Baden
In Baden wollen noch mehr Quartiere nachts die Lichter löschen

In zwei Stadtteilen Badens werden nachts Strassenlampen abgestellt. Präsidenten anderer Quartiervereine befürworten die Idee. Einziges Argument, das gegen das Lichterlöschen erwähnt werde, sei das tiefere Sicherheitsgefühl.

Pirmin Kramer
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An der Hägelerstrasse in Baden sind im Mai 2010 (Foto) neue LED-Strassenlampen in Betrieb genommen worden. Archiv/EFU

An der Hägelerstrasse in Baden sind im Mai 2010 (Foto) neue LED-Strassenlampen in Betrieb genommen worden. Archiv/EFU

Seit Jahresbeginn wird in zwei Badener Quartieren nachts die Strassenbeleuchtung ausgeschaltet. Jeweils vier Stunden lang, von 1 Uhr bis 5 Uhr, Montag bis Freitag, herrscht in den Stadtteilen Rütihof und Allmend/Münzlishausen Dunkelheit. Damit werde etwas Gutes für die Umwelt getan, und es könne Energie und Geld gespart werden, so Martin Koch, Leiter der städtischen Abteilung Tiefbau. Die Lichterlöschaktion in diesen beiden Stadtteilen spare pro Jahr rund 25 000 Franken (az vom 2. Oktober).

Ende April werde eine Standortbestimmung gemacht und ein Fazit gezogen, teilten die Verantwortlichen der Stadt beim Start des Lichterlöschens mit. Danach werde entschieden, ob das Projekt im Jahr 2015 weitergeführt wird - und ob auch in anderen Badener Quartieren die Strassenbeleuchtung abgestellt werden soll. Noch sei kein Entscheid über die Zukunft des Lichterlöschens gefallen, sagt Koch.

Der Stadtrat werde im Hinblick auf den Voranschlag 2015 einen Beschluss fassen. Ein Fazit könne er aber bereits ziehen, sagt Koch: «Obwohl rund 4000 Menschen in den Quartieren leben, in denen nachts das Licht abgestellt wird, haben wir nur ganz wenige Rückmeldungen erhalten. Positive und negative Reaktionen hielten sich in etwa die Waage.» Einziges Argument, das gegen das Lichterlöschen erwähnt werde, sei das tiefere Sicherheitsgefühl. «Allerdings kam es weder zu mehr Überfällen noch zu mehr Einbrüchen, wie uns die Stadtpolizei bestätigt hat.»

In Rütihof herrschte zu Beginn teils Unbehagen - nun hätten sich die Einwohner ans Lichterlöschen gewöhnt, sagt Daniel Schneider, Präsident des Quartiervereins: «Wir können damit leben. Ein Anliegen ist uns aber, dass die Strassenlampen in den Nächten des Wochenendes auch weiterhin brennen, weil dann Nachtbusse ankommen.» Eine Umfrage bei weiteren Quartiervereinen zeigt: Die Lichterlöschaktion käme vielerorts gut an.

• Chrüzliberg: Eine Umfrage bei den Bewohnern gab es noch keine. Aber Ruth Sulzer würde sich wünschen, dass die Lichterlösch-Aktion auch auf die Gegend rund um den Bahnhof Oberstadt ausgedehnt würde: «Ich bin in Baden geboren, lebe seit 70 Jahren hier. Nachts hat man inzwischen das Gefühl, es sei Tag, so hell leuchtet es überall. Angst zu haben brauchen die Bewohner unseres Quartieres nicht, auch wenn die Lichter nachts nicht brennen.» Denn die Stadtpolizisten machten gute Arbeit, zeigten grosse Präsenz, sagt die Quartiervereinspräsidentin.

• Meierhof: «Nachts nach 1 Uhr sind sowieso nicht mehr sehr viele Leute auf der Strasse unterwegs. Und stockdunkel wäre es nicht, selbst wenn die Strassenlampen nicht brennen. Ich finde die Lichterlösch-Aktion eine gute Idee», sagt René Gamper.

• Römer: «Wir sind in erster Linie ein Wohnquartier, viele Familien leben hier», sagt Maren Tromm. «Von mir aus könnte man die Strassenbeleuchtung sogar schon um 24 Uhr abstellen. Viele von uns können sich, mich eingeschlossen, gar nicht vorstellen, was das bedeuten würde, wäre Baden im Dunkeln.» Sie fände einen Test gut: «Sicherlich gäbe es dann doch die eine oder andere Stelle, an denen das Quartier dann doch gern Licht hätte.»

• Dättwil: «Ich vermute, das würde hier niemanden gross stören», sagt Dorfvereinspräsident René Mäder. Noch nicht diskutiert worden ist die Beleuchtungsfrage im Martinsberg-Quartierverein, wie Stefan Ulrich erklärt. «Es dominieren hier Verkehrsfragen. Sollte der Stadtrat die Strassenlampen bei uns abstellen, würde man das aber kaum merken, denn in der Innenstadt ist es nachts auch ohne Strassenlampen hell.»

Ablehnend äussert sich Maurizio Savastano vom Quartierverein Kappelerhof: Zwar sollten gewisse Sparmöglichkeiten in der Stadt geprüft werden», teilt er schriftlich mit. «Was wir jedoch viel entscheidender finden, ist die Gefahr von Einbrüchen, die im Schutze der Dunkelheit womöglich zunehmen könnten. Da wir im Quartier auch Jahre hatten, in denen einige Einbruchserien stattfanden, sind wir in dieser Thematik sehr sensibel. Daher befürworten wir das Lichterlöschen in unserem Quartier nicht. Das Sicherheitsgefühl der Bewohner könnte sich abschwächen.»