Baden

In der Stanzerei spielten brilliante Saxophonisten sinnlichen Free Jazz

Ellery Eskelin, David Liebman, Anthony Joseph Marino und Jim Black (v.l.) spielen in der Stanzerei.

Ellery Eskelin, David Liebman, Anthony Joseph Marino und Jim Black (v.l.) spielen in der Stanzerei.

Die Tenorsaxophonisten David Liebman und Ellery Eskelin spielten am Wochenende in der Stanzerei. Musikalisch liessen sie sich gegenseitig weitgehend in Ruhe. Nur einmal kam es zu einem Duett, einem Klingenkreuzen in Form einer Kollektivimprovisation.

Zwanzig Jahre ist es her, dass die Konzertorganisation «Kulak» an der Kreisschule Berikon mit einem ersten Anlass an die Öffentlichkeit trat. Damals war der amerikanische Saxophonist David Liebman mit einer aus skandinavischen Musikern bestehenden Gruppe zu Gast. Seither trat Liebman in verschiedenen Besetzungen mehrfach bei «Kulak» auf.

Eine zu Liebman ziemlich parallele «Kulak»-Vergangenheit, mit zahlreichen Konzerten und CD-Aufnahmen, hat der ebenfalls amerikanische Saxophonist Ellery Eskelin. Was lag da näher, als zum Geburtstag das gemeinsame Liebman-Eskelin-Quartett, «Different But The Same» getauft, zu verpflichten ?

Eine musikalische Reise

Die Stanzerei im Merker-Areal war Schauplatz des Geschehens. Mit Liebman und Eskelin (beide am Tenorsaxophon) spielten der Bassist Tony Marino und der Schlagzeuger Jim Black. Als «voyage», als musikalische Reise bezeichnete Dave Liebman in der Ansage treffend das Kommende.

In langen, unbegleiteten Soli stellten sich die Musiker zu Beginn vor, ehe man zu gemeinsamem Spiel überging. Es entwickelte sich eine Art kammermusikalischer Free Jazz, die sinnliche, kontemplative Variante dessen, was zu den Gründerzeiten dieses radikalen Stils als Aufruhr und Protest gegolten hatte. Doch zwei Giganten machen noch nicht doppelt so gute Musik: Liebman und Eskelin liessen sich gegenseitig weitgehend in Ruhe, spielte der eine ein Solo, schwieg der andere, gelegentlich ein untermalendes Begleiten, kurze parallele Sequenzen mit reibenden Tönen. Nur einmal, im zweiten Konzertteil, kam es zu einem packenden Saxophon-Duett, zu einem Klingenkreuzen in Form einer erfrischenden Kollektivimprovisation.

Unterschiedlicher Ausdruck

Klanglich waren die Saxophonisten kaum voneinander zu unterscheiden, in ihrem Ausdruck dagegen schon: Eskelin baute auf sonore, langgeschwungene, bedächtige Motive. Liebmans Merkmale waren nervöse, hektische Kürzel, gelegentliche satirische Einwürfe im schreienden Flageolett.

Die kongenialen Partner Tony Marino und Jim Black lieferten dem Ganzen eine aufregende Unterlage: Bassist Marino mittels deftig flirrenden, rhythmisch unregelmässigen Linien und mit brachialem Bogenspiel; Black vertiefte sich in ein technisch komplexes, vielschichtiges und metrumfreies Spiel mit unterschiedlichen Gerätschaften. Eine klassische «Rhythmusgruppe» des freien Jazz, in dauernder Bewegung den Saxophonen ebenbürtig und diese gleichzeitig antreibend und ergänzend.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1