Eigentlich sollte es in diesem Jahr wieder aufwärtsgehen mit der Einkaufsstadt Baden. Wenn der neue Schulhausplatz fertig ist, wird die Innenstadt wieder besser erreichbar sein.

Allerdings: Zurzeit stehen allein in der Weiten Gasse und in der Badstrasse ein Dutzend Ladenlokale leer – an der Weiten Gasse unter anderem das Lokal, wo zuvor Chicorée Best Price eingemietet war. Der ehemalige «Schild» am Schlossbergplatz wird gerade zu einem «Globus»-Kleidergeschäft umgebaut.

Im Haus zum Salmen an der Badstrasse 20, wo das Restaurant Da Franco stand, hat Schild seit 2013 eine Filiale der Marke «s.Oliver» betrieben. Auch hier: Leerstand. Schräg gegenüber wird gerade der Sunrise-Shop umgebaut, der aber schon am Montag auf reduzierter Fläche wieder öffnet. Und am Bahnhofplatz wird die Gelateria Mona Lisa umgebaut – hier zieht zum Frühlingsanfang wieder ein Eiscafé ein.

Nagelstudio statt Edelsteine

Auf den Grundstücken an der Badstrasse 25-29 und am Brenntweg 1 wollte der Unternehmer Dölf A. Köpfli eigentlich ein Neubauprojekt namens «Metropol» errichten. Daraus wird vorläufig nichts. Auf der Webseite von Köpflis Unternehmen Metaloca heisst es dazu – mit den Worten Wilhelm Buschs: «Aber hier, wie überhaupt, kommt es anders, als man glaubt.»

Köpfli hat das Projekt zurückgezogen, die leerstehenden Ladenlokale sind zur Vermietung ausgeschrieben – voraussichtlich bis 2023. In diesen Geschäften waren früher Kovats Optik, die Stoffzentrale, die Edelsteinboutiqe La Pierre sowie die Wäschegeschäfte Perosa und Intimissimi. Perosa hat direkt gegenüber wiedereröffnet. Die Stoffzentrale und La Pierre sind an die Weite Gasse umgezogen, Kovats Optik eröffnet dort neu im Mai.

Ein Nachmieter ist an der Badstrasse schon gefunden: Dort wo früher Edelsteine verkauft wurden, entsteht ein neues Nagelstudio. Schräg vis-à-vis hat letzten Montag bereits ein Beautygeschäft mit Nagelkosmetik eröffnet. Angesprochen darauf, ob die Badstrasse nicht an Qualität verliere, wenn jetzt noch ein Nagelstudio einziehe, sagt Köpfli: «Das Nagelstudio ist ein Start-up, das sind sehr initiative Leute.»

Offenbar seien Nagelstudios und Schönheitsdienstleistungen ein grosses Bedürfnis. Schliesslich gäbe es in der Stadt Baden auch über 50 Coiffeure. «Und Konkurrenz belebt ja das Geschäft.» Für die anderen Lokale habe er bereits zahlreiche Interessenten. Es besteht also keine Gefahr, dass die Läden lange leerstehen.

Dass die Weite Gasse der Badstrasse bald den Rang unter den Einkaufsstrassen ablaufen könnte, glaubt Köpfli nicht. Im Gegenteil, die Badstrasse sei die beste Lage in der Stadt: «Die Musik spielt zwischen dem Stadtturm und dem Bahnhofplatz. Die Weite Gasse ist dagegen B-Lage.» Zu den Gründen, warum er das Projekt Metropol zurückgezogen hat, sagt Köpfli: «Ich habe viel Widerstand gespürt.» Das Projekt sei von der Stadtbildkommission stark kritisiert worden.

«Lebensfreude allein reicht nicht»

Im vergangenen Juni hatte Köpfli ein überarbeitetes, zweites Projekt eingereicht, mit einem Geschoss mehr als ursprünglich geplant. Das sei so von der Stadt gewünscht worden, habe aber dafür dann zu noch mehr Einwendungen aus der Nachbarschaft geführt. Baden sei eine tolle Stadt mit einer super Lebensqualität. Aber die Lebensfreude alleine reiche eben nicht. «Man sollte den Charme der Innenstadt erhalten, aber es muss auch wirtschaftlich sinnvoll sein.» Ihm sei die Lust etwas vergangen, sagt Dölf A. Köpfli.

Ärgern möge er sich aber nicht mehr: «Ich warte jetzt ab und schaue in zwei, drei Jahren, wie es hier weitergehen könnte.» Sein Traum sei es immer noch, an der Badstrasse dereinst ein gut geführtes Café zu eröffnen, «vielleicht mit einem Pianisten und mit langen Öffnungszeiten.» Das Projekt Metropol sei momentan «on hold».

Jarl Olesen, Leiter der städtischen Abteilung Planung und Bau, sagt: «Wir bedauern das sehr.» Aber die Entwicklung der Badstrasse werde weitergehen, auch wenn es städtebaulich ein anspruchsvolles Gebiet sei. An dieser zentralen Lage unmittelbar beim Bahnhof werde eine Verdichtung nach innen stattfinden. «Die Herausforderung wird darin bestehen, diese so zu gestalten, dass die bestehenden Qualitäten der Badstrasse nicht verloren gehen, sondern möglichst gestärkt werden», so Olesen.