Baden
Industriegeschichte zum Anfassen in der Alten Schmiede?

Am 24. November stimmt Baden über die Alte Schmiede ab. Alt- ABB-Chef Edwin Somm könnte sich darin einen industriehistorischen Erlebnispfad vorstellen.

Roman Huber
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Die Alte Schmiede, eine der letzten bestehenden Werkhallen aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts, steht unter Denkmalschutz. Vor zehn Jahren stand ihr Abbruch zur Diskussion. Mit einem Baukredit von 6,8 Millionen Franken soll sie denkmalpflegerisch saniert und von Altlasten befreit werden. Gleichzeitig ist der Einbau des Jugendkulturlokals und von Kulturräumen geplant. Ein Grossteil der 620 Quadratmeter grossen Halle bleibt frei.

Alt-ABB-Schweiz-Chef Edwin Somm hätte eine konkrete Nutzungsidee. Er beschäftigt sich mit dem Projekt eines nationalen industriehistorischen Erlebnispfades: «Die Alte Schmiede wäre der ideale Ort», ist er überzeugt.

Somm stellt sich etwas zum Anfassen vor, «wo sich junge Leute ein Bild über die Herkunft des Technikberufs machen können». Bei der ABB lagert einiges in den Archiven von Baden und Birr. «Ich bin überzeugt, dass in der Schweiz und erst recht im Industriekanton Aargau ein Interesse an einem solchen Erlebnispfad besteht», sagt Somm, der mit Kanton, Stadt und mit der ABB in Kontakt ist. «Wir haben Edwin Somm zugesichert, dass ABB über viele wertvolle Zeugnisse der Industriegeschichte verfügt und diese auch zur Verfügung stellen würde», erklärt Kurt Lötscher.

Laut ABB-Archivar Tobias Wildi befinden sich einige Industrie-Exemplare in den ABB-Archiven, reihenweise Akten sowie eine halbe Million Fotos. Man mache sich auch schon Gedanken, wie aus diesem reichen Fundus eine Ausstellung zum 125-jährigen Bestehen BBC/ABB im Jahre 2016 gestaltet werden könnte.

Für die Stadt kommt Somms Idee in einem ungünstigen Augenblick. Patrick Nöthiger, Leiter Abteilung Kultur, verweist auf die Kreditvorlage Alte Schmiede, wie sie bereits vom Einwohnerrat genehmigt wurde. «Der Grossteil der Schmiedehalle bleibt frei. Damit entsteht ein in sich geschlossener, abschliessbarer und wetterunabhängiger, jedoch unbeheizt nutzbarer Raum», heisst es darin.

Laut Nöthiger besteht neben kurzen öffentlichen Veranstaltungen die Möglichkeit, Grossinstallationen oder Produktionen zu erarbeiten und dann über eine gewisse Zeit zu präsentieren. Produktionen im Hallenraum sollen projektbezogen und somit zeitlich begrenzt sein. Grundsätzlich werden für die Öffentlichkeit zugängliche Nutzungen angestrebt; eine Vermietung für geschlossene Anlässe ist auch denkbar.

«Der konzeptionelle Ansatz basiert auf dem kultur- und gesellschaftspolitischen Bedürfnis, dass in der Stadt kein eigentlicher ‹Freiraum› mehr besteht, um spontane, projektbezogene Ideen umzusetzen», so Nöthiger. Mit der Schmiede und dem freigespielten Raum schliesse die Stadt eine Lücke. Zudem diktieren die Rahmenbedingungen vieles: Der Denkmalschutz verunmöglicht eine Warm-Nutzung oder den Einbau moderner akustischer Massnahmen.

Die Industriegeschichte werde auch in der neuen Dauerausstellung des Historischen Museums ein ganz zentrales Thema sein, erklärt Museumsleiterin Carol Nater Cartier. Der Stadtrat werde sich noch eingehend mit dem Projekt von Edwin Somm befassen und dann antworten, sagt Stadträtin Daniela Berger.

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