Aufmerksamen Passanten ist es wohl schon seit einiger Zeit aufgefallen: Im Haus zum grossen Alexander an der Ecke Untere Halde/Kronengasse in Baden, wo sich seit Anfang der 1990er-Jahre ein chinesisches Restaurant befand, geht es seit einigen Wochen ruhig zu und her. Einzig Handwerker, die ein und aus gehen, deuten darauf hin, dass sich hier etwas Neues anbahnt. Die «Schweiz am Wochenende» musste nicht weit suchen, um das Geheimnis zu lüften.

Denn derjenige, der hier sein nächstes Projekt realisiert, führt schon heute ein Geschäft gleich um die Ecke. Die Rede ist von Sandro Scarabelli (42). Seit drei Jahren befindet sich sein Coiffeursalon in der Unteren Halde. «Durch das Fenster meines Salons habe ich immer direkt an das Haus geschaut und mir dabei gedacht, dass ich dort eines Tages ein Restaurant eröffnen könnte», sagt Scarabelli. Gesagt, getan: Als sich Anfang Jahr das Ende des chinesischen Restaurants abgezeichnet habe, habe er umgehend die Eigentümer Gabi und Jürg Schoop kontaktiert.

Schnell sei man sich einig geworden und aus der ersten vagen Idee Anfang Jahr ist in den letzten Monaten ein konkretes Projekt geworden. Dabei wäre für die Eigentümer auch denkbar gewesen, die Räumlichkeiten künftig als Büro oder Atelier zu nutzen. «Doch weil die Chemie mit den künftigen Betreibern derart gut stimmt und mich ihr Konzept absolut überzeugt, wird es nun ein Restaurant bleiben.

Ich freue mich sehr, dass es bald wieder ein richtiges Quartier-Restaurant geben wird», sagt Gabi Schoop. Nicht nur werden die Restaurant-Innenräume renoviert und eine neue Küche eingebaut, sondern auch die Fassade erhält einen neuen Anstrich. «Es ist mir ein grosses Anliegen, dem Haus so seine Würde zurückzugeben», so Schoop. Der Neu-Anstrich geschehe dabei in enger Absprache mit der Denkmalpflege und der Stadt Baden.

«Zu Gast bei Freunden»

Sandro Scarabelli realisiert das neue Projekt aber nicht alleine, sondern zusammen mit Walter Farsaci. Der 48-Jährige hat schon in der Region gelebt und gearbeitet und ist derzeit als Verkaufsleiter und Store-Manager in der Modebranche in Zürich tätig. Scarabelli und Farsaci haben sich über einen gemeinsamen Freundeskreis kennen gelernt und schnell ihre gemeinsame Leidenschaft und Passion fürs Kochen und gutes Essen entdeckt. Und zwar nicht irgendein Essen, sondern italienisches Essen. Ihre Familiennamen verraten es – beide haben italienische Wurzeln. «Wir sind beide ausgesprochene Genussmenschen und haben uns immer wieder gefragt: Wieso gelingt es keinem Restaurant, so gut zu kochen, wie wir das von zu Hause kennen?», sagt Scarabelli.

Beide sind sich einig, dass es in Baden in Sachen Gastronomie «noch Luft nach oben hat». Mit ihrem Restaurant wollen sie einen Beitrag zu einer noch besseren Gastronomie in Baden leisten. «Italienische Gerichte werden auf der Menükarte stehen», so Farsaci. Viel mehr wollen die künftigen Gastronomen gar noch nicht verraten. Nur so viel: «Italienische Restaurants gibt es in Baden bereits genug; kein Zweifel. Wir aber schlagen einen anderen Weg ein. Pizzas wird es keine geben.» Stattdessen werde die authentische italienische Küche neu interpretiert und dabei auf einfache, aber feine Gerichte gesetzt. «Die italienische Küche ist einfach. Man nimmt frische Zutaten und verarbeitet sie mit Geduld, etwas Geschick und einer grossen Portion Leidenschaft zu Mahlzeiten», so ihr Credo.

Zu diesem Zweck konnten sie bereits zwei italienische Köche anstellen. Farsaci und Scarabelli werden dabei die Rolle des Gastgebers einnehmen. Farsaci hängt hierfür seinen Beruf in der Modebranche an den Nagel; Scarabellis wichtigstes Standbein bleibt der Coiffeursalon. «Es ist ganz wichtig, dass immer einer von uns beiden als Gastgeber vor Ort ist und die Gäste bewirtet. Wir kommen beide aus dem Dienstleistungsgewerbe und wissen deshalb genau, wie man mit Kunden respektive künftig Gästen umgehen muss», sagt Farsaci. Und Scarabelli ergänzt: «Wer zu uns ins Restaurant kommt, soll sich fühlen, wie wenn er zu Gast bei Freunden ist und von diesen bekocht wird.»

«Altstadt hat grosses Potenzial»

Die Eröffnung ist auf diesen Spätsommer geplant. Bis dann soll nicht nur der Innenraum saniert sein, sondern auch die Aussenfassade in neuem Glanz erstrahlen. «Mal ehrlich, gibt es eine schönere Ecke in Baden, als hier in der Altstadt?», fragt Scarabelli rhetorisch. Er und Farsaci seien absolut vom Potenzial der Altstadt und der Unteren Halde überzeugt. «Als ich mit meinem Geschäft vor drei Jahren von der Badstrasse in die Untere Halde gezogen bin, haben nicht wenige gesagt, ‹Du spinnst doch›», sagt Scarabelli. Doch er habe den Umzug keine Sekunde bereut.

«Wenn in gut zwei Jahren noch das neue Thermalbad eröffnet hat und der öffentliche Raum im Bäderquartier und entlang der Limmat aufgewertet ist, wird die ohnehin attraktive Altstadt noch frequentierter», ist Scarabelli überzeugt. «Blickt man sich hier um, hat man jetzt schon das Gefühl, man sei in Portofino.» Das Restaurant – inklusive Aussenbewirtschaftung – wird dem Quartier noch zusätzliches italienisches Flair verleihen, sind Farsaci und Scarabelli überzeugt.

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