nicht behindert, sondern gefördert hat. Eine Erfolgsgeschichte.

Gar nicht erfolgreich sind die Bemühungen für einen Zusammenschluss zwischen Baden und Neuenhof verlaufen. Baden lehnte die Fusion knapp ab. Vielleicht braucht es wie andernorts einen zweiten Anlauf. Ähnlich wie in Dättwil würde langfristig betrachtet das neue «Quartier» Neuenhof dank den Landreserven einen beachtlichen Entwicklungsschub erfahren und dank der «Adresse» einer Stadt auch als Wirtschaftsstandort zusätzlichen Schub erlangen. Das Regionalzentrum würde gewiss gestärkt und nicht geschwächt. Noch ist es nicht zu spät!

Politischer Vorstoss im Aargau

In den Sechzigerjahren wurde die Idee einer Regionalstadt intensiv diskutiert. Die damalige Regionalplanungsgruppe liess Leitbildvarianten erarbeiten, um die Vor- und Nachteile von Gemeindezusammenschlüssen abklären zu lassen. In Anlehnung an Max Frischs «Achtung: die Schweiz» lancierte 1967 der Landesring der Unabhängigen in der Broschüre «Achtung: der Aargau» die Idee von 6 Regionalstädten im Aargau. Anfang der Siebzigerjahre veränderte sich indessen die wirtschaftspolitische Lage grundlegend. Das Wachstum wurde durch eine einsetzende Rezession merklich erschüttert. Die Zeit der «grossen Würfe» in der Regionalpolitik war vorbei.

Grössere Einheit – neue Chancen

Werfen wir einen Blick in die Gesamtregion Baden-Wettingen und nehmen in kühner Voraussicht an, Baden, Ennetbaden, Wettingen, Neuenhof, Obersiggenthal und Turgi schliessen sich in Etappen zu einer Regionalstadt zusammen. Aus der Tabelle (oben rechts) geht hervor, dass damit eine Zentrumsgemeinde mit rund 60000 Einwohnern entsteht. Diese Regionalstadt könnte sich nun mit Schaffhausen, Thun, Biel, St.Gallen oder Winterthur sehen lassen. Erweiterte zentralörtliche Funktionen in den Bereichen Wirtschaft, Forschung, Gesundheit, Bildung und Kultur würden thematisiert und würden neue Chancen eröffnen.

Das Beispiel Winterthur ist interessant. 1916 starteten fünf Vororte mit einer Eingemeindungsinitiative. 1919 wurde dieser Initiative in allen Orten zugestimmt. 1922 war es so weit: Töss, Wülflingen, Veltheim, Seen und Oberwinterthur fusionierten mit der Kernstadt. Winterthur zählte nun 50000 Einwohner. 90 Jahre später hat sich die Bevölkerungszahl verdoppelt. Winterthur kann sich neben der Grossstadt im Grossraum Zürich gut behaupten.

Der oft kritisierte Vorwurf der Anonymität der Grossstädten kann bei den immer noch kleinräumigen Strukturen kaum relevant sein. Das könnten die erwähnten Vergleichsstädte gut beweisen. Im Gegenteil: Die Quartiere erhalten neue Aufgaben und würden gestärkt. Nussbaumen, Meierhof, Altenburg, Kappelerhof, Schönau, Klosterhalbinsel, Damsau, Tägerhard etc. blieben eigene Einheiten mit eigenen Identitäten.

Raumplanerische Überlegungen

Durch die Lagequalität bei Aufhebung von (virtuellen) Grenzen entstehen neue Situationen. Die Kantonsschule im Schönauquartier rückt in eine neue Mitte, die Gemeindeverwaltungen von Baden und Wettingen rücken zusammen und werden zu einem neuen Schwerpunkt zum Beispiel auf dem Wettingerfeld, das traditionsreiche Bäderquartier liegt nicht mehr am Rand von Ennetbaden und Baden, sondern in der Mitte.

Man kann sich nun fragen: Spielen solche Grenzaufhebungen wirklich eine Rolle? Ich vermute ja, beweisen kann man das nicht, hier spielen emotionale Faktoren mit (als Beispiel: die Schiefe Brücke wäre vielleicht schon längst eine befahrbare innerkommunale Verbindung). Die Limmat wäre nicht mehr ein Fluss, der die Gemeinden trennt, sondern ein verbindender Landschaftsraum von höchster Qualität.

Schach der Zersiedelung

Raumplanerische Zielsetzungen wie der Schutz der Landschaft vor der weiteren Zersiedlung sind unbestritten. Doch sie scheitern nicht im Grundsätzlichen, sondern an der Umsetzung. Politische Vorbehalte sind nicht zu überhören: Übergeordnete Rahmenbedingungen bitte nur in Richtplänen mit genügend Spielraum auf kantonaler und kommunaler Ebene! Oder: Der Föderalismus darf nicht angetastet werden, auch wenn das System bisweilen kompliziert wird. Der Wettbewerb ist notwendig.

Also, lassen wir diese fest verankerten Strukturen. Aber: Braucht es im Aargau 220 Gemeinden? Diese Gemeinwesen befinden sich dauernd in einem Standortwettbewerb. Alle wollen möglichst viel Verkehrsinfrastruktur, Schulen, Spitäler, Gewerbezonen und Baulandreserven. Jede Gemeinde hofft auf Entwicklungspotenzial und gleichzeitig soll die Raumplanung Einschränkungen bei der Zersiedlung durchsetzen. Ein dauernder Konflikt!

Mittelfristig bietet sich als Ausweg an: Grössere Kerngemeinden planen eine ausgewogene Verdichtung ohne rivalisierende Einzelinteressen von Agglomerationsgemeinden. Es ist trotz Bauboom noch nicht zu spät!

Das gilt besonders für den Kanton Aargau. Er kann mit zwei schwergewichtigen Zentren Aarau und Baden-Wettingen nicht nur raumplanerisch eine bessere Strategie umsetzen, sondern wird eine spürbar stärkere Position im Mittelland erreichen.

* Hans Wanner, Architekt ETH, war Jahre lang Stadtplaner in Baden und auch in die Regionalplanung involviert