Vor eineinhalb Jahren wurden nach einem Hinweis eines ausländischen Geheimdienstes drei irakische Staatsangehörige in der Schweiz verhaftet, die hier eine Zelle des Islamischen Staats (IS) gebildet haben sollen. Den drei Männern wird vorgeworfen, einen Terroranschlag geplant zu haben.

Wie die «Weltwoche» am Donnerstag berichtete, wohnte einer der drei Männer vor seiner Verhaftung für einige Zeit in Baden. Es handelt sich um den heute 31-jährigen W. Vor über 10 Jahren war er als Asylsuchender in die Schweiz gekommen, liess sich erst in Winterthur nieder, zog danach nach Schlieren und Baden.

Gemäss mehreren gut informierten Quellen befindet sich die Badener Wohnung, in der W. zusammen mit seiner Frau wohnte, an der Zürcherstrasse. Wie die «Weltwoche» berichtet, verfügte W. über eine C-Aufenthaltsbewilligung; er bezog Arbeitslosengeld und Sozialhilfe. Stadtammann Geri Müller (Team/Grüne) und Sozialvorsteherin Regula Dell’Anno (SP) erklärten auf Anfrage in einer schriftlichen Antwort, sie könnten dies weder inhaltlich bestätigen noch weitergehend kommentieren.

IS-Zelle in Winterthur

Kurt Pelda im «TalkTäglich» über Winterthurer «IS-Paten»: «Er ist die graue Eminenz»

Der IS verfügt in Winterthur über eine Zelle. Davon ist «Weltwoche»-Journalist Kurt Pelda überzeugt. Hassprediger würden in der Eulachstadt junge Muslime radikalisieren und nach Syrien in den sogenannten Jihad schicken.

Das Bundesstrafgericht wirft W. vor, unterstützend für den Islamischen Staat tätig gewesen zu sein, wobei als konkrete Unterstützungshandlung die Reise vom 18. bis 20. März 2014 in die Türkei genannt wird. Dort sollte er angeblich einen Datenträger in Empfang nehmen und in die Schweiz bringen, auf dem mutmassliche Informationen oder Instruktionen für einen terroristischen Anschlag in der Schweiz gespeichert waren.

W. bestreitete den Vorwurf, eine terroristische Organisation zu unterstützen, und es gilt die Unschuldsvermutung. Er räumte aber ein, als Schlepper tätig gewesen zu sein. Dadurch erkläre sich auch seine Reise in die Türkei. Wenige Tage nach seiner Rückkehr wurde er verhaftet. Er stellte danach Haftentlassungsgesuche, die aber abgewiesen wurden, unter anderem aufgrund von Fluchtgefahr.

Gemäss Bundesstrafgericht verfüge W. trotz tiefen Familieneinkommens über ausreichend Barmittel für Reisen, bei der Festnahme ungefähr 1000 Franken in bar. Vor fünf Wochen hat die Bundesanwaltschaft gegen die verhafteten Iraker Anklage beim Bundesstrafgericht eingereicht.

33 Strafverfahren führt die Bundesanwaltschaft derzeit mit Bezug auf islamistischen Terror. Ein Angeklagter ist der 31-jährige W., der in Baden lebte.

Seit Juli läuft auch ein Strafverfahren gegen einen vierten Iraker, laut «Tages-Anzeiger» handelt es sich um den Schwager von W. Ihm wird vorgeworfen, Funkgeräte für den IS nach Syrien gebracht zu haben. Die vier angeklagten Männer stammen aus der irakischen Millionenstadt Kirkuk. Angeblich sollen sie alle für den irakischen Diktator Saddam Hussein gekämpft haben, wie viele Mitglieder des Islamischen Staates.

Nur fünf Autominuten von der einstigen Badener Wohnung von W. entfernt befindet sich in Neuenhof eine Moschee. Malik Allawala, Pressesprecher des Verbandes der Aargauer Muslime, kennt die dortigen Verhältnisse und sagt: «Er war dort zu hundert Prozent kein Mitglied. Rein theoretisch wäre es möglich, dass er einmal an einem Freitagsgebet dort war, denn dann stehen die Türen für alle offen. Aber wir haben nie irgendwelche Hinweise erhalten, dass sich der Mann dort aufgehalten hat. Es wäre sehr weit hergeholt, aufgrund der örtlichen Nähe zu vermuten, dass er die dortige Moschee besuchte.» Auch Vertreter der zehn Minuten entfernten Moschee in Kirchdorf erklären auf Anfrage, man habe W. noch nie gesehen und seinen Namen noch nie gehört.

Die Bundesanwaltschaft äussert sich nicht zum Strafverfahren gegen W., teilt aber mit, derzeit würden 33 Strafverfahren mit Bezug zu islamistischem Terror geführt.