Tagtäglich fahren Horden von halb leeren Autos über die Strassen der Schweiz. Die Folgen sind verstopfte Verkehrswege, unnötige Emissionen, frustrierte Autofahrer, lärmgeplagte Anwohner — kurz: ein Ärgernis für alle. Die Jungunternehmerin Stella Viktoria Schieffer sah diese unbefriedigende Situation als Chance, als ihre Polyport GmbH vor gut eineinhalb Jahren den Lieferdienst BringBee lancierte: Mindestens einen kleinen Teil der rund 70 Prozent des heute ungenutzten Transportvolumens könne man doch einem Sinn zuführen, dachte sie sich.

Ihre Idee schien bestechend einfach: BringBee sollte die Leute, die eine Einkaufsfahrt planten, mit denen zusammenbringen, die dafür zu wenig Zeit oder kein eigenes Auto haben. Auf einer Onlineplattform konnten die Lieferwilligen Mitbringjobs der Produktsuchenden entgegennehmen. Ein Entgelt sollte sicherstellen, dass sich die Mühe für die Hobbylieferanten lohnt. BringBee selbst erhob eine Kommission für die Vermittlung und kam dafür für die Verifizierung der Lieferanten, sichere Onlinezahlungen und Transportversicherungen auf.

Das erste Echo auf den Lieferdienst mit dem Teilgedanken liess anfänglich auf Grosses hoffen: Die Kunden registrierten sich zahlreich, die Zeitungen berichteten, mit der Ikea-Filiale in Spreitenbach hatte man für das Pilotprojekt einen bekannten und engagierten Partner gefunden. Doch nun ist bereits wieder Schluss: Diesen Monat hat das Start-up den Betrieb eingestellt.

Die Gründerin erklärt: «Uns war von Anfang an klar, dass es ein ambitioniertes Unterfangen ist. Doch jemand muss doch innovative Lösungen vorantreiben.» An Innovationsgeist hat es dem Team um die 27-jährige ETH-Abgängerin weniger gefehlt als den Partnern, auf die es zu Beginn gehofft hatte — «vielleicht etwas naiv». Denn auch das war von Beginn weg klar: Alleine könnte Polyport den ganzen organisatorischen und finanziellen Aufwand nicht stemmen. Die nötigen Partner würden sich finden, während der Dienst sich etabliert, so die Hoffnung.

Kleinunternehmen reichten nicht

Mittlerweile hat die Bringbienen die Realität eingeholt. Die Suche nach Handelspartnern, die gross genug für eine langfristige Entwicklung der Plattform wären, gestaltete sich harzig. «Die Idee stiess vielfach auf Interesse, jedoch fehlten entweder Daten, IT-Schnittstellen oder sonstige Ressourcen», so Schieffer. Zwar konnte BringBee mit der Zeit neben der Ikea Spreitenbach Kleinunternehmen für eine Zusammenarbeit gewinnen, etwa die Brauerei Sudwerk oder das Kleider- und Einrichtungsgeschäft Soeder. Doch je kleiner das Unternehmen, desto kleiner der Kundenkreis. Das Wachstum, das Schieffer vorschwebte, war nur mit KMU-Partnern nicht möglich. «Die Hoffnung, die Marketing-Power und den Multiplikations-Effekt eines grossen Partners für uns zu nutzen, blieb leider aus», sagt sie.

Ohne die grossen Kooperationsverträge kam BringBee nie auf die Zehntausende von Transaktionen, die es bräuchte, um mit einer schwarzen Null herauszukommen; bis zuletzt waren es insgesamt nur etwa 300 Einsätze bei rund 2000 registrierten Nutzern.

Verlorene Liebesmüh sei es aber nicht gewesen, in BringBee zu investieren. «Wir haben etwas bisher Einzigartiges auf die Beine gestellt und hoffen, dass wir damit Augen und Ohren für die Zukunft geöffnet haben.» Denn die Wirtschaft des Teilens sei ein zukunftsträchtiges Modell, dessen ist sich die Unternehmerin sicher. Für BringBee sei es vielleicht einfach noch zu früh gewesen, so Schieffer: «Der Markt und die Wirtschaft sind für viele Neuerungen noch nicht bereit.» Falls sich das in absehbarer Zeit ändert, schliesst Schieffer nicht aus, die Bringbienen wiederzubeleben. Auch in der Zwischenzeit bleibt sie der Sharing Economy treu: als Mitgründerin des Verbands «Sharecon», der die Wirtschaft des Teilens auch in der Schweiz salonfähig machen will.