Wettingen

Initianten des Gutschein-Systems sind vom Vorgehen des Gemeinderats irritiert

Mit dem Gutschein-System könnten Kinder auch ins Sommerlager fahren, wenn ihre Eltern sich die Kosten kaum leisten können. (Symbolbild)

Mit dem Gutschein-System könnten Kinder auch ins Sommerlager fahren, wenn ihre Eltern sich die Kosten kaum leisten können. (Symbolbild)

Die Gutschein-Initianten hätten sich eine konkretere Vorlage erhofft. Jetzt befürchten sie, dass ihr Vorstoss kaum eine Chance hat in der kommenden Einwohnerratssitzung. Deshalb lobbyieren sie bei den Fraktionen mit einem eigenen Unsetzungsvorschlag.

Der Gutschein-Vorstoss dürfte in der Einwohnerratssitzung am kommenden Donnerstag am meisten zu reden geben. Nimmt der Einwohnerrat den Antrag an, würde Wettingen in der Familienpolitik bald eine Pionierrolle einnehmen: Eltern, die ihre Kinder selber betreuen und finanziell schlecht aufgestellt sind, sollen Gutscheine erhalten.

Diese können sie für Angebote einlösen, welche ihre Kinder fördern. Die Angebote könnten beispielsweise von Sport- und Musikvereinen oder Jugendorganisationen kommen. Ein Modell, das es so in der Schweiz noch nicht gibt.

Allerdings steht der Antrag unter keinem guten Stern: Für die Ratssitzung am Donnerstag fehle im Bericht ein handfester Umsetzungsvorschlag, «da der Gemeinderat weiterhin eine Umsetzung ablehnt», lautet der Vorwurf der Initianten.

«Der Gemeinderat fordert uns auf, selber einen konkreten Umsetzungsvorschlag vorzubringen», sagt Mitinitiant und CVP-Präsident Thomas Meier. Das sei ein sehr ungewöhnliches Vorgehen. Im Normalfall formuliert der Gemeinderat einen Umsetzungsvorschlag und empfiehlt ihn zur Ablehnung, falls er dagegen ist.

Zu ungenau formuliert

Dass der Gemeinderat wenig bis gar nicht begeistert ist vom Vorstoss, macht er in seinem Bericht klar. «Doch den Vorwurf der Initianten kann ich nicht gelten lassen. Im Antrag des Gemeinderates ist sehr wohl ein Vorschlag formuliert», entgegnet Gemeinderätin und Sozialvorsteherin Yvonne Feri.

Allerdings fehlt im Antrag der Gutschein-Betrag, den die Familien erhalten sollen. Der Gemeinderat schlägt in seinem Konzept zwar drei Berechnungsvarianten vor, wählt für seinen Antrag aber keine aus.

Genau darin sehen die Initianten das Problem. «Wenn wir in der Einwohnerratssitzung zuerst den Betrag und die Berechnungsvariante festlegen müssen, dann hat das Gutschein-System kaum eine Chance», sagt Meier. Die Fraktionen würden ihr Urteil bereits vor der Ratssitzung fällen.

So aber hätten sie keine vernünftige Diskussionsgrundlage. «Ohne einen konkreten Vorschlag ist es viel wahrscheinlicher, dass die Fraktionen das Gutscheinsystem ablehnen», ist Meier überzeugt.

Um dies zu verhindern, haben die Initianten nun selber einen Antrag formuliert (siehe Box).

«Wir rechnen damit, dass das Budget von 300 000 Franken nicht ausgeschöpft wird und wir es 2016 nach unten anpassen können», sagt Meier.

«Gemeinderat budgetiert zu hoch»

Mit dem Antrag hat er bereits bei den Fraktionen lobbyiert. Grund: Anders als die Initianten setzt der Gemeinderat das Budget auf 400 000 bis 580 000 Franken. Das sei viel zu hoch, sagt Meier. Die drei möglichen Berechnungsvarianten gehen von maximal 1600 Kindern aus, die von den Gutscheinen profitieren.

«Wir rechnen allerdings nur mit rund 400 Kindern, was etwa den Zahlen bei den Tagesstrukturen entspricht», sagt Meier. «Zudem will der Gemeinderat 50 000 Franken allein für die Administration aufwenden. Wir sind der Meinung, dass das völlig übertrieben ist. Das Gutschein-System soll so einfach wie möglich gehalten werden», sagt er.

Feri entgegnet: «Ohne zusätzliche 20-Prozent-Stelle geht es nicht. Die Verwaltung läuft jetzt schon auf dem Zahnfleisch. Ich kann ihr nicht noch mehr Arbeit aufhalsen.» Zudem würden zwar nicht alle 1600 berechtigten Kinder Gutscheine beanspruchen, «aber mit 700 bis 800 Kindern müssen wir vernünftigerweise rechnen.»

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