Geschäftsmodell

Internetcafé-Mekka in Wettingen: Verdient man heute noch Geld damit?

Drei Lokalitäten mit Internet-Zugang innerhalb von wenigen Metern an der Wettinger Landstrasse. «Spielsalon Joker», «Internet Corner» und das «Top Games».

Drei Lokalitäten mit Internet-Zugang innerhalb von wenigen Metern an der Wettinger Landstrasse. «Spielsalon Joker», «Internet Corner» und das «Top Games».

An der Wettinger Landstrasse existieren gleich drei Internetcafés, die erst noch nahe beieinander liegen. Dort finden sich Männer, die Dating-Portale besuchen. Und hier wird längst nicht nur für den Internet-Zugang Geld ausgegeben.

Vor 15 Jahren – der Redaktor weilte für einen halbjährigen Sprachaufenthalt in Südafrika – besuchte er fast täglich ein Internetcafé, um seine Familie und Freunde in der Schweiz per Mail über seine Erlebnisse aufzudatieren. Seither hat sich in Sachen Internetzugang viel getan.

So verfügen heute knapp 90 Prozent aller Schweizer Haushalte über einen Internetzugang, und fast jeder gelangt mit seinem Smartphone ins World Wide Web. Vor diesem Hintergrund erstaunt es, dass heute trotzdem noch Internetcafés existieren, wo man gegen Bezahlung Zugang ins Internet erhält.

Ein eigentliches Internetcafé-Mekka bildet dabei die Wettinger Landstrasse, von Baden herkommend Anfang Dorf. Innerhalb weniger Meter befinden sich gleich drei Lokalitäten, die Internet-Zugang anbieten. Das «Badener Tagblatt» wollte wissen, wer denn heute überhaupt noch ein Internetcafé besucht, und ob sich damit wirklich noch Geld machen lässt.

Erste Station ist der «Spielsalon Joker», dessen orangefarbenes Logo schon seit einer gefühlten Ewigkeit das Bild der Landstrasse prägt. Drinnen schlechte Luft, dämmriges Licht, zwei Flipperkästen und Spielkonsolen. Vier der insgesamt acht PCs sind besetzt; alles Männer. Ein Blick auf einen Schirm zeigt, dass ein Mann sich gerade Sportwetten hingibt. Auf die Frage, wie sich die Stammkundschaft zusammensetzt, verweist die Angestellte auf den Chef. Doch unter der angegebenen Nummer meldet sich nur ein Service-Fachmann; der Chef sei gerade in den Ferien.

Männer besuchen Dating-Portale

Macht nichts, denn nur wenige Meter weiter im «Internet Corner» zeigt sich ein Angestellter, auch wenn er ungenannt bleiben möchte, auskunftsfreudiger. «Vor allem am Abend sind unsere acht PCs immer gut besetzt.»

Darunter seien auch Männer, die Dating-Portale besuchen, was sich zu Hause wenig überraschend etwas schwieriger gestalten würde. Weiter würden auch immer wieder Asylsuchende oder Menschen, die zu Hause keinen Internetzugang haben, das Internetcafé aufsuchen.

«Und es werden auch viele – natürlich legale – Sportwetten online gespielt.» Letztlich sei das Internetcafé aber vor allem ein Ort, wo sich Freunde treffen würden. «Wir schliessen selber Sportwetten ab und schauen dann gleich das Fussballspiel am Abend.» Mit 10 Franken pro Stunde Internet ist man etwas teurer als die Konkurrenz im «Joker».

Ebenfalls etwas billiger kommt man einige Meter weiter Dorf einwärts im «Top Games» ins Internet. Inhaber Djevdet Memedovki hat das Café vor rund sieben Monaten eröffnet. An diesem Morgen sitzt er alleine im Café. Das Geschäft laufe nicht so gut, wie er sich das vorgestellt habe, sagt der Mazedonier.

Zu ihm kämen die Gäste vor allem, weil man bei ihm Dokumente und Infos gleich ausdrucken könne. Auch er sei sich bewusst, dass Internetcafés nicht den besten Ruf hätten. Die Rede ist von dubiosen Gestalten oder illegalen Sportwetten. «Das gibt es bei mir nicht. Ich habe schon höchstpersönlich Gäste rausgeworfen, wenn ich den Eindruck hatte, die machen krumme Sachen», so Memedvoski.

Ärger kommt bei ihm auf, wenn er an die vielen Polizeikontrollen denkt. «Alleine im Dezember war die Polizei fünfmal hier und hat meine Gäste kontrolliert. Das kommt natürlich überhaupt nicht gut an.»

Polizei kontrolliert regelmässig

Tatsächlich gibt es Gerüchte, wonach es in den Internetcafés nicht immer mit rechten Dingen zu und her geht. «Gerade die Lokalitäten, die auch Computerspiele anbieten, kontrollieren wir jedoch regelmässig», sagt Roland Jenni, Leiter der Regionalpolizei Wettingen-Limmattal.

Diese Kontrollen sollen nicht als Schikane verstanden werden, sagt Polizeichef Jenni. «Es ist unsere Aufgabe, zu kontrollieren, dass zum Beispiel keine illegalen Spiele oder Wetten stattfinden.»

Bei den Kontrollen in Wettingen habe sich aber gezeigt, dass alles mit rechten Dingen zu und her geht. Jenni: «Wegen diesen Cafés mussten wir noch nie intervenieren.»

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