Eine holländische Familie sitzt vor dem grossen, roten Haus an der Limmat, die Kinder spielen im Brunnen. Kurze Zeit später radelt ein junges Paar mit ihren Fahrrädern der Kanalstrasse entlang, bepackt mit Reisegepäck und findet sein Ziel vor demselben Haus – vor Badens Jugendherberge.

Es ist Ferienzeit und Hochsaison in der Jugendherberge. Wen zieht es in seinen freien Tagen nach Baden in die Jugi?

«Velofahrer, Schulklassen und Familien aus Deutschland oder der Schweiz kommen oft in die Jugi», sagt Anja Gühlcke. Sie hat zusammen mit ihrem Partner Dennis Kaufmann vor einem Jahr die Herberge übernommen. «Wir beherbergen aber auch ausländische Personen, die für gewisse Zeit hier arbeiten und dann wieder nach Hause gehen», sagt Gühlcke.

Die Leute seien oft froh, wenn sie in der Jugi unterkommen könnten, da diese eine kostengünstige Alternative zu den Hotels sei. «Sie schätzen es auch, wenn sie abends mit uns plaudern können», ergänzt Gühlcke.

Die Velofahrer nutzen die Jugi meist als Übernachtungsmöglichkeit auf ihrer Tour. «Was immer wieder vorkommt», erzählt Anja Gühlcke, «ist, dass Velofahrer oder Wanderer den Campingplatz in der Aue suchen.»

Dieser existiert aber schon seit Jahren nicht mehr. «Dann schlafen sie alternativ bei uns.» So zum Beispiel Nathalie Weissbrodt und Dersu Huber aus Nidau, die am Anfang ihrer drei monatigen Veloreise nach Istanbul stehen: «Wir sahen den Campingplatz auf unserer Velokarte und kamen, um dort unser Zelt aufzustellen – und erfuhren erst hier, dass es ihn nicht mehr gibt. Aber die Jugi gefällt uns auch», sagen sie und lachen.

80 international belegte Betten

Obwohl vermehrt Gäste aus der Schweiz die Herberge besuchen, gibt es kaum eine Nationalität, die noch nicht in einem der über 80 Jugi-Betten geschlafen hat. «Einmal war ein indischer Junge hier», so Gühlcke.

«Er war zum ersten Mal auf einer Reise ausserhalb Indiens und hatte einen kleinen Kulturschock – wir mussten ihm erst ausführlich erklären, wie unsere Kultur funktioniert», erinnert sie sich. Es seien auch schon Chinesen da gewesen, die am Thermalbad oder dem trinkbaren Brunnenwasser Freude gehabt hätten.

«Baden ist gut für Touristen, weil es alles bietet», sagt Gühlcke. «Besonders interessiert sind die Familien am nahe gelegenen Terrassenschwimmbad.» Dennis Kaufmann fügt an: «Jugendherbergen werden immer beliebter für Familienferien.»

Die beiden Chefs der Jugi sind mit ihrem ersten Jahr zufrieden. «Die abwechslungsreiche, Arbeit gefällt uns sehr», sind sich Anja Gühlcke und Dennis Kaufmann einig.