Pandemie
In Zürich sind sie bald verboten: Stoppt nun auch Baden die Sonntagsverkäufe?

Badens Gesundheitsvorsteherin Regula Dell’Anno (SP) kritisiert den Coronakurs des Aargauer Regierungsrats. Laut ihr soll geprüft werden, ob es die Sonntagsverkäufe wirklich braucht.

Pirmin Kramer
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Sonntags- und Feiertagsverkäufe sind in Zürich bald verboten. Gilt das dereinst auch in Baden?

Sonntags- und Feiertagsverkäufe sind in Zürich bald verboten. Gilt das dereinst auch in Baden?

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Der Stadtzürcher Gesundheitsvorsteher Andreas Hauri verlangte einen Stopp der Sonntagsverkäufe – der Kanton hat gestern in seinem Sinne entschieden: Sonntags- und Feiertagsverkäufe sind in Zürich ab 24. Dezember verboten. Auch Baden sollte prüfen, ob es die Sonntagsverkäufe wirklich braucht, sagt Regula Dell’Anno (SP), Gesundheitsvorsteherin und Vizeammann der Stadt Baden. Am 13. und 20. Dezember sind in Baden Sonntagsverkäufe vorgesehen.

«Wir müssen dieses Jahr versuchen, die Einkaufsströme besser zu verteilen. Und ob das Gesamtvolumen der Einkäufe durch die Sonntagsverkäufe tatsächlich steigt, bezweifle ich.» Ein Stopp der Sonntagsverkäufe müsste aber auf alle Fälle mit dem Gewerbe diskutiert und nicht einfach verordnet werden, sagt sie.

Dell’Anno schätzt die Corona-Situation im Aargau anders ein als der Regierungsrat. «Die Lage ist nicht stabil, sondern fragil», sagt sie. Sie bezieht sich auf die Aussagen von Regierungsrat Jean-Pierre Gallati und Kantonsärztin Yvonne Hummel, die an einer Pressekonferenz betonten, die Corona-Situation im Aargau sei stabil. «Wir haben keinen Notlage», sagte Gallati. Und Hummel ergänzte, «aktuell braucht es nicht zwingend weitere Massnahmen. Diese braucht es erst, wenn wir einen deutlichen Anstieg bei den Fallzahlen hätten oder das Gesundheitswesen grosse Überlastungserscheinungen zeigen würde.»

Mini-Lockdown wäre für Baden und den Kanton die falsche Lösung

Dell’Anno (SP) hingegen sagt: «Die Zahl der Neuansteckungen in unserem Kanton ist nach wie vor viel zu hoch.» Der Kanton sende mit der Aussage, die Lage sei stabil, ein falsches Signal an die Bevölkerung. «Es tönt für mich so, als nehme der Kanton die Situation hin, wie sie ist. Wichtig wäre jetzt, die Bevölkerung noch einmal zu motivieren, die Massnahmen zur Eindämmung des Virus unbedingt einzuhalten.» Einfach so zu tun, als wäre alles in Ordnung, und zu warten, bis der Impfstoff zur Verfügung stehe, sei der falsche Weg.

Ein Mini-Lockdown wäre aber für Baden und den Kanton die falsche Lösung. «Ich bin überzeugt, dass wir nicht so weit gehen müssen, um die Zahl der Neuansteckungen senken zu können. Es braucht in erster Linie klare Regeln, so wie wir sie in der Fussgängerzone in Baden definiert haben.» In der Weiten Gasse und der Badstrasse gilt Maskenpflicht, worauf mit Schildern hingewiesen wird. Die Stadt setze auch mit anderen Entscheiden das Signal, dass die Situation nach wie vor sehr ernst sei, beispielsweise mit der Absage verschiedener Anlässe. «Ich würde mir wünschen, dass auch der Kanton Zeichen setzt und motivierend kommuniziert.»

Die Bevölkerung in Baden habe bisher gut auf die Pandemie-Situation reagiert. «Die grosse Mehrheit hat ihre Anpassungsfähigkeit bewiesen. Nun ist es aber wichtig, dass wir vorrausschauen und nicht nachlassen», sagt Dell’Anno. Immer wieder zu Corona-Fällen komme es – wie überall – auch in den Alters- und Pflegeheimen. «Und dies, obwohl das Personal alles dafür tut, um Ansteckungen zu verhindern. Das ist für alle Mitarbeitenden und Verantwortlichen überaus belastend.»

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