Trudelhaus
Interessengemeinschaft ist am Trudelhaus interessiert

Der Stiftung Hans-Trudel-Haus geht das Geld aus. Nach 40 Jahren muss sie den Galeriebetrieb einstellen. Im Januar 2012 geht auch das Restaurant zu, weil sich Rico und Elisabeth Bertozzi altershalber aus der Gastronomie zurückziehen werden.

Roman Huber
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Trudelhaus: Heinz Wetter Stiftungsratspräsident des Hans-Trudel-Haus

Trudelhaus: Heinz Wetter Stiftungsratspräsident des Hans-Trudel-Haus

Aargauer Zeitung

Die Zukunft des Hauses ist nach wie vor ungewiss. Die Stiftung möchte es so bald als möglich verkaufen. Währenddem die Stadt gegenüber der Stiftung Hans-Trudel-Haus in Warteposition verharrt, konnten sich einige der Kultur nahestehende Privatpersonen für das Trudelhaus erwärmen. Das zum Verkauf ausgeschrieben Altstadthaus ist nämlich auf Interesse gestossen.

«Wir würden es natürlich begrüssen, wenn jemand das Haus weiterhin wenigstens zu Teilen kulturell nutzen könnte und das Restaurant erhalten bliebe», erklärt Stiftungsratspräsident Heinz Wetter. Die Stiftung habe die Liegenschaft nicht etwa zum Verkauf ausgeschrieben, weil sie den Preis in die Höhe treiben möchte, «sondern weil wir einen Käufer suchen», erklärt Wetter.

Einige ernsthafte Anfragen lägen vor. «Darunter sind Interessenten, die das Haus als Stätte der Kultur und als Restaurant erhalten und öffentlich zugänglich halten möchten», fügt der Stiftungsratspräsident. Unter diesen befindet sich eine Interessengemeinschaft um den Badener Markus Widmer. Der «Rebstock»- und ehemals «Seerose»-Wirt hat sich schon verschiedentlich für Kultur und Gastronomie engagiert. Man wolle das Ganze auf eine genossenschaftliche Basis stellen, so Widmer.

Wenn möglich ein Verkauf

Gemäss Immobilieninserat besteht die Möglichkeit, das Gebäude für 600 000 Franken zu kaufen und dazu ein Baurecht für ebenfalls 600 000 Franken zu erwerben. Damit müsste die Käuferschaft weniger finanzielle Mittel aufs Mal in die Hand nehmen. Diese Variante sei zwar ein Thema, sagt Wetter, fügt aber an: «Wir bevorzugen jedoch einen Verkauf.»

Denn der Stiftungsrat möchte das Kapitel Trudelhaus am liebsten abschliessen. Ein Baurecht wäre risikobehaftet und würde weiteren administrativen Aufwand bedeuten. Zwar wäre denkbar, dass sich die Stiftung über Baurechtszinsen weiter kulturell engagiere. Heinz Wetter nimmt als Beispiel den Hans-Trudel-Preis für bildende Kunst, den man damit jährlich vergeben könnte.

Ansinnen kaum mehrheitsfähig

Die Stiftung unterbreitete auch dem Stadtrat ein Angebot. Diesem liegt zudem ein Postulat vor, wonach er eine städtische Nutzung prüfen soll. «Der Preis ist angesichts des Sanierungsbedarfs zu hoch und der Betrieb eines Restaurants für die Stadt undenkbar», sagt Stadtrat Roger Huber.

Ein solches Ansinnen sei politisch kaum mehrheitsfähig. Die Stadt habe bereits einen Kunstraum. Ein Restaurant zu betreiben und damit die private Gastronomie zu konkurrenzieren, sei nicht Sache der öffentlichen Hand. Am ehesten könne man sich noch einen Kauf für eine strategische Büroreserve vorstellen. Das klärt zurzeit die Verwaltung ab.

Die im Jahr 1800 erbaute und 1972 renovierte sowie erweiterte Liegenschaft mit je 150 Quadratmeter Restaurant- und Galeriefläche wurde auf einen Wert von 1,2 Millionen Franken geschätzt. Das Haus liesse sich in ein Geschäfts- und Wohnhaus umbauen. Es liegt in der Altstadtzone, wo eine Wohnnutzung von 60% vorgeschrieben ist. Wer den Gastrobetrieb weiterführen will, muss investieren, um die heutigen Auflagen der Gewerbepolizei zu erfüllen.

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