Am Sonntag ist mit einer sehr gut besuchten Führung der Kuratorinnen und den Erläuterungen der Künstlerinnen und Künstler das erste thermale Kunstfestival FLOW im stillgelegten Thermalbad des ehemaligen Hotel Schweizerhof (früher Badegasthof zum Raben) zu Ende gegangen. Bei schönstem Herbstwetter wurde das dreitägige Festival sehr gut besucht und konnte insgesamt über 600 Besucherinnen und Besucher begrüssen.

Die Kuratorinnen Maria Bänziger und Kathrin Doppler zeigen sich besonders erfreut, dass ein sehr breites Publikum das Festival besuchte. Freunde und Freundinnen der Künste und abendliches Kulturpublikum sowie zahlreiche Badende haben an den drei Festivaltagen das Gebiet um die Limmatquelle und den Keller des Schweizerhofs bevölkert und sich von den Kunstinstallationen, Konzerten, Performances und natürlich vom Bad im Thermalwasser anregen lassen. Zahlreiche Familien und Spazierende, welche den Thermalwasserbrunnen der Bagni Popolari besuchten, gesellten sich zum Festivalpublikum.

Somit ist es gelungen, die Einheit von Thermalbaden und Kultur wieder einer breiten Besucherschaft zugänglich und erlebbar zu machen, den geselligen Akt des Bades mit dem Genuss von Kunst zu verbinden. Das FLOW-Festival zeigt, dass das früher in den Badegasthöfen übliche gemeinsame Gesellschaftsbad auch heute wieder ganz unterschiedliche Menschen zusammenbringt und eine bereichernde Erweiterung in der Private-Spa-Landschaft darstellt. Am Freitagabend verwandelten die Soundpreformer RUMORI (Timo Ullmann und Micha Bietenhader) mit ihren beeindruckenden Gerätschaften Lichtimpulse zu Tönen und liessen die in und um die grossen Badebassins sitzenden Gäste in Klangseen eintauchen.

Am Samstag waren es die Tanzperformance von Zizi Transistor und der Sitar-Spieler Roger Odermatt aka MONOH, spontan begleitet von EGOPUSHER-Drummer Alessandro Giannelli, welche die Anwesenden bewegten und das volle Bad in eine bezaubernde Stimmung von Dampf, Tönen und Rhythmen tauchten. Eröffnet wurde das Festival am Freitagabend vom Badener Autor Dominic Oppliger mit seiner thermischen Lesung, draussen auf der dicht bevölkerten Promenade, in welcher er dem anwesenden Publikum in einer eigens für den Anlass geschriebenen Geschichte verriet, wie er beim geheimen, nächtlichen Bad im nun abgebrochenen Thermalbad auf seine ehemalige Geliebte stösst.

Eintauchen in die schönen Künste

Den elf ausstellenden Künstlerinnen und Künstler ist es mit den Installationen gelungen, die faszinierenden Räume, von den winzigen Badezellen des 19. Jahrhunderts bis zur Dampfgrotte neu zu inszenieren und immersive Bild- und Tonerlebnisse zu schaffen. So war es möglich, in einem Kleinbad liegend eine projizierte Körperperformance an der Decke zu verfolgen, derweil sich der Unterwassersound nur den wirklich Eingetauchten erschloss (Timo Ullmann).

Weitere, mit faszinierenden Lichtspielen, Wasser und Projektionen arbeitende Installationen stammten von Marina Woodtli, Esther Amrein, Shamiran Stefanos und Leonie Wohlgemuth sowie Annina Boogen mit ihrer Klangarbeit in der Dampfgrotte. Mit Fundstücken aus der reichen Bädervergangenheit arbeiteten Daniel Bracher, Andreas Bächli und Eveline Salzgeber. Verwendung fanden zu einer Bar verarbeitete Steine aus den archäologischen Grabungen, und römische Holzreste. Ein Mauerfragment in der benachbarten Baugrube wurde zur Leinwand für die grossformatige, vergängliche Zeichnung einer badenden Römerin.

Nächster Anlass im Frühjahr?

Der Verein Bagni Popolari, welcher seit Dezember 2017 in den Bädern temporäre Thermalwasserspiele und -Brunnen betreibt, nutzte das stillgelegte Badegeschoss des Schweizerhofs bisher als Werkstatt und Lager. Die Idee eines Kunstanlasses in den alten Mauern entstand im Laufe der Zeit.

Dabei befassten sich die Kuratorinnen mit der Entwicklung der Badekultur im Laufe der Zeit. Diese wandelte sich - von den genannten Gesellschaftsbädern im Mittelalter - in den letzten Jahrhunderten zunehmend zur rein medizinisch Kur, in heute beängstigend eng anmutenden Einzelpiszinen (Wannen) und wieder zurück. Dieser Wandel ist auch räumlich nachzuvollziehen, und hat die Idee hervorgebracht den Künstlerinnen und Künstlern je eine Badekammer zur Verfügung zu stellen. Die Bäder im Schweizerhof gehören zur Limmathof Baden Hotel & Spa und wurden vor rund 5 Jahren geschlossen.

Der Verein Bagni Popolari darf sie bis auf weiteres nutzen und denkt nach dem erfolgreichen Festival FLOW I bereits über einen nächsten Anlass im kommenden Frühjahr nach.