Gebenstorf
Islam-Zentrum: Ammann wehrt sich gegen Diskriminierungs-Vorwurf

Der Regierungsrat hat grünes Licht für ein muslimisches Vereinslokal gegeben und den Gemeinderat gerügt. Ammann Rolf Senn sagt im Interview, warum der Gemeinderat den Fall vor das Verwaltungsgericht ziehen wird.

Pirmin Kramer
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Rolf Senn und das ehemalige Restaurant Il Gabbiano, wo ein muslimisches Vereinslokal entstehen soll.jpg

Rolf Senn und das ehemalige Restaurant Il Gabbiano, wo ein muslimisches Vereinslokal entstehen soll.jpg

Pirmin Kramer

Herr Senn, erklären Sie uns bitte, warum sich der Gemeinderat gegen das muslimische Vereinslokal wehrt.

Rolf Senn: Wir befürchten Lärmemissionen, und es gibt nicht genügend Parkplätze, wenn der islamisch-albanische Verein einen Grossanlass durchführt. Denn der Verein zieht etwa hundert Leute an.

Sind das nicht Argumente, die Sie bloss vorschieben? Der Regierungsrat wirft in seinem Beschluss dem Gemeinderat vor, das Baugesuch «nicht ohne Diskriminierung» behandelt zu haben.

Nein. Wir finden, das Vereinslokal passt nicht in diese Wohnlage.

Wäre die islamisch-albanische Gemeinschaft an einer anderen Wohnlage im Dorf eher willkommen?

Gut möglich. Sicher aber nicht dort, wo das Vereinslokal momentan vorgesehen ist. Daran hat niemand Freude. Das zeigt der Widerstand der Anwohner.

Was sagen Sie denn zum Diskriminierungsvorwurf?

Wir weisen ihn zurück, ebenso den Vorwurf, wir hätten Willkür walten lassen. Das ist eine Interpretation des Regierungsrates, dagegen wehren wir uns. Gegen ein Vereinslokal hat der Gemeinderat nichts einzuwenden – solange es tatsächlich als Vereinslokal genutzt wird und wenn es genügend Parkplätze gäbe. Hier aber soll ein Gebetszentrum entstehen, eine Art Kirche also und ein Wirtshaus, beides in einem Gebäudekomplex. Ich denke, das entspricht nicht unseren ländlichen Strukturen. Ein solches Vereinslokal würde besser in städtische Umgebung passen.

Sie erwähnen immer wieder die Parkplätze. Der Regierungsrat schreibt, es seien genügend Parkfelder vorhanden.

Wir teilen diese Meinung nicht. Hören Sie, Tatsache ist, dass ein solches Vereinslokal exponiert ist. In Flums SG gab es letzte Woche einen Brandanschlag. Wir können nicht ausschliessen, dass das auch hier passieren könnte. Die Angriffsfläche ist vorhanden. In Gebenstorf sind 60 Nationen vertreten, der Ausländeranteil beträgt 28 Prozent.

Sie werden den Beschluss weiterziehen, obwohl der Regierungsrat in seinem Beschluss von einem vollumfänglichen Sieg für die Gegenseite spricht. Ist ein Weiterzug nicht unsinnig, weil chancenlos?

Nein, der Regierungsrat hat die Baubewilligung zur Neubeurteilung zurückgewiesen. Das war für uns keine hundertprozentige Niederlage. Wir sind unterlegen in der ersten Beschwerdeinstanz. Wir hoffen, bei der nächsten Instanz zu siegen.

Wie ist das Verhältnis zur islamisch-albanischen Gemeinschaft?

Es sind keine Spannungen da. Die Vertreter, die wir kennen, sind nette Leute. Eigenartig ist, dass als Vereinslokal nur diese Immobilie infrage kommt, das ehemalige Restaurant. Wir haben Alternativen geprüft und vorgeschlagen. Die Frage, warum es ausgerechnet dieses Haus sein muss, steht im Raum.

Die Zonenkonformität ist gegeben, und die Religionsfreiheit ist ein Grundrecht in der Schweiz...

...Klar. Aus unserer Sicht stellt sich eine andere Frage: Ist die Gemeindeautonomie nur noch ein leeres Wort? Es muss doch möglich sein, dass die Gemeinde auch einmal Nein sagen darf. Der Gemeinderat muss die Entwicklung der Gemeinde doch beeinflussen können. Wir hoffen, dass das Verwaltungsgericht auch so urteilen wird.

Sie gehören der CVP an. Könnte man nicht gerade von Ihnen Toleranz in Religionsfragen erwarten?

Meinen Sie wegen dem C?

Ja.

Wir sind tolerant. Aber auch die Toleranz hat ihre Grenzen.