Im Tresor einer Schweizer Bank wurde ein Bild entdeckt, das von Leonardo da Vinci (1452-1519) stammen könnte, enthüllte das italienische Magazin «Sette» vor zwei Jahren. Diese Nachricht sorgte weltweit für Schlagzeilen, und dabei geriet die Gemeinde Turgi in den Fokus: Der «da Vinci» gehöre einer Familie aus Turgi, hiess es im Artikel.

Während Experten noch heute fachsimpeln, ob es tatsächlich Leonardo da Vinci war, der das Leinwand-Bild der adligen Isabella d’Este malte, wurde in Turgi gerätselt, welcher Familie im Dorf das Werk gehören könnte. Doch keine Spur erhärtete sich.

Letzte Woche überschlugen sich die Ereignisse: Erst wurde bekannt, dass das Gemälde in einem Tresorraum einer Treuhandgesellschaft in Lugano von der Polizei beschlagnahmt wurde; die italienischen Ermittler gehen davon aus, dass das Gemälde illegal aus Italien in die Schweiz geschmuggelt wurde. Die Namen der Besitzer des Bildes gaben die Ermittler aber nicht preis.

Ein Video der italienischen Finanzpolizei zeigt das luganeser Schliessfach samt Da-Vinci-Werk.

Ein Video der italienischen Finanzpolizei zeigt das luganeser Schliessfach samt Da-Vinci-Werk.

Überraschend meldete sich wenige Stunden später die angebliche Besitzerin selbst zu Wort: Die 70-jährige Emidia Cecchini, die aus Pesaro Nahe Rimini stammt und zuletzt in Lugano wohnte, sagte gegenüber «La Stampa»: «Ich bin fassungslos und kann nicht mehr schlafen.» Denn das Bild gehöre ihr, es befinde sich seit Generationen in Familienbesitz und seit über 100 Jahren in der Schweiz. Sie habe nie gegen ein Gesetz verstossen.

Interessant: Wie schon vor zwei Jahren taucht auch in diesen Tagen wieder der Name der Gemeinde Turgi auf. Emidia Cecchini sagt gegenüber «Blick»: «Das Bild gehörte meiner Grossmutter. Sie stammte von einem italienischen Adelsgeschlecht ab. Das Bild wurde offenbar über die Jahrhunderte weitervererbt. Meine Grosseltern lebten seit 1912 in der Schweiz. Erst im aargauischen Turgi, dann in St. Gallen. Meine Grossmutter hiess Mathilde Guerra, mein Grossvater Romeo. Er war Tabakhändler, hatte ein Depot in Turgi.» Die Gemeinde Turgi bearbeitet derzeit die Anfrage der Aargauer Zeitung, ob der Name Guerra in einem alten Namensregister auftaucht.

Warum aber wurde das rund 500 Jahre alte Bild erst vor zwei Jahren zu einem Thema? Cecchini erklärt: «Niemand wusste, dass es ein Leonardo da Vinci ist. Es ist ja auch nicht signiert. Mein Vater Antonio Cecchini liebte besonders dieses Bild. Und sagte immer: ‹Kind, das wirst du einmal erhalten. Es ist sicher sehr wertvoll.›»

Als er starb, habe sie es geerbt. Es blieb in Lugano, in einem Schliessfach der Bank UBS. «Erst vor einigen Jahren begann ich mich dann wieder dafür zu interessieren. Eine ganze Reihe von Experten kam nach Lugano und schaute sich das Bild an. Sogar der berühmte Da-Vinci-Experte Carlo Pedretti hat es gesehen. Er sagte sofort: Das ist ein Leonardo.»

Zwar relativierte Pedretti diese Aussage: Es sei falsch zu behaupten, dass er das Bild eindeutig da Vinci zugeordnet habe. Eine abschliessende Prüfung durch eine internationale Expertenkommission sei nun nötig, um die Authentizität des Gemäldes zu prüfen.

Trotz Echtheitsdiskussion stand ein Verkauf des «da Vinci» offenbar unmittelbar bevor. Eine englische Gesellschaft habe das Gemälde für 120 Millionen Franken erwerben wollen, eine Anzahlung von 40 Millionen war für den 16. Februar vorgesehen, sagt Cecchini.