Ennetbaden
In Ennetbaden verschwindet eine der letzten Rebbergparzellen

Eine Familientradition geht zu Ende, eine der letzten Rebbergparzellen wird überbaut. Doch nicht einfach so. Besitzer Martin Bölsterli liess einen Architekturwettbewerb durchführen.

Roman Huber
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Burkard Meyer Partner

Die Rebbergstrasse macht ihrem Namen in Ennetbaden alle Ehre. Wo sie sich zusammen mit der Geissbergstrasse hinaufschlängelt, dehnen sich noch wenige Rebberge mitten im Wohngebiet aus.

Einer davon ist der privat bewirtschaftete stattliche Rebberg der Familie Bölsterli» mit dem Flurnamen «im Sand». Das Besondere an ihm ist der Ausblick, der entlang dem Hang hinüber nach Baden führt.

Davon inspiriert – es musste etwa von dieser Stelle gewesen sein – hatte der im Bäderquartier zur Kur weilende englische Maler William Turner, der als Schöpfer der Stimmungslandschaften und damit Vorläufer der Impressionisten gilt, im 19. Jahrhundert den Blick nach Baden mit dem Pinsel eingefangen.

Emotionale Angelegenheit

Dass der Rebberg, eine eingezonte Bauparzelle, früher oder später überbaut würde, lag auf der Hand. «Er ist ein Anachronismus, dieser Rebberg mitten im Baugebiet», fügt Martin Bölsterli beinahe entschuldigend an. «Es ist für mich eine emotionale Angelegenheit», fährt Bölsterli fort.

Diesen Rebberg kaufte einst sein Urgrossvater. Dann nahm dort die Familie Wohnsitz. Das stattliche Wohnhaus, das der erfolgreiche Badener Architekt Walter Bölsterli in dritter Generation selber baute, gilt als architekturgeschichtlich bemerkenswertes Wohnhaus.

Alle drei Häuser auf dem Areal «im Sand» (Rebhaldenweg 5, 10 und 12) bleiben stehen. «Das war mein Wunsch», erklärt Martin Bölsterli. Um die architektonische Qualität, eine in die Landschaft eingepasste Überbauung, zu erreichen, führte Martin Bölsterli als Privater einen Architekturwettbewerb durch. Denn sehr rasch merkte er, dass man dieses Landstück nicht einfach dem Schicksal überlassen und verkaufen durfte.

Lokalmatadoren bleiben ungeschlagen

Drei renommierte Zürcher Büros sowie das Badener Architekturbüro Burkard Meyer Partner wurden eingeladen. «Alle anonym eingereichten Vorschläge sind in ihrer Art zwar bestechend», erklärt Bölsterli. Die Jury habe sich aber einstimmig für das Projekt der Lokalmatadoren Burkard Meyer entschieden – kein Wunder, sie nannten dieses «Turner».

«Es ist ein Projekt, das die topografischen Gegebenheiten und die durch die Bewirtschaftung der Reben entstandenen Treppen des Hangs optimal aufnimmt und in der Bebauung umsetzt», beschreibt Martin Bölsterli das Vorhaben.

Der Preis dafür: Auf ein Attikageschoss muss verzichtet werden. Zehn Eigentums-Wohneinheiten sind geplant. Die schwellenfrei erreichbaren Wohnungen sind südorientiert. Im Südwesten befindet sich eine Aussenterrasse mit dem beschriebenen Ausblick über Ennetbaden hinüber zur Altstadt von Baden mit ihrer historischen Silhouette.

Ein «Vierjahreszeitenzimmer» zwischen Wohnraum und Terrasse dient als Veranda zwischen innen und aussen, im Wechsel der Jahreszeiten.

«Wir werden noch eine Traubenernte einbringen», sagt Martin Bölsterli. Vorher werde mit dem Bau nicht begonnen. Das Baugesuch liege auf. Und danach? «Dank der guten Alterungsfähigkeit des Bö-Weins werde ich sicher noch bis Ende dieses Jahrzehnts den eigenen Wein trinken können», sagt Bölsterli.