Beizenrundgang
In der «RecycleBar» gibt es den Caipirinha auch mit null Prozenten

Am Stadfest gibt es Hunderte von Metern Bartheken, an die man sich hängen kann, wenn die Füsse nicht mehr ganz mitmachen - ein Beizenrundgang am Cordula- und am Schlossbergplatz.

Mayeli
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Beizenrundgang auf dem Cordula- und Schlossbergplatz
5 Bilder
Wildes Baden neben der Ladestation
Gediegen und gesittet geht es an der Axpo-Ladestation zu und her
Bei der «recycle» Bar von Dionysos steht Baden kopf
An der Fassada der Gesichtsbar des Quartiervereins Allmend-Münzlihausen werden alle Quartiergesichter gezeigt

Beizenrundgang auf dem Cordula- und Schlossbergplatz

Alex Spichale

Da hab' ich doch irgendwo läuten hören, dass Reservationen in den Festbeizen nicht erlaubt seien. Trotzdem stand auf einem 10er-Tisch «ab 19 Uhr reserviert», war eine halbe Bar einer «geschlossenen Gesellschaft» vorbehalten, werden gewisse Menus und Shows nur auf Vorbestellung serviert, was gleichbedeutend ist mit Tischreservation und auch für den Bauchtanz-Genuss an der Arabian Night in der «Change»-Lounge hiess es «unbedingt reservieren!»
Wie dazumal bei Bibracte
So ähnlich wie beim Kampf um Sitzplätze am Fest muss es an der Schlacht bei Bibracte zugegangen sein. Aber es gibt ja Hunderte von Metern Bartheken, an die man sich hängen kann, wenn die Füsse nicht mehr ganz mitmachen. Bars mit passendem Namen wie «Zuflucht» auf dem Cordulaplatz, mit hölzernem, leicht aus den Fugen geratenem Triangulations-Dreieck als Blickfang. Auch im Boden sind Löcher, in welche die Brunnenfiguren präzise das Wasser speien.
An der Bar vom Palazzo Santo Cordula vis-à-vis vom Löwenbrunnen haben die Gäste unter den von Goldschmied Philipp Frey zu reizvollen Kronleuchtern umgestaltete alte Weihnachtsbeleuchtung, ob den Tönen gestaunt, die am Montagabend erklangen: «Hudigäggeler» statt Canzoni oder Rondo Veneziano. Das Trio Linner Linde spielte unverdrossen und ohne Verstärker, was inmitten des grassierenden 100+-Dezibel-Wettkampfs Balsam für die Ohren war. Solcher für die Kehle ist der Zunft-eigene rote Cuvée Rosenreben, der am Abhang von Schloss Stein gedeiht.
Der Schlossbergplatz wird dominiert von der dreistöckigen «Gesichtsbar», an deren Stofffassade bei Dunkelheit Namen und Gesichter von Bewohnern der Allmend und von Münzlishausen projiziert werden. Die Bar ist auch Beiz, in der es Eulenbier gibt, gebraut in Münzlishausen von Martin Suter mit eigenem Hopfen, Malz und unter Zugabe von Tannenspitzli. Von der zweiten Etage blickt man in die vier Hotelzimmer im «Triibhus» schräg gegenüber. Die Zimmer heissen «Männertreu», «Vergissmeinnicht», «Mauerblümchen» und «Bettseicherli» und sind liebevoll ausstaffiert und dem Vernehmen nach ziemlich ausgebucht. «Wiesen»-WC, Brünneli, Frotteetüchern und Frühstück sind inklusive - ob auch Ohropax entzieht sich meinen Kenntnissen.
Mit oder ohne Prozente

Bei «Dionysos» steht Baden (auch) fotografiert Kopf und kunterbuntes kulturelles Programm geboten. In der «RecycleBar» obendrüber gibt es Virgin-Caipirina mit null Prozenten (trotzdem schmackhaft!) und Sex on the Bike, was mich, wörtlich genommen, eine enorme akrobatische Herausforderung dünkt. Ein Besuch lohnt sich auch wegen der Dekoration: Deckenlampen, Kerzenhalter, Wandverkleidung, baumelnde «Quallen» - alles aus Petflaschen.
Schnörkellos vom Bühnenbauer erstellt steht die «Ladestation» kühl da. Als «Dekoration» lädt der Kulturverein Axpo jeden Abend zwei Prominente zum Schaukochen ein, was vom Kolumnistenpaar Schneider/Schreiber drauflos moderiert und per Video aufgezeichnet wird. Mir ist «Wildes Baden» lieber: Im originell ausstaffierten Western-Saloon der NAB-Badenfahrer werden unter anderem Hamburger serviert. Dem Vernehmen nach sind sie aber nicht aus gehackten deutschen und amerikanischen Steuerfahndern hergestellt.