Im März 2016 wurden die drei Iraker der sogenannten Schaffhauser IS-Zelle durch das Bundesstrafgericht zu mehreren Jahren Haft verurteilt, weil sie ein Attentat geplant haben sollen. Einer von ihnen war W., der vor seiner Verurteilung in Baden wohnte und hier auch nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis wieder Sozialhilfe bezog.

W. äusserte sich gegenüber der «SonntagsZeitung» erstmals öffentlich. «Ich kann die Schweizer verstehen, dass sie mir misstrauen, wenn sie hören, dass ich wegen IS-Unterstützung verurteilt wurde. Ein solcher Mann, ein IS-Unterstützer, ist tatsächlich eine Gefahr für die innere Sicherheit. Aber niemand ist sich bewusst, warum man mich wirklich ins Gefängnis gesteckt hat. Es gibt zwischen mir und dem IS keine direkte Verbindung», so W.

Er kenne niemanden in dieser Organisation. «Ausser die beiden anderen Iraker des Trios, die wegen IS-Mitgliedschaft verurteilt wurden. Aber als ich mit denen zusammen war, wusste ich nicht, dass die zum IS gehören.»

Am liebsten würde er ausreisen

Die Schweizer Behörden glaubten, die Zelle habe ein Attentat geplant. Zu diesem Zweck, so der Verdacht, sollte W. einen IS-Mann in der Türkei treffen und von ihm einen USB-Stick mit Instruktionen in Empfang nehmen. Er habe aber keinen Stick in die Schweiz genommen, sagt W., und vor Gericht habe einer der anderen Iraker zugegeben, dass er, W., von der ganzen Geschichte keinen blassen Schimmer hatte.

Er fühle sich von den anderen Irakern verschaukelt. «Sie wollten mich benutzen, ohne dass ich weiss, worum es ging.» Er sei nicht extrem, er lehne den Islamischen Staat und andere Terrorbewegungen ab, erklärt W. gegenüber der «SonntagsZeitung» weiter. Am liebsten würde er ausreisen, «irgendwohin, wo mich niemand kennt und wo ich ein neues Leben anfangen kann. Aber wie soll das gehen, wenn mich die Schweizer Behörden überall als IS-Unterstützer melden? Welches Land nimmt so jemanden auf? Ich bin verzweifelt.» (AZ)