Auf einem kahlen Bettgestell, in blutige Bandagen gehüllt, liegt sie da, die zu einem Mensch gewordene Mücke. «Die Mücke spricht», heisst das einzige Theaterstück, das in dieser Saison auf der kleinen Kellerbühne des Teatro Palino in Baden spielt. Premiere feiert die Produktion am 2. November. Dabei ist es auch eine Premiere für die Transgender-Künstlerin Stella Palino: Es ist das erste Stück, das sie selbst geschrieben hat. Hilfe bekam sie lediglich von ihrem Berufskollegen Xavier Mestres Emilio.

«Ursprünglich wollte ich nur einen Monolog halten», sagt Stella und fügt an: «Mir wurde aber schnell klar, dass das Thema eine szenische Umsetzung braucht.» Für die laufende Saison war eigentlich keine Produktion eingeplant. Denn dem alternativen Theater wurden alle Subventionen gestrichen (die az berichtete). «Aber ich muss einfach auf die Bühne», erklärt Stella ihren Sinneswandel. Das Stück beweise zudem, dass man ohne Geld eine gute Produktion auf die Beine stellen könne: Nur ein Bettgestell und die Künstlerin stehen auf der Bühne.

Eine Szene aus die Mücke spricht

Eine Szene aus die Mücke spricht

Mücke rechnet mit Menschheit ab

In den Ferien auf einem Zeltplatz sei sie auf die Idee gekommen. «Ich hatte hundert Mückenstiche und habe nebenbei Bücher von Franz Kafka gelesen, das hat mich inspiriert.» Der Handlungsstrang des Stücks orientiert sich stark am Werk des deutschen Autors Kafka «Die Verwandlung». Statt eines Menschen, der sich in einen Käfer verwandelt, wacht hier jedoch eine Mücke in einem Menschenkörper auf. Dabei räkelt sich Stella auf dem Bettgestell und nimmt teilweise groteske Haltungen an.

«Sie haben Angst vor der Langeweile, denn in der Langeweile begegnet man sich selbst», mit solchen Aussagen wird das Menschsein auf philosophische Weise hinterfragt. Denn die Mücke sieht ihre Art und nicht die der Menschen als die Krönung der Schöpfung. Menschen sähen unklar, glaubten an ihre eigenen Erfindungen wie das Geld, die Moral und Gott. Provokant ist das Stück, und zwar absichtlich: «Nicht jeder wird es mögen, aber es soll ein bisschen stechen, wie eine Mücke das eben tut», erklärt Stella. Das Stück sei ein kurzer Prozess mit der Menschheit. Doch es lässt zugleich Interpretationsmöglichkeiten offen.

Während die Bühne im kleinen Kellertheater diese Saison nur für ein Stück zum Einsatz kommt, bietet Stellas «UnvermeidBar» ein volles Konzertprogramm an. Regelmässiger Jazz am Donnerstag dürfte einige Musikliebhaber begeistern. Und den ganzen November durch gibt es Lesungen der etwas anderen Art: Es werden erotische Texte vorgetragen.