Untersiggenthal
In diesem Kurs fallen Baumstämme zu Boden

Im Wald der Gemeinde lernen Interessierte die Grundregeln der Holzerei. Jeder Teilnehmer fällt fünf bis sechs Bäume. Auch eine 35 Meter hohe Fichte wird während dem Kurs abgeholzt.

Michael Hugentobler
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«Achtung!», hallt es durch den Wald. Marco Kuhn zieht mit der Seilwinde eine 35 Meter hohe Fichte um. Der Baum ist rund 100 Jahre alt. Er knackt, dann kracht er auf den Waldboden.

Marco Kuhn aus Leibstadt ist eigentlich Lastwagenmechaniker. Seine Familie hat ein eigenes Stück Wald, in dem er selber Bäume fällt. «Ich bin ein Hobbyholzer und lerne jetzt von den Profis, wie man es richtig macht», sagt er. Marco Kuhn inspiziert mit seinem Instruktor Andreas Wenger die Schnittstelle des Baums. Wenger gibt ein Feedback: Was gut gelaufen war und was Kuhn nächstes Mal besser machen muss.

Risiken abschätzen lernen

Marco Kuhn besucht einen fünftägigen Kurs, der vom landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg Gränichen durchgeführt wird. Er ist einer von 21 Teilnehmern, die in Fünfergruppen Schritt für Schritt nach Anleitung des Instruktors Bäume fällen.

Die 35 Meter hohe Fichte ist sein zweiter Baum in diesem Kurs. Jeder Teilnehmer fällt fünf bis sechs Bäume. Denn nicht jeder Baum ist gleich. Hat ein Baum beispielsweise faule Stellen, muss er anders gefällt werden als ein gesunder Baum. Bäume, die ineinander verkeilt sind, sind dann eine weitere Herausforderung.

Instruktoren kennen den Wald

Das Zentrum Liebegg bietet den Kurs einmal pro Jahr an, jeweils in einer anderen Gemeinde des Kantons Aargau. Leiter des Kurses ist Rolf Wigger, Förster in Wollerau im Kanton Schwyz. Die Instruktoren stammen aus verschiedenen Kantonen der Schweiz. «Es ist uns wichtig, dass die Kursteilnehmer von berufstätigen Forstarbeitern unterrichtet werden», sagt Wigger. So könne sichergestellt werden, dass die Instruktoren ihre Erfahrungen immer weiter vertiefen und diese dann auch weitergeben.

«Im Zentrum der Ausbildung steht die Arbeitssicherheit und die richtige Arbeitstechnik», sagt Wigger. Denn jeder Bürger könne in den Laden gehen und sich eine Motorsäge kaufen, aber nicht jeder wisse, wie diese Säge dann auch fachgerecht benützt werde. «Waldarbeit ohne die entsprechende Ausbildung ist lebensgefährlich», sagt Wigger. So sei das Unfallrisiko bei Hobbyholzern um ein Vielfaches höher als bei ihren hauptberuflich tätigen Kollegen.