Seit Anfang Jahr ist das Jagdrevier Freienwil an die Jagdgesellschaft Eichbrunne/Freienwil (JGEF) verpachtet. Zuvor war es während Jahrzehnten von der Jagdgesellschaft Freienwil (JGF) betreut worden. Der Wechsel scheidet die Geister der Jäger am Siggenberg.

Im Mai des vergangenen Jahres - als das Jagdrevier ordnungsgemäss zur Neuverpachtung ab Anfang 2011 ausgeschrieben war - bewarb sich die neu formierte Gruppe Eichbrunne/Freienwil unter der Leitung von Adrian Schlatter, der gleichzeitig Obmann der Jagdgesellschaft Obersiggenthal (JGO) war, um das Revier. Dies tat er über die Köpfe der Jäger der JGO hinweg. «Adrian Schlatter hat sich zwar mit dem Briefkopf der JGO um das Revier beworben», sagt der Jagdaufseher der JGO, Ruedi Peyer. «Uns Jäger hat er aber nicht über dieses Vorgehen informiert.»

Die eigenen Jäger wehren sich

Als sie davon erfuhren, wandten sich die Obersiggenthaler Jäger in einem Brief an den für die Neuverpachtung zuständigen Regierungsrat. Darin stellten sie klar, dass sie keinesfalls die Absicht hätten, das Jagdrevier Freienwil zu übernehmen. Sie wollten «in keiner Form» mit dem Vorhaben von Schlatter und seiner Bewerbergruppe in Verbindung gebracht werden.

Schlatter blieb allerdings weiterhin und bis heute Präsident der JGO. Eigentlich hätten ihn die Jäger absetzen wollen, aber «etwas lief schief», sagt Peyer. Schlatter will zu diesem Disput nicht näher Stellung beziehen. Der Vorwurf, die JGEF habe sich unter dem Namen der JGO beworben, bezeichnet er als «Fehlinformation»: «Die JGEF hat sich nur unter eigenem Namen beworben», sagt Schlatter. Zudem sei er der einzige Pächter, der sowohl in der JGO als auch in der JGEF dabei sei.

Keine Chance, zu reagieren

Die Bewerbung im Namen der neuen Jagdgesellschaft Eichbrunne/Freienwil blieb trotz dem Einwand der Obersiggenthaler Jäger bestehen. Zur Bewerbergruppe um Adrian Schlatter gehört unter anderen auch Hans Suter, heute Jagdaufseher im Revier Freienwil. Suter war kurz zuvor noch Mitpächter der JGF gewesen und hatte diese unter dem Vorwand, in die Gesellschaft Würenlingen wechseln zu wollen, verlassen. Von der Konkurrenz-Bewerbung um das Jagdrevier erfuhr die JGF erst, nachdem die Eingabefrist für Bewerbungen abgelaufen war. «Zu spät, um noch auf die uns vorgeworfenen Mängel reagieren zu können», sagt JGF-Präsident Willy Angst.

Der Regierungsrat entschied, das Jagdrevier an die JGEF zu verpachten. Die JGF focht den Entscheid Anfang Jahr an und verlangte eine provisorische Aufhebung. Schliesslich war es das Verwaltungsgericht, das Ende Mai über die Verpachtung entschied - zugunsten der JGEF.

Angst vermutet Vetterliwirtschaft

Weiter anfechten will die JGF den Entscheid des Verwaltungsgerichts nicht. «Wir könnten bis vor das Bundesgericht gehen», sagt Angst. Er ist jedoch überzeugt, dass das nichts bringen würde. «Adrian Schlatter sitzt als Prüfungsexperte bei Jagdlehrgängen ganz nahe beim Regierungsrat», sagt Angst. Er vermutet hinter der Neuverpachtung «ganz klar Vetterliwirtschaft.» Diesen Vorwurf weist Schlatter von sich: «Das ist an den Haaren herbei gezogen. Dass ich Experte der Jagdprüfungskommission bin, hat mit der Verteilung der Reviere nichts zu tun.» Zudem stellt er klar, dass «die Bewerbung der JGEF nicht eine Bewerbung gegen die bisherige JGF war. Es ist nicht unsere Aufgabe, die Arbeit unserer Vorgänger zu beurteilen.»

Allerdings war bereits bei einer Waldbegehung 2008 vom Kantonsförster eine Zusammenlegung der Jagdreviere Obersiggenthal und Freienwil angeregt worden. Freienwil habe zu wenig Abschuss, hiess es damals, erinnert sich Willy Angst. Er widerspricht: «Wir hatten immer genug Abschuss. Wenn wir in einem Jahr zwei Rehe zu wenig schossen, schossen wir im nächsten Jahr zwei mehr.» Danach wurde das Vorhaben verworfen.

Schlatter bezeichnet das Revier Freienwil als «jagdlich interessante Aufgabe.» Er sei «zuversichtlich, dass wir wissen, was es für die richtige Bewirtschaftung des Reviers braucht.» Zwei Pächter der JGEF seien in Freienwil ortsansässig. «Wir wollen einvernehmlich mit der Gemeinde, dem Forst und den Bauern zusammenarbeiten», sagt Schlatter.

Enttäuscht, nicht traurig

Bei der JGF ist das Unverständnis derweil gross. «Ich bin nicht traurig oder hässig, ich bin enttäuscht», sagt Willy Angst. Enttäuscht von der Art und Weise, wie die Oberhäupter der neuen Jagdgesellschaft vorgegangen seien. «Diese fiese Art - so geht man unter Jägern nicht miteinander um», sagt Angst. Inzwischen ist ihm die Lust am Jagen vergangen. Obwohl er Angebote von benachbarten Jagdgesellschaften habe, mit ihnen auf die Jagd zu kommen, hat er sein Gewehr vorläufig im Schrank versorgt. «Ich weiss nicht, ob ich dieses Jahr auf die Jagd will. Zuerst muss ich ein wenig Abstand von der ganzen Geschichte gewinnen.» Danken möchte Angst den Jägern, Treibern und Bauern, mit denen die JGF über Jahre hinweg «eine super Beziehung» gepflegt habe.