Baden
In diesen Kindergarten könnten dereinst 12 Asylsuchende einziehen

Der Stadtrat strebt für die Nutzung des Kindergartens St. Ursus im Martinsbergquartier eine Asylunterkunft in Betracht. Weil der Kindergarten an die Wiesenstrasse zügelt, tun sich neue Nutzungsmöglichkeiten auf.

Martin Rupf
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Die Kindergärtler des «St. Ursus» sollen ab April 2017 an der Wiesenstrasse in den Kindergarten gehen.

Die Kindergärtler des «St. Ursus» sollen ab April 2017 an der Wiesenstrasse in den Kindergarten gehen.

zvg

Dass der Kindergarten St. Ursus im Martinsbergquartier an die Wiesenstrasse zügeln wird, wurde bereits im Mai dieses Jahres bekannt. An der Wiesenstrasse 28 hatte die Stadt Baden von der ABB Immobilien eine Liegenschaft für 1,5 Millionen Franken gekauft.

Dort soll nun ein Doppelkindergarten entstehen. Jetzt steht auch fest, was die nötige Sanierung des neuen Kindergartens kosten wird. An der letzten Einwohnerratssitzung dieses Jahres am 8. Dezember wird der Stadtrat dem Einwohnerrat einen Baukredit in der Höhe von 2,37 Millionen Franken unterbreiten. Darin enthalten sind die Kosten für die Gesamtsanierung wie auch die Kosten für den Abbruch des Pavillons an der Wiesenstrasse 30a, wo sich heute ein provisorischer Kindergarten befindet.

2,37 Millionen Franken für einen Doppelkindergarten? Fakt ist, dass der Kindergarten St. Ursus nicht mehr gross genug ist. Zwar wäre es möglich gewesen, das bestehende Gebäude zu einem Doppelkindergarten auszubauen. «Die Grobkosten hierfür wurden auf 1,9 Millionen Franken geschätzt», steht in der Vorlage.

Wohnung über Kindergarten

Zwar kommt die jetzt traktandierte Variante knapp eine halbe Million Franken teurer zu stehen, doch für Stadtammann Geri Müller ist sie gut eingesetztes Geld: «Ein grosser Vorteil ist die unmittelbare Nachbarschaft zur bereits der Stadt gehörenden Liegenschaft Wiesenstrasse 30, wo sich die ABB-Kinderkrippe befindet.» Dadurch könnten Synergien genutzt werden. «Kinder, die den künftigen Kindergarten besuchen, können gleichzeitig vom Hortangebot der ABB profitieren», so Müller.

Zudem hätten Kindergärtler von der Brugger-, Hasel- und Römerstrasse künftig einen wesentlich kürzeren Weg als zum heutigen Kindergarten St. Ursus. «Und da die beiden Liegenschaften vom Martinsberggut umgeben sind, kann mit dem Eigentum an den beiden Grundstücken sowie am Park eine grosse, zusammenhängende öffentliche Parkanlage geschaffen werden», ist Müller überzeugt. Ziel sei es, das Gebäude auf das Schuljahr 2017/2018 als Ersatz für die beiden heutigen Kindergartenabteilungen im Provisorium und im St. Ursus bereitzustellen.

Im Dachgeschoss soll zudem eine 3-Zimmer-Wohnung mit Galerie entstehen. Die Stadt rechnet mit einer Jahresnettomiete von rund 23 000 Franken. «Der Kindergartenbetrieb ist sicher kein Nachteil, weil die Kinder ja erst gegen 8 Uhr kommen und am Abend wieder Ruhe einkehrt», so Müller. Im Gegenteil: «Die Nutzung der Gebäudeumgebung in der kindergartenfreien Zeit ist sehr attraktiv.» Unter dem Strich rechnet die Stadt für die Wohnung mit einer Nettorendite zwischen 4 und 4,5 Prozent.

Platz für 12 Asylsuchende

Apropos Nutzung. Was passiert eigentlich mit dem St. Ursus? Längerfristig soll das Land im Baurecht abgegeben werden. Um aber an diesem Standort ein Wohnhaus bauen zu können, müsste das Land erst umgezont werden. Weiter müsste das heutige Gebäude abgerissen und durch ein neues ersetzt werden. Weil dies aber frühestens in fünf Jahren realisiert werden kann, strebt der Stadtrat eine Zwischennutzung an.

Er hat bereits verschiedene Optionen geprüft. Nicht in Betracht kommen – trotz Platznot – Räumlichkeiten für die Stadtpolizei. Vielmehr strebt der Stadtrat eine Nutzung als Asylunterkunft an, wie der Vorlage zu entnehmen ist. Bei Umbaukosten von rund 50'000 Franken könnte das Gebäude hierfür tauglich gemacht werden. Rund zwölf Asylsuchende könnten darin Platz finden. «Die Zwischennutzung könnte als Überangs- bzw. Ersatzlösung bis ins Jahr 2025 dienen», steht in der Vorlage.

Positiv hat der Vorstand des Quartiervereins Martinsberg die Ideen aufgenommen: «Der Vorstand wird seinen Teil dazu beitragen, dass das Projekt zur Zufriedenheit aller Beteiligten – Anwohner, zukünftige Bewohner und Stadt – realisiert werden kann», sagt Quartiervereinspräsident Stefan Ulrich. «Dies natürlich unter der Voraussetzung, dass ein Bedarf vorhanden ist an einer Unterkunft für Asylbewerber.»