Jeder, der ab und zu im Traditionsbistro «Isebähnli» in Baden isst, weiss, wer Paula ist. Nach 17 Jahren im «Isebähnli» hat die Kellnerin am Samstag ihren letzten Arbeitstag. Sie geht in Pension. «Nicht, weil ich nicht mehr fit bin, ich kann meinen Job immer noch ausüben», betont sie. Nein, Paula Kuhn fand, dass mit 66 die Zeit gekommen sei, um sich auf sich selbst zu konzentrieren.

Paula ist Gastgeberin mit Leib und Seele, das merkt man. «Dass der Gast zufrieden ist, ist das Wichtigste für mich. Und hier im ‹Isebähnli› sind die Gäste immer zufrieden. Das ist einer der Gründe, wieso ich so gerne hier gearbeitet habe.» Paula, die ursprünglich aus dem St. Galler Dorf Schmerikon am Zürichsee kommt, machte nach ihrer Servicelehre die Wirteschule. Dort lernte sie auch ihren späteren Ehemann kennen.

Im Alter von 21 Jahren übernahm sie mit ihm zusammen das City Hotel in Wettingen. 16 Jahre lang führten sie es und lebten in dieser Zeit auch in der Wirtewohnung des Hotels. «Das war damals gang und gäbe.» Nach der Zeit im Hotel suchten sie nach etwas Kleinerem. Auch, um mehr Zeit für ihre beiden Kinder, Alexandra und Diego, zu haben. Sie wurden fündig und übernahmen den «Gugger» in Fislisbach.

Nach 13 Jahren im «Gugger» beschloss das Ehepaar, dass es Zeit war für eine Veränderung. Sie verkauften das Restaurant Gugger. Dem Gastgewerbe blieb Paula dann doch treu: René Felder vom «Isebähnli» fragte sie an, ob sie nicht im Bistro servieren möchte. Sie sagte zu – und habe es bis heute nicht bereut. «Ich würde in meinem Leben alles noch mal gleich machen.»

Bei ihr ist der Gast König

Paula Kuhn wohnt in Baden, zur Arbeit kommt sie entweder zu Fuss oder mit dem Fahrrad. Zu Beginn hatte sie Dienstag bis Samstag die Mittagsschicht, die letzten Jahre arbeitete sie noch zwei Tage. Paula setzt alles daran, dass ihre Gäste zufrieden sind: «Ich spüre, was ein Gast braucht. Und wenn er einen Spezialwunsch hat, dann schaue ich, dass er möglich wird – manchmal zum Missfallen des Kochs», sagt sie und lacht dabei. Lange böse wird ihr wohl kaum je einer sein.

Paulas Reich, das waren die dreimal drei Tische, die beim Betreten des «Isebähnli» links stehen. Das war ihre Station und die hat sie auch immer bedient. Am Samstag hatte sie dort jeweils den Stammtisch. «Natürlich werden mir die Stammgäste fehlen», sagt Paula. Aber man werde sich sicher ab und zu über den Weg laufen, ist sie überzeugt.

Paula sagt von sich selber, dass sie eine sehr zuverlässige Person ist: «Ich gehe erst, wenn alles tipptopp ist. Natürlich plempere ich nicht rum, aber Ordnung ist mir wichtig.» So ganz kann man sich noch nicht vorstellen, dass Paula nicht mehr Teil des «Isebähnli» sein wird. Fällt ihr das Aufhören schwer? «Die Gastronomie war mein Leben. Aber es war auch ein Leben, bei dem man auf vieles verzichten musste. Das Reisen zum Beispiel. Aber jetzt ist es Zeit, dass ich etwas für mich mache.» Ob sie denn eine Traumdestination habe, die sie bereisen möchte? «Ich wollte schon immer einmal nach Neuseeland reisen. Man kann schon sagen, dass das ein Traum von mir ist.» Am Samstag ist ihr letzter Arbeitstag. Gibt es noch ein grosses Abschiedsfest nach fast 20 Jahren im «Isebähnli»? «Nein, es werden sicher ein paar Leute vorbeikommen, um sich zu verabschieden. Viele wissen ja, dass es mein letzter Tag ist. Aber es gibt nichts Grosses. So ein riesiges Tamtam – das mag ich nicht.»

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