Würenlos
Jahrelang nur geduldet: Nun wohnen Fahrende ganz legal auf Bauernhof

Beim Würenloser Landwirt Leo Meier sind Fahrende seit über 10 Jahren willkommen. Der Durchgangsplatz bei der «Chlosterschür» war bisher nicht legal, nur geduldet. Doch nun wird das Areal als offizieller kantonaler Durchgangsplatz eröffnet.

Carla Stampfli
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Leo Meier vor dem Sanitärhäuschen. Der Landwirt hat es gemeinsam mit Kanton und der Gemeinde im Herbst 2014 errichtet.
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Das Areal beim Landwirtschaftsbetrieb ist nun ein offizieller kantonaler Platz.
Sonja Waser und ihre Familie sind oft gesehene Gäste auf dem Durchgangsplatz bei der Chlosterschür.
Eine Fahrende geniesst auf der Wiese die Sonnenstrahlen.
Jakob, Sonja und Kathrin Waser (v.l.) waren bereits im Mai bei Leo Meier auf dem Durchgangsplatz zu Gast.
Zwischen den Apfelbäumen haben es sich die Fahrenden gemütlich gemacht.
Der Durchgangsplatz für Fahrende in Würenlos

Leo Meier vor dem Sanitärhäuschen. Der Landwirt hat es gemeinsam mit Kanton und der Gemeinde im Herbst 2014 errichtet.

Alex Spichale

Erst war er nur geduldet, nun wird er am 24. September offiziell eröffnet: der Durchgangsplatz für Fahrende beim Landwirtschaftsbetrieb «Chlosterschür» in Würenlos. Hier, auf einer 2500 Quadratmeter grossen Wiese zwischen schattenspendenden Apfelbäumen, haben sich die Fahrenden gemütlich eingerichtet. Vor den Wohnwagen stehen Tische und Stühle, auch Spielzeuge liegen herum. Eine junge Jenische hängt hinter ihrem Wohnmobil die Wäsche auf, dann setzt sie sich mit einer Kollegin ins Auto und fährt davon.

«Es verläuft friedlich», sagt Leo Meier, während er durch die Wiese schlendert. Gemeinsam mit seinem Bruder Albrik führt er sowohl den Hof als auch den Fahrendenplatz – Letzteren seit über zehn Jahren. Dass dieser nun in einen offiziellen kantonalen Durchgangsplatz übergeht, freut den Würenloser Landwirt. «Jetzt haben wir eine gewisse rechtliche Sicherheit», so der 53-Jährige.

Brüder gewährten Gastrecht

Doch der Reihe nach: Nach der Jahrtausendwende klopft erstmals eine jenische Familie bei den Meiers an und bittet um ein zweiwöchiges Gastrecht. Die Brüder willigen ein. Sofort spricht sich herum, dass Fahrende auf dem Hof «Chlosterschür» willkommen sind. Jenische kommen und gehen, die Zeit vergeht. Mit dem Unterhalt des Areals bewegen sich Leo und Albrik Meier aber im Graubereich: Der Platz ist nicht als Spezialzone Fahrende im Zonenplan der Gemeinde eingetragen. «Die Behörden haben den Platz aber geduldet», sagt Leo Meier rückblickend.

Das sollte sich bald ändern: Der Kanton ist interessiert, aus dem Areal einen offiziellen Durchgangsplatz zu schaffen. Im Sommer 2013 nimmt der Grosse Rat den Platz in den kantonalen Richtplan auf. Wenige Monate später stimmt sodann die Gemeindeversammlung der entsprechenden Spezialzone Fahrende zu.

Baubewilligung reibungslos erteilt

Marco Peyer von der Fachstelle Fahrende beim Kanton ist erfreut, ein weiteres Projekt im Rahmen des «Konzepts Fahrende Kanton Aargau» erfolgreich abgeschlossen zu haben. Zum einen, weil die Behörden und die Gemeindeversammlung der Spezialzone zugestimmt haben und die Baubewilligung ohne Einsprachen erteilt wurde. Zum anderen, weil der Kanton zum ersten Mal mit Privatpersonen zusammenarbeitet. Zur Erinnerung: Die vier weiteren offiziellen Durchgangsplätze in Aarau, Kaiseraugst, Windisch und Zofingen werden von den jeweiligen Gemeinden betrieben. «Es ist erfreulich, dass sich auch Private um Halteplätze bemühen», so Peyer.

Für die Meiers ist das Areal für Fahrende aber nicht nur ein Sozialwerk. «Es ist auch ein Nebenerwerb», sagt Leo Meier. Die Jenischen zahlen den Brüdern pro Wohnwagen eine Tagespauschale. Hinzu kommen die Kosten für Strom, Dusche und Waschmaschine. Die sanitären Einrichtungen entstanden im letzten Jahr: Nebst einem Sanitärgebäude kam ein Abwassertank hinzu, ebenso ein geteerter Parkplatz und Heckenzäune.

Meier ist froh ob der Unterstützung von Kanton und Gemeinde: Bevor das Areal als offizieller Halteplatz deklariert wurde, benutzten die Jenischen beispielsweise die Betriebstoilette des Hofs und die Waschmaschine der Familie.

Es gibt kaum Probleme

«Der Betrieb funktioniert gut», zieht Leo Meier Bilanz. Manchmal müssten die Brüder zwar zeigen, wer der Chef auf dem Platz sei, doch Probleme gebe es kaum. Diese Tatsache, ist Meier überzeugt, habe dazu beigetragen, dass der Platz offiziell gutgeheissen wurde und auch als solcher seinen Betrieb fortsetzen kann. «Wir haben konstruktiv mitgewirkt und sind froh, dass es geklappt hat», sagt Hans Ulrich Reber, Gemeindeammann von Würenlos, mit Blick auf die Eröffnung am kommenden Donnerstag. Für Fahrende und Beteiligte ist ein Apéro geplant. «Als Dank und Anstoss für ein gutes Gelingen», fügt Marco Peyer von der Fachstelle hinzu.