Baden/Locarno

Investieren statt abbauen: Ehemalige Limmathof-Chefin eröffnet Pop-up-Galerie in Locarno

Claudia Mauthe in neben einem Bild von Annelis Štrba in der im Mai eröffneten Popup-Galerie in Locarno.

Claudia Mauthe in neben einem Bild von Annelis Štrba in der im Mai eröffneten Popup-Galerie in Locarno.

Die Badenerin Claudia Mauthe, ehemalige Direktorin des Limmathof Hotel & Spa Baden, hat in ihrer neuen Heimat Locarno eine Pop-up-Galerie eröffnet.

Es ist still in der riesigen Pop-up-Galerie an der Via Serafino Balestra in Locarno. Die Hitze legt den Betrieb lahm. Der Blick durch den über 200 Quadratmeter grossen Raum fällt auf zwei überlebensgrosse Menschenskulpturen aus Holz und Bronze von Mario Dilitz. Sie sind praktisch nackt und wirken androgyn. An den Wänden hängen intensiv leuchtende Blumen­bilder von Annelis Štrba.

Die Pop-up-Galerie in Locarno, ein Ableger der Galeria Berno Sacchetti in Ascona, ist die neue Welt von Claudia Mauthe. Die 1,85 grosse Hünin, die jahrelang in Baden lebte, brach in ihrer Aargauer Heimat vor fünf Jahren sämtliche Zelte ab und zog ins Tessin. Eine schwierige Phase lag hinter ihr. Als Direktorin des Limmathof Hotel & Spa Baden fand sie nicht die Befriedigung, die sie suchte. «Nach zwei Jahren war ich völlig überarbeitet. Es war ein Fass ohne Boden.»

Mauthe trägt ein marineblaues Sommerkleid mit Glockenrock und flache Sandalen. Ihre 53 Jahre sieht man ihr nicht an. Sie wirkt wesentlich jünger und sprüht vor Dynamik. «Ich konnte im Tessin entschleunigen», sagt sie und strahlt. Stets in Begleitung ist die verschmuste King-Charles-Spaniel-Hündin Iana.

Ins Tessin zog sie vorerst ohne festen Job

Claudia Mauthe spricht schnell und lacht gern. Doch in ihren Gesichtszügen spiegelt sich ein gewisser Ehrgeiz wider. «Mein Vater machte Karriere als Ingenieur in der ABB und arbeitete sich in die Direktionsetage hoch. Er ist mein grosses Vorbild», sagt sie und attestiert sich ein gutes Gefühl für Unter­nehmertum.

Mit ihrem geschiedenen Mann baute sie nach einer KV-Lehre bei Globus und einigen Jahren im Sporteinkauf bei Spengler die junge Trendsport-Marke Belowzero auf und flog für Fotoshootings um die ganze Welt. Doch dann kam es zum Eheknick. Mauthe verliess die Firma, machte ein Sabbatical und arbeitete ein Jahr lang als Direktionsassistentin im Gastrobereich des Grand Casino Baden.

Claudia Mauthe hinter einer Skulptur von Mario Dilitz.

Claudia Mauthe hinter einer Skulptur von Mario Dilitz.

Weil der Beautybereich die Ästhetin schon immer fasziniert hatte, bildete sie sich weiter und eröffnete schliesslich ihr eigenes Kosmetikstudio für dauerhafte Haarentfernung, ayurvedische Massage sowie Gesichts- und Körperbehandlungen in Baden-Dättwil. Wenig später wurde ihr der Direktionsjob im Limmathof Hotel & Spa angeboten.

Ins Tessin zog sie vorerst ohne festen Job. Es war ein Glücksfall, dass der Badener Unternehmer Christoph Schoop die Räumlichkeiten der bestehenden Galleria Sacchetti in Ascona zur Miete übernahm. Claudia Mauthe war für ihn genau die Richtige, um den Kunstbetrieb zusammen mit der Schwyzerin Cathrine Fassbind zu leiten. Sie stürzte sich mit viel Verve in ihren neuen Job.

«Wir wissen noch nicht, wo die Reise hingeht»

Wie kam es aber zur Pop-up-­Galerie in Locarno, die diesen Mai ihre Tore öffnete? «Ich kehrte topmotiviert aus den Ferien zurück und wollte in der Galerie in Ascona wieder loslegen. Aber dann kam der Lockdown. Alle aktuellen Ausstellungen waren abgesagt.» Entgegen der Corona-Schockstarre entschied sich die Unternehmerin, weitere Werke der Künstlerinnen und Künstler, die sie in ihrem Portfolio vertritt, in die Schweiz zu holen. «Dann setzte ich mich aufs Velo und suchte eine freie Ausstellungsfläche. Hier in Locarno wurde ich schliesslich fündig.»

Vorerst läuft der Mietvertrag für die Pop-up-Galerie bis Herbst. «Danach sehen wir weiter», meint Mauthe. «Die Verkäufe laufen bisher gut», gibt sie sich zufrieden, «aber wir wissen unter den momentanen Umständen noch nicht, wo die Reise hingeht.»

Alle zwei Wochen macht sie akribisch einen Einnahmen- und Ausgabenplan. Ihr Hobby, das Westernreiten an internationalen Wettbewerben, hat sie mittlerweile aufgegeben. Obwohl sie ihrem Wunsch nach Entschleunigung im Tessin Folge leisten kann, hat sie doch etwas Heimweh nach Baden. «Ich vermisse meine Freunde dort sehr», gesteht die Frau, die in ihrem Leben schon so viele Karrieresprünge gemacht hat.

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