Baden
«In grosser Sorge»: Heimatschutz kritisiert die Planung im Bäderquartier

Dem Schweizer Heimatschutz, der Aarau den Wakkerpreis vergeben hat, ist ein Dorn im Auge, wie die Stadt das Bäderquartier plant. Das Quartier müsse sich weiterentwickeln, und zwar mit Sorgfalt. Stadtammann Geri Müller widerspricht.

Martin Rupf, Janine Müller
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Stein des Anstosses: das ehemalige Hotel Verenahof in Baden. az archiv

Stein des Anstosses: das ehemalige Hotel Verenahof in Baden. az archiv

Aarau erhielt am Dienstagmorgen vom Schweizer Heimatschutz den Wakkerpreis verliehen (az vom 22. Januar). Dies vor allem, weil sich die Stadt «qualitätsvoll verdichtet» habe. In Baden, der zweitgrössten Stadt des Kantons, ist man darüber nicht neidisch. Stadtammann Geri Müller freut sich vielmehr und gratuliert zum Wakkerpreis: «Aarau hat den Preis verdient.»

Der Wakkerpreis

Der Wakkerpreis wird seit 1972 verliehen. Drei Aargauer Gemeinden haben die Auszeichnung seit 1972 erhalten. 1985 Laufenburg, 2002 Turgi und 2014 Aarau. Der Preis ist mit 20 000 Franken dotiert, der Werbeeffekt der Auszeichnung wird auf über 1 Million Franken geschätzt. Gemeinden können sich nicht für den Preis bewerben. Vielmehr nimmt eine Kommission des Schweizer Heimatschutzes Gemeinden von sich auf unter die Lupe. Am Ende des Auswahlverfahrens unterbreitet die Kommission dem Heimatschutz-Vorstand einen Vorschlag. (mru)

Und doch stellt sich die Frage: Was hat Aarau, was Baden nicht hat? «Auch Baden ist immer wieder auf unserem Radar gewesen und im erweiterten Kreis geprüft worden», sagt Patrick Schoeck vom Heimatschutz.

Für die Stadt würden die hohe Lebensqualität und die vielfältige Baukultur sprechen. «Doch ein grosser Dorn im Auge ist uns die Planung des Bäderquartiers», sagt Schoeck. Dabei gehe es weniger um das geplante Bad selber als vielmehr um das Verenahof-Geviert. «Wir sind in grosser Sorge und haben den Eindruck, die Stadt mache zu wenig, um dieses Kulturobjekt von nationaler – wenn nicht gar internationaler – Bedeutung zu erhalten», so Schoeck. Nur mit dem Erhalt der Fassade sei es nicht getan. «Natürlich muss sich das Bäderquartier und somit auch die Stadt weiterentwickeln, aber bitte mit Sorgfalt.»

Umso erfreuter nimmt der Heimatschutz zur Kenntnis, dass viele Menschen in Baden sich über die Zukunft und die Gestaltung des Bäderquartiers Gedanken machen. Generell hat Schoeck den Eindruck – wenn er etwa an die Kulturbühne Royal denkt –, dass die Stadt zu sehr Einzelplanung betreibe und zu wenig im Grossen plane. «In naher Zukunft kann Baden nun zeigen, dass sie die Entwicklung der Stadt mit Sorgfalt plant», so Schoeck.

Stadt lässt Vorwurf nicht gelten

Ein Wink zur richtigen Zeit

Kommentar von Martin Rupf

Es ist Stadtammann Geri Müller anzurechnen, wenn er sagt, die Stadt dürfe sich nicht nur an Auszeichnungen orientieren. Und doch wird es dem Stadtrat und den Stadtplanern wohl zu denken geben, wenn der Schweizer Heimatschutz die Planung des Bäderprojekts - eines der bedeutendsten Vorhaben der jüngsten Zeit - mit der Aussage quittiert, sie sei ihm ein Dorn im Auge.

Dem Heimatschutz kann aber entgegengehalten werden, dass sich die Stadt sehr wohl darum bemüht, das Bäderquartier sorgfältig zu planen. So hat sie zusammen mit der kantonalen Denkmalpflege ihre Bedenken zum Umbau des ehemaligen Hotels Verenahof geäussert - und damit nicht zuletzt den Ärger der Bauherrschaft auf sich gezogen. Insofern ist die Schelte nicht überzubewerten.

Sie muss aber als Wink verstanden werden, dass auch die weitere Planung sorgfältig angegangen werden muss. Dabei ist die Stadt nicht zu beneiden: Einerseits ist sie angehalten, das historische Erbe im Bäderquartier zu erhalten. Andererseits muss sie den der Betrieb eines Bades und seiner Nebenbetriebe ermöglichen. Gelingt dieser Spagat, ist der Wakkerpreis dann sekundär.

Geri Müller lässt die Kritik nicht gelten: «Die Stadt treibt die Planung des Bäderquartiers und insbesondere des Verenahof-Gevierts sehr wohl sorgfältig voran. Wir bewilligen nur das, was von Gesetzes wegen erlaubt ist.» Aber es sei auch klar, dass beide Parteien – Denkmalpflege und Investor – Eingeständnisse machen müssten.

Was will Baden tun, um dereinst auch einmal den renommierten Wakkerpreis entgegen zu nehmen? «Dieser Preis ist nicht unser Ziel», sagt Müller. «Wir dürfen uns nicht an Preisen orientieren.» Die Stadt Baden arbeite so oder so an ihrem Stadtbild. Dass man alte Gebäude erhalte und die Altstadt renoviere, sei wichtig für das Gesicht einer Stadt. «Sonst entstehen bald gesichtslose, graue Betonwüsten», so Müller.

Grundsätzlich will Müller nichts von einem Konkurrenzkampf wissen – auch wenn die Stadt Aarau im Städteranking des Schweizer Wirtschaftsmagazins «Bilanz» stets leicht die Nase vorne hat. Der Aargau habe sich nur so gut entwickelt, weil die Gemeinden gut zusammenarbeiten. So auch die zwei grössten Städte des Kantons. Deren Stadträte würden sich stets intensiv austauschen. Das sei wichtig, findet Müller, denn nur so könnten sich die Gemeinden verbessern.