Wettingen
Internet-Hürden weggeräumt

Was sind eigentlich barrierefreie Internetseiten und wie sieht die leichte Sprache für Menschen mit einer Leseschwäche aus? An einem Infoabend in der arwo Stiftung setzten sichInteressierte mit diesen Fragen auseinander.

Irene Hung-König
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Prüferin Bettina Quaderer (l.) zeigt Uwe Armbruster und Moderatorin Melanie Bär, welche Worte im Text für Menschen mit Leseschwäche zu lang sind.

Prüferin Bettina Quaderer (l.) zeigt Uwe Armbruster und Moderatorin Melanie Bär, welche Worte im Text für Menschen mit Leseschwäche zu lang sind.

Irene Hung-König

Der 29-jährige Daniele Corciulo sitzt am PC. Er möchte auf der Wettinger Gemeindehomepage SBB-Tageskarten für den 25. April buchen. Daniele Corciulo kommt bis zum Menü mit den aufgelisteten Daten, die rot und grün hinterlegt anzeigen, an welchen Tagen die Karten noch verfügbar sind. Dann ist für ihn Schluss. Denn Daniele Corciulo ist blind. «Ab hier müsste ich raten, diese Homepage ist nicht barrierefrei», erklärte er. Mit der sogenannten Braillezeile, also einer Tastatur in Blindenschrift, können blinde Menschen Buchstaben ertasten. Die aufgelisteten Daten müssten dementsprechend unterlegt sein, damit der Computer Daniele Corciulo die verfügbaren Daten vorlesen könnte.

Bis zum Menü mit den aufgelisteten Daten hat ihn sein «Freund» begleitet. Mit Freund meint er die Screen-Reader-Software, womit blinden oder sehbehinderten Menschen die Texte vom Bildschirm vorgelesen werden. Und zwar in einer Geschwindigkeit, die nicht so leicht zu verstehen ist – für die Gäste. «Verstehst du, was der Computer erzählt?», fragte ihn Moderatorin Melanie Bär. «Ja, das ist mein Alltagstempo», sagte Daniele Corciulo. Für die Gäste drückte er die Langsamtaste.

Arwo hat keine Barrieren

Seit Anfang Jahr ist die Homepage der arwo Stiftung barrierefrei. Auf dieser Seite werden nun Texte vorgelesen, Befehle per Tastenkombination ausgelöst oder automatische Bildwechsel gestoppt. Daniele Corciulo kann seine Finanzgeschäfte mittels E-Banking alleine durchführen. Dank einer Homepage, die ihn klar von Überschrift zu Überschrift führt.

Web-Designerin Lidija Stoilova von der Brugger Firma Threeway hat die arwo-Homepage für Menschen mit Beeinträchtigungen barrierefrei gemacht. Eine grosse Herausforderung sei das gewesen: «Alle Elemente, die da waren, mussten beschriftet werden. Bei Kontaktformularen mussten Spalten und Zeilen verknüpft werden. «Wenn Daniele Corciulo etwas im Internet bestellen möchte, muss ihm der Computer sagen, welches Produkt er anklickt.» Wenn die Überschriften fehlen, sei das für ihn ein Textbandwurm.

Leicht verständliche Sprache

Rund 800 000 Menschen in der Schweiz haben eine Leseschwäche. Die Stiftung Wohnwerk in Basel hat es sich zur Aufgabe gemacht, Texte in leichter Sprache zu verfassen. Das heisst, keine langen Sätze, keine Fremdwörter oder Redewendungen. Martin Häne ist Übersetzer und legt die fertigen Texte acht Prüferinnen und Prüfern mit Leseschwäche vor. «Sie sind es, die mir das Okay geben», sagt er. Geschäftsführer Uwe Armbruster sagt, dass die leichte Sprache am Entstehen sei. Die Stiftung übersetzt unter anderem Flyer für Kunstmuseen, Programmhefte für Festivals oder Leitbilder.

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