Stetten
In Stetten wird der Obstbrand zu Gold verarbeitet

Bis zu 500 Tonnen Früchte verarbeitet die Stetter Spezialitätenbrennerei pro Jahr, über die Hälfte davon sind Kirschen. 40 000 Liter Reinalkohol stellte die Humbel Spezialitätenbrennerei 2014 her. Die Firma stellt mittlerweile über 40 Produkte.

Carla Stampfli
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Humbel Spezialitätenbrennerei Stetten
16 Bilder
Stefan Müller zeigt die verschiedenen Humbel-Brände
In den Brennhäfen wird die Maische aufgekocht
Verkaufsleiter Stefan Müller
Quitten von den hauseigenen Bäumen
Kirsch ist und wird Humbels Kerngeschäft bleiben
Hansjörg Moser schmeckt das Williams-Destillat ab
Durch das Aufkochen der Maische verdampft der Alkohol
Die Maische wird im Kupferkessel erhitzt
Die Obstplantage liegt direkt hinter der Brennerei
Der Keller der Spezialitätenbrennerei Humbel
Die Früchte gären in Fässern
Der Traubendbrand trägt mit die Goldmedaille mit Stolz um den Hals
Betriebsleiter Marc Rohner schaut im Lagerkeller nach dem Rechten
Der Dampf steigt und wird wieder flüssig aufgefangen
Auch das Design muss stimmen

Humbel Spezialitätenbrennerei Stetten

Mario Heller

Stolz trägt sie ihre Goldmedaille um den Hals. Nicht etwa eine Sportlerin, sondern die Flasche des Traubenbrands «Muscat Bleu Nr. 11». Auf demselben Regal ist das Diplom mit dem Titel «Brenner des Jahres 2015/2016» aufgestellt. Dass es sich hier nicht um einen Verkaufsladen einer gewöhnlichen Brennerei handelt, sondern die mehrfach prämierte Humbel Spezialitätenbrennerei, ist schnell ersichtlich: Auf den Regalen wechseln sich sortenreiner Kirsch, Birnenbrand und Gin mit Auszeichnungen ab.

«Die Preise sind eine schöne Anerkennung und nicht selbstverständlich», sagt Verkaufsleiter Stefan Müller. Für die Spezialitätenbrennerei sind die Auszeichnungen auch eine Art Trendbarometer; sie zeigen, wo noch Potenzial vorhanden ist. «Wir können uns nur steigern, wenn wir uns mit anderen Mitbewerbern messen», so Müller.

Der Williams-Birnenbrand, der in der Halle nebenan produziert wird, hat definitiv Steigerungspotenzial: Denn noch ist er in Form von Maische in einem der vier Brennhäfen am Kochen. Die gegorenen Birnen im Kupferkessel verströmen einen süsslichen Duft. Durch das kleine Fensterchen im Kupferkessel ist ersichtlich, wie die Hitze kleine Bläschen wirft.

Maische braucht mehr Hitze

«Um einen guten Brand herzustellen, braucht es qualitativ gute Früchte – und einen guten Brenner», sagt Stefan Müller und blickt in Richtung Hansjörg Moser. Er ist gerade daran, das Destillat zu testen. Moser füllt eine kleine Menge in ein Likörglas, riecht daran und nippt an der klaren Flüssigkeit. Sein Gesichtsausdruck zeigt, dass die Maische im Brennhafen noch etwas erhitzt werden muss: Nur der Mittellauf, der beim Destillieren entsteht, trägt das typische Fruchtaroma und ist geniessbar. Der Rest ist Vor- und Nachlauf. Dieser besteht hauptsächlich aus Fuselölen und wird weggetrennt. Nicht eine Maschine, sondern Hansjörg Mosers Gaumen und Nase schmecken bei Humbel den Mittellauf, auch «Herzstück» genannt, heraus. «Das Ganze ist keine Wissenschaft. Was es aber braucht, ist Erfahrung und einen guten Riecher», erklärt er.

Bis zu 500 Tonnen Früchte verarbeitet die Stetter Spezialitätenbrennerei pro Jahr, über die Hälfte davon sind Kirschen. «Das letzte Jahr war ein besonders gutes», erklärt Stefan Müller. Rund 40 000 Liter mit Reinalkohol hat Humbel 2014 hergestellt. Dieses Jahr würden die Bäume aufgrund des Wetters etwas weniger Früchte tragen, sagt er.

Quitten, Gravensteiner-Äpfel, gelbe und rote Williams-Birnen ernten die Mitarbeitenden von den Bäumen direkt hinter der Brennerei. Die Kirschen hingegen kommen aus dem Baselbiet oder dem Fricktal. Früchte aus dem Ausland werden keine importiert, es werden nur einheimische verwendet.

Kirsch bleibt Kerngeschäft

Während zu Beginn vor allem Klassiker wie Kirsch, Pflümli und Williams produziert wurden, stehen heute über 40 verschiedene Produkte in den Verkaufsregalen; von Bio-Destillaten und Hochstammobst-Schnäpsen bis hin zu Bränden aus Himbeer und Rüebli. «Unser Kerngeschäft wird aber weiterhin der Kirsch bleiben», sagt Müller. Davon zeugt der Spruch «Kirsch oder nicht Kirsch, das ist hier die Frage», der an der Wand des Verkaufsladens geschrieben steht. Aber auch die beiden Kirschsorten, die im Rahmen der Prämierung «Distisuisse» und «Kirschtrophy» kürzlich mit Gold ausgezeichnet wurden.

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