Gut möglich, dass man Werner van Gent diese Woche in Wettingen beim Einkaufen begegnet. Sollte man den Radio- und TV-Korrespondenten dabei nicht auf Anhieb erkennen: Spätestens, wenn man ihn mit seinem unverwechselbaren holländischen Akzent sprechen hört, gibt es keinen Zweifel mehr an seiner Identität.

Der 58-jährige schweizerisch-niederländische Doppelbürger van Gent befindet sich wieder einmal auf Heimurlaub in der Schweiz. «Etwa alle sechs Wochen besuche ich meine Mutter, die im Lindenhof in Wettingen lebt», erzählt van Gent. Als junger Erwachsener kam van Gent 1972 mit seinen Eltern in die Schweiz - sein Vater hatte eine Anstellung bei der Firma Brown, Boveri & Cie. (BBC) gefunden. Von 1973 bis 1978 studierte van Gent Soziologie an der Universität Zürich, ehe er nach Athen zog. Seit über 25 Jahren berichte van Gent aus Griechenland, aus der Türkei und aus dem Nahen Osten.

Referent und Reisebegleiter

Seinen Aufenthalt als Heimurlaub zu betiteln ist insofern zu kurz gegriffen, als van Gent in dieser Woche verschiedene Auftritte als Referent hat. Dank seines grossen Wissens über Griechenland und den Nahen Osten ist er ein gefragter Redner - jetzt erst recht wegen der aktuellen Staatskrise Griechenlands. Die Situation bereite auch ihm Sorgen, gibt van Gent offen zu. «Meine Frau und ich haben unsere Papiere zurzeit in Athen. Wenn es so weitergeht, überlegen wir uns aber, unsere Papiere wieder in die Schweiz zu verlegen.»

Wenn van Gent jeweils in der Schweiz ist, nutzt er auch die Gelegenheit, für seine geführten Reisen zu werben. 2005 gründete er zusammen mit seiner Frau «die Manufaktur für private Studienreisen», wie van Gent sein Unternehmen mit Sitz in Wettingen nennt.

Gruppenreisen für Individualisten

Seine Reisefirma «Treffpunkt Orient» bietet «Gruppenreisen für Individualisten» an. «Die Teilnehmer reisen bei uns als Individuen mit; wir nehmen deren Interessen und individuelle Ansprüche ernst», sagt van Gent. Bei jeder Reise in die Länder des Orients ist van Gent mit dabei, um den kleinen Reisegruppen mit seinem Wissen die Menschen und deren Kultur näherzubringen. «Es sind anspruchsvolle Reisen. Die meisten Kunden bringen viel Vorwissen mit; denen kann man nichts vormachen.»

Frühstücken im Badener Casino

In sieben Jahren wird Werner van Gent theoretisch pensioniert - theoretisch. Er sei durch und durch Journalist und höre sicher nicht mit 65 Jahren auf. «Als Taxichauffeur habe ich am meisten für meinen Beruf als Journalist gelernt», so seine etwas überraschende Aussage. «Man musste sehr flexibel sein und auf die Menschen eingehen können - Eigenschaften, die auch als Journalist gefragt sind.»

Eines Tages hauptsächlich in der Schweiz zu leben, kann er sich nicht vorstellen. «Aber ein kleiner Zweitwohnsitz wäre schon eine Überlegung wert.» Es sei halt auch hier sehr schön. «Letzten Sonntag bin ich mit meiner Mutter ins Casino frühstücken gegangen; einfach herrlich.»