Baden
Ironie und viel Temperament

Die «Sprinzlas d’advent» haben im ThiK gezeigt, was «fröhliche Weihnachten» bedeutet.

Rosmarie Mehlin
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Sprinzlas flamenco im ThiK
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Sprinzlas flamenco im ThiK
Flamenco Sprinzlas im ThiK
«Flamencos en route» tanzen zu spanischen Weihnachtsliedern am «Sprinzlas d’advent» im ThiK.

Sprinzlas flamenco im ThiK

zvg

«Fröhliche Weihnachten» – der Wunsch schwirrt gegenwärtig mündlich, schriftlich, elektronisch von Haus zu Haus. Gefeiert wird hierzulande aber zumeist eher besinnlich. Auf alle Fälle weitaus weniger fröhlich, als etwa in Spanien. Wunderbare Müsterchen, wie in Andalusien Weihnachtslieder klingen, gab es am Sonntagabend in einem Keller an der Kronengasse zu hören, wo das ThiK traditionell an den Adventssonntagen Funken sprühen lässt – auf Romanisch «Sprinzlas d’advent».

Als hüben und drüben die dritte Kerze angezündet wurde, liessen der Schauspieler Hansruedi Twerenbold und Brigitta Luisa Merki mit ihrer Tanzcompagnie «Flamencos en route» die Funken mit Spass und Freude direkt in die Herzen der Besucher stieben. Der Keller war ausverkauft, die Begeisterung gross, denn was es zu hören und zu sehen gab, machte froh und fröhlich.

Twerenbold las zwei ebenso amüsante, wie kluge Erzählungen. Von Robert Walser eine «Weihnachtsgeschichte» in welcher dieser in wunderbar ironischem Tone beschreibt, wie ein Mann (Walser?) an Weihnachten seinen Nachbar besucht, von dem er weiss, dass der eigentlich gar keinen Besuch möchte. In «Die Falle» schreibt Robert Gernhardt mit viel Augenzwinkern über einen schlitzohrigen, gemieteten Weihnachtsmann, der sich ganz auf die Seite der Kinder schlägt und deren Eltern total ins Offside bugsiert.

Haikus und Villancicos

Zusammen mit Merki las Twerenbold – sie auf Spanisch, er auf Deutsch – ein Liebessonett von Pablo Neruda und Haikus (die als kürzeste Gedichtform der Welt gelten) des Uruguayers Mario Benedetti. «Letzten Endes ist der Tod nur ein Zeichen dass es Leben gab» – war eines davon. Diese Haikus wurden umgesetzt von Flamenco-Musikern, einem Sänger und einer Sängerin sowie von je drei Tänzerinnen und Tänzern. Sie taten es mit so viel Leidenschaft, mimischer und körperlicher Kraft, dass es einem als Zuhörer und Zuschauer beinahe den Atem verschlug: Man wurde hinweg getragen tief in den Süden Spaniens, gepackt von dem mit unbändigem Temperament, mit Können und Präzision versprühten andalusischen Funkenregen. Er gipfelte zum Schluss in der ansteckenden Fröhlichkeit von drei Villancicos – spanischen Weihnachtsliedern, auch sie begleitet von kurzen Tanzeinlagen. Mit dem Ergebnis, dass man ein Problem hatte, auf dem Zuschauerstuhl sitzen zu bleiben, denn es juckte einem ganz gewaltig in den Füssen.