Wettingen
In Wettingen tobt der erbitterte Kampf um die Mittelstufe

Die Interessengemeinschaft «Sechs Jahre Ein Schulhaus» will in Wettingen kein Mittelstufenzentrum. Die Gemeinschaft verlangt, dass die Kinder die gesamte 6 Jahre dauernde Primarschule in demselben Schulhaus und Schulkreis besuchen.

Dieter Minder
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Sie wollen, dass die Kinder 6 Jahre im Schulhaus Altenburg unterrichtet werden (von links): Ivonne Huggenberger, Ulricke Kirschbaum und Ellen Lehner. Alex Spichale

Sie wollen, dass die Kinder 6 Jahre im Schulhaus Altenburg unterrichtet werden (von links): Ivonne Huggenberger, Ulricke Kirschbaum und Ellen Lehner. Alex Spichale

«Wir sind der Meinung, dass bei der Schulraumplanung die Sicht der Kinder im Vordergrund stehen soll», sagt Ulricke Kirschbaum. Sie, Ellen Lehner und Ivonne Huggenberger-Kleber gehören zum Kernteam der Interessengemeinschaft «Sechs Jahre ein Schulhaus» (IG).

Bezogen auf Wettingen heisst das: Sie verlangen, dass die Kinder die gesamte 6 Jahre dauernde Primarschule in demselben Schulhaus und Schulkreis besuchen können. «Ein Mittelstufenzentrum lehnen wir ab», sagt Kirschbaum.

Einwohnerrat hat zugestimmt

Die Oberstufe sollen die Jugendlichen in der Bezirksschule oder im Margeläcker (Sekundar- und Realschule) absolvieren. Mit der heute 5 Jahre dauernden Primarschule sind die Schulhäuser Altenburg, Margeläcker sowie Lägern und Sulperg ausgelastet.

Genügend Schulzimmer, um auch das 6. Schuljahr in den Schulhäusern, die jeweils einen Schulkreis bilden, zu unterrichten, gibt es nicht. Mit ihrem vor rund einem Jahr vorgestellten Schulraumkonzept haben Schulpflege und Gemeinderat die Aufteilung festgelegt.

Der Einwohnerrat segnete das Schulraumkonzept ab. Demnach werden die 1. bis 4. Klasse in den Schulhäusern Altenburg, Lägern, Sulperg und Margeläcker unterrichtet. Die 5. und 6. Klasse werden im Schulhaus Zehntenhof zusammengefasst. In Fachkreisen wird das Modell als 2/2/2 bezeichnet, das heisst, die Schüler wechseln in der Regel alle 2 Jahre die Lehrkraft.

Eine schwierige Lebensphase

Gerade im Wechsel in das Oberstufenzentrum sieht die IG einen grossen Nachteil. «In einer schwierigen Lebensphase werden die Kinder aus dem vertrauten Schulkreis herausgerissen», sagt Kirschbaum. Sie plädiert deshalb für das Modell 3/3, bei dem die Schüler nur zweimal eine neue Lehrkraft erhalten.

Für Lehner gibt es einen weiteren Grund für das Modell 3/3: «Die Schüler der Einschulungsklassen hätten bei dem System 2/2/2 bereits in der 3. Klasse den 3. Lehrerwechsel hinter sich.» Sie ist überzeugt, dass die schwächeren Schüler bei häufigeren Wechseln mehr unter Druck geraten, wodurch ihre Leistungen eher abnehmen.

Keine pädagogischen Bedenken

«Aus pädagogischer Sicht gibt es keine Argumente gegen die Zusammenfassung der 5. und 6. Klassen in einem separaten Schulhaus», sagt Christian Aeberli vom kantonalen Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS).

«Beide Modelle sind sich ebenbürtig», sagt Aeberli zu 2/2/2 beziehungsweise 3/3 und betont: «Der Kanton würde den Gemeinden sicher kein System gestatten, das schlecht wäre.» Dagegen sieht Kirschbaum keine pädagogische Begründung für einen Zusammenzug der 5.- und 6.-Klässler.

Und sie ergänzt: «Unsere Aussagen basieren darauf, dass wir Eltern sind und unsere Kinder kennen.» Ivonne Huggenberger ist der Meinung: «Bei dieser Planung steht nicht das Wohl des Kindes im Vordergrund.»

Mit dem zusätzlichen Wechsel am Ende des 4. Schuljahres würden die Kinder abgelenkt und können sich damit nicht auf den Schulerfolg konzentrieren. Ihrer Ansicht nach hat die Gemeinde keine überzeugenden Argumente für das Mittelstufenzentrum.

Mit der Konzentration der 5. und 6. Klässler will die Gemeinde ein Kompetenzzentrum schaffen. In diesem sollen die Jugendlichen optimal auf die Oberstufe vorbereitet werden.

IG befürwortet Provisorien

Die IG wünscht sich eine Schulraumplanung auf 10 bis 15 Jahre hinaus. Falls die Gemeinde den Eltern eine langfristige Perspektive hin zu dezentralen Primarschulen gibt, ist Kirschbaum bereit, für eine bestimmte Frist, den Vorschlag der Schule als Übergangslösung zu akzeptieren: «Dann müssen wir da durch.»

Die IG würde aber auf jeden Fall Provisorien in den Schulkreisen vorziehen. Lehner möchte beim Bau eines vierten Primarschulhauses die Schulkreisgrenzen verändern, damit im Altenburg wieder genügend Schulraum für alle 6 Schuljahre zur Verfügung stehen.

Davor warnt aber die Schulpflege: Es müssten mehr kleine Kinder längere Schulwege in Kauf nehmen und dabei gefährlichere Strassen überqueren. Betroffen wären vor allem Kinder aus dem westlichen Gemeindegebiet.