Fislisbach

«In der Chäshütte wollen alle Chef sein»

Chefin Nicole Schär – sie konnte als Kind Käse nicht ausstehen – und ihre Eltern Ruth und René bilden in der «Chäshütte» ein eingespieltes Team. Chris Iseli

Chefin Nicole Schär – sie konnte als Kind Käse nicht ausstehen – und ihre Eltern Ruth und René bilden in der «Chäshütte» ein eingespieltes Team. Chris Iseli

Seit 3 Jahren führt Nicole Schär die «Chäshütte» – der Generationenwechsel verlief nicht ohne Reibungen. Doch trotz allem sind Eltern und Tochter froh, dass sie zusammen arbeiten können.

Nicole Schär: Sie sind in der Käserei gross geworden. Welche Erinnerungen haben Sie?

Nicole Schär: Es war eine sehr schöne Zeit. Ich konnte Smarties stibitzen und diese unter der Kasse dann essen. Schon als kleines Mädchen durfte ich zudem die Kasse bedienen.

Ruth Schär: Sie hat schon im Kindergarten gesagt, sie wolle Verkäuferin werden.

Es war also schon früh aufgegleist, dass Sie dereinst in die Fussstapfen Ihrer Eltern treten?

Nicole: Nein gar nicht. Ich habe zwar eine Ausbildung als Detailhandelsfrau gemacht, aber im Bio-Bereich. Nach der Ausbildung habe ich in Biel einen Bio-Laden geführt.

Woher die Vorliebe für Bio?

Nicole: Eigentlich wollte ich Drogistin lernen, doch das war sehr anspruchsvoll. Grundsätzlich war mir die Natur immer schon sehr nahe.

So nahe, dass Sie dann gleich nach Brasilien ausgewandert sind . . .

Nicole: Das war ursprünglich nicht der Plan. Mit 24 Jahren bin ich zusammen mit einer Kollegin ein halbes Jahr in Brasilien herumgereist. Meine Kollegin hatte dann die Idee, eine Pension zu betreiben. Ich habe mich überreden lassen. Auch mein Bruder und mein Vater waren beteiligt . . .

René:  . .  vor allem finanziell (lacht).

Nicole: Eigentlich wollte ich nach gut zwei Jahren wieder in die Schweiz zurückkehren, doch dann lernte ich einen Brasilianer kennen und bekam mit ihm ein Kind. Ich habe dann versucht, in der Tourismusbranche Fuss zu fassen. Doch das war sehr schwierig. So bin ich zusammen mit meinem Sohn in die Schweiz zurückgekehrt.

René: Das war auch der Zeitpunkt, wo wir, beziehungsweise die Milchgenossenschaft einen Entscheid fällen mussten, ob unsere Tochter die Nachfolge antreten will oder nicht.

Sie haben gedrängt?

René: Nein, überhaupt nicht. Doch nach 40 Jahren war es schon unser Wunsch, dass der Betrieb in Familienhand bleibt und der Betrieb in unserem Sinn weitergeführt wird.

Also keine von langer Hand geplante Nachfolgeregelung?

Nicole: Nein. Und doch hat sich die Nachfolge irgendwie schon lange abgezeichnet. Aber für mich war es wichtig, zuerst mal wegzukommen.

Wieso haben Sie zugesagt? Waren Sie einfach froh, relativ bequem wieder ein gesichertes Einkommen zu erhalten? Es war ja quasi ein gemachtes Nest.

Nicole: Also bequem war es ganz und gar nicht (lacht). Und das mit dem gemachten Nest ist eigentlich auch nicht so mein Ding; ich «neste» gerne selber. Nein, es war wirklich eine Herzensangelegenheit.

Sie «nesten» gerne selber: Gab es viele Konflikte?

René: Ja, es war nicht immer ganz einfach. Unsere Tochter hatte ihre eigenen Ideen.

Nicole: Ich war sehr euphorisch. So habe ich etwa einen Architekten engagiert, um Umbaupläne zu machen . . .

Ruth: . . .  nicht sehr realistische Pläne (lacht).

Was hat Ihnen denn vorgeschwebt, eine brasilianische Käserei?

Nicole: Nein, ich wollte einfach die Einrichtung erneuern und modernisieren.

Ist Ihnen das gelungen?

Nicole: Nein (lacht). Die Realität hat mich schnell eingeholt. Insbesondere die Milchgenossenschaft hat mich wieder auf den Boden der Realität geholt.

Anfang 2012 übernahmen Sie die Betriebsleitung. Ihre Eltern arbeiten immer noch hier, was ist schiefgelaufen?

Nicole: Gar nichts. Ich bin froh, dass meine Eltern mich noch unterstützen und sie sind froh, dürfen sie noch arbeiten.

Haben die Eltern gespurt und den Rollenwechsel verinnerlicht?

Nicole: Am Anfang gab es schon viel Reibungsfläche, weil ich halt auch gerne auf Konfrontation gehe. Doch irgendwann bin ich meinen Eltern einen Schritt entgegenkommen. Heute kann ich sagen, sind wir ein eingespieltes Team. Aber klar: trotz Geschäftsumfeld: Man bleibt eine Familie.

Wie ist es für den Vater, seine Tochter als Chefin zu akzeptieren?

René: Dadurch, dass wir gewisse Aufgaben klar aufteilen können und ich auch noch Verantwortung habe, geht das sehr gut. Am liebsten stehe ich immer noch hinter der Käse-Theke. Ich bin dankbar, dass ich noch dabei sein darf.

Trifft das auch auf die Mutter zu? Würden Sie nicht viel lieber den Ruhestand geniessen, zum Beispiel auf den Bahamas?

Ruth: Ich arbeite auch gerne, aber es dürfte schon etwas weniger sein. An und für sich habe ich das Gefühl, ich habe genug gearbeitet in meinem Leben.

Der Käse bei Ihnen ist viel teurer als bei der Konkurrenz. Wieso kommen die Kunden trotzdem zu Ihnen?

Nicole: Unsere Kunden sind bereit, etwas mehr zu zahlen, weil sie auch den persönlichen Kontakt schätzen. Wir kennen fast jeden Kunden mit dem Namen, das schätzen sie.

Den ganzen Tag sehen und riechen Sie Käse. Können Sie diesen überhaupt noch ausstehen?

Nicole: Ich konnte als Kind ausser Fondue oder Raclette Käse nicht ausstehen. Doch mittlerweile liebe ich Käse.

Mit Ihnen ist die zweite Generation am Ruder. Folgt eventuell eine Dritte?

Nicole: Wer weiss, mein Sohn sagt jetzt schon, er möchte hier in der «Chäshütte» einmal Chef sein . . .

Ruth: . .  in der «Chäshütte» wollen alle Chef sein (lacht)

Letzte Frage: Welches ist Ihr Verkaufsschlager?

Alle zusammen: «Der Chüntener» und natürlich unsere hausgemachte Fonduemischung.

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