Dättwil
In der «Chinderwält» spielen die Kinder mit ungewohnten Spielzeugen

In der neuen Kindertagesstätte «Chinderwält» in Dättwil wird im Verlauf des Spiels der Tisch auch mal zum Haus. Klassische Spielzeuge sind hier Mangelware, Langweile kommt aber nie auf.

Katia Röthlin
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Kinder mit einem der wenigen klassischen Spielzeuge.

Kinder mit einem der wenigen klassischen Spielzeuge.

Katia Röthlin

Auf den ersten Blick sieht es in der neuen Kindertagesstätte (Kita) «Chinderwält» im Industriequartier in Dättwil aus wie in jeder anderen Kita. Doch dann sucht man nach den klassischen Spielsachen - vergebens. Ausser ein paar Lego-Figuren und einer Holzeisenbahn stapeln sich in den Gestellen leere Eierschachteln, PET-Flaschen, naturbelassene Holzklötze, Gummirohre und leere Kartonkisten.

Begleiten statt anleiten

Die Kita-Leiterin Gabriella Peterhans und ihre Tochter Dominique Zimmerli haben die «Chinderwält» im Mai eröffnet. Eine Betriebsbewilligung haben sie für 27 Kinder. Im Moment sind noch Plätze frei. Die beiden haben in verschiedenen Kinderkrippen gearbeitet und sich bei der Gründung der «Chinderwält» entschieden, das Konzept «Spielend lernen» der Bernerin Regula Kormann umzusetzen. «Wir sehen uns als Begleiterinnen der Kinder», erklärt Gabriella Peterhans. «Unsere Aufgabe besteht darin, die «Arbeitswelt» der Kinder zu gestalten, indem wir geeignetes Arbeits- und Bewegungsmaterial bereitstellen und das Wirkungsfeld der Kinder schützen.» Mit ihrer kindlichen Neugier würden die Kinder auf ihre Weise täglich unzählige neue Spielmöglichkeiten entdecken. Geführte Sequenzen sind auf ein Minimum beschränkt. «Wir animieren die Kinder nicht, denn sie haben selber unglaublich viele spannende Ideen», stellt Peterhans fest.

Spielplatz entsteht nebenan

Dazu gehört auch, dass zum Beispiel ein Tisch für ein Spiel genutzt werden kann. «Während des Spiels dürfen die Kinder auch auf den Tisch», sagt Gabriella Peterhans und fügt hinzu: «Das finden nicht alle Eltern auf Anhieb toll.» Das heisse aber nicht, dass es keine Regeln gibt. «Während des Essens ist der Tisch auch bei uns ein Tisch und nicht eine Spielfläche.» Das Essen wird täglich frisch gekocht, und auch die Kinder dürfen dabei mithelfen.

Gabriella Peterhans und ihre Tochter haben viel Arbeit in die Räumlichkeiten gesteckt. Die Planung dauerte gut ein Jahr und war intensiv, der Umbau dementsprechend aufwendig aber lohnenswert. Im Moment entsteht gleich neben der Kita ein Spielplatz. Auch hier sind Familienmitglieder an der Arbeit: Die zwei Söhne von Gabriella Peterhans sind Landschaftsgärtner und leisten hier viel Fronarbeit. Auch dank der professionellen Unterstützung diverser Firmen aus der nahen Umgebung wurde das Projekt Wirklichkeit.

Blick auf Mellingerstrasse

Die Kinder haben die Räume in Beschlag genommen. Durch den Gang zieht sich eine Strasse - gestaltet mit Klebstreifen. Im Bastelzimmer entstehen Feuerwehrautos aus leeren Schachteln, eine Kartontankstelle wartet auf Besucher. Gern sitzen die Kinder auch an den Fenstern und beobachten Autos, Lastwagen und Busse, die auf der Mellingerstrasse vorbeifahren. Auch ohne klassisches Spielzeug: Langeweile gibt es hier nicht.

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