Obersiggenthal
Jahresrechnung 2015: Tiefrote Zahlen sind eine Tatsache

Die Jahresrechnung bestätigt die düsteren Prognosen. Trotz Sparpaket steigen die Schulden auf 16,3 Millionen. Das beschäftigt nicht nur Politiker, sonder auch Vereine. Diese müssen nämlich auf finanzielle Unterstützung der Gemeinde verzichten.

Pirmin Kramer
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«Sorgen bereiten uns die Kosten im Gesundheitswesen. Wir mussten eine Viertelmillion mehr ausgeben als erwartet.»

«Sorgen bereiten uns die Kosten im Gesundheitswesen. Wir mussten eine Viertelmillion mehr ausgeben als erwartet.»

Corinne Rufli

Wie kein anderes Thema haben die Finanzprobleme die politische Agenda Obersiggenthals in den vergangenen Monaten bestimmt. So wurde an der Urne nach vielen Diskussionen eine Steuerfusserhöhung von 98 auf 103 Prozent beschlossen. Aussergewöhnlich: Die finanziellen Schwierigkeiten der Gemeinde wurden nicht nur in politischen Kreisen heiss diskutiert, sondern auch bei den Vereinen. Denn sie erhalten keine finanzielle Unterstützung für Festbeizen an der Badenfahrt. Und dem lokalen Fussballverein droht wegen der Finanzkrise gar die Auflösung: Obersiggenthal kann sich einen Ausbau des Platzes, der nicht mehr der Mindestgrösse für Ligaspiele entspricht, voraussichtlich nicht leisten.

Was bisher erst auf Schätzungen und Prognosen beruhte, ist nun mit der Veröffentlichung der Gemeinderechnung 2015 schwarz auf weiss belegt: Obersiggenthal hat im vergangenen Jahr tiefrote Zahlen geschrieben. Das operative Ergebnis schliesst mit einem Defizit von 1,1 Mio. Franken ab, die Gesamtjahresrechnung mit einem Minus von 1,85 Mio. Franken. Um diesen Betrag steigt auch die Schuldenlast an, die nun 16,3 Mio. Franken beträgt.

«Es ist eingetroffen, was wir prognostizierten und leider erwarten mussten», sagt Gemeinderat Linus Egger (CVP), Vorsteher des Ressorts Finanzen. Hauptursache für die roten Zahlen war der Einbruch bei den Steuereinnahmen. Sie fielen zwar mit 24,9 Mio. Franken fast exakt gleich hoch aus wie im Vorjahr; budgetiert waren jedoch um 1,96 Mio Franken bessere Erträge. «Dass das Gesamtergebnis nicht um diesen Betrag schlechter ausfällt, ist unter anderem auch auf die eingeleiteten Sparmassnahmen des Gemeinderates und der Verwaltung zurückzuführen», heisst es in einer Medienmitteilung.
Linus Egger ergänzt: «Als sich die tieferen Steuereinnahmen abzeichneten, schnürte der Gemeinderat ein Sparpaket. Dank diesem blieben der Sach- und Betriebsaufwand rund 350 000 Franken unter Budget, wir konnten die fehlenden Steuererträge also ein wenig abfedern.» Zum Sparpaket zählten beispielsweise die Nachtabschaltung der Strassenbeleuchtung; Einsparungen wurden auch bei der maschinellen Strassenreinigung, bei der Ausbesserung von Sportanlagen sowie der Weiterbildung von Mitarbeitern der Verwaltung getätigt. Eine Budgetunterschreitung gab es ausserdem beim Defizit für das Hallen- und Gartenbad, Mehrerträge dank ausserordentlichen Landverkäufen. «Sorgen bereiten uns die Kosten im Gesundheitswesen. Für stationäre und ambulante Pflegefinanzierung mussten wir fast eine Viertelmillion Franken mehr ausgeben als erwartet. Und wir rechnen damit, dass diese Kosten in den kommenden Jahren weiter ansteigen», sagt Egger.

Bei den Nettoinvestitionen schaffte Obersiggenthal mit 2,855 Millionen Franken zwar eine Punktlandung. Und trotzdem sei Zufriedenheit auch hier nicht angebracht, so Egger. Denn die Investitionen mussten zu einem Grossteil (1,8 Mio. Franken) mit fremden Mitteln finanziert werden. Den Selbstfinanzierungsgrad zu verbessern, werde in den kommenden Jahren zu den wichtigsten Aufgaben des Gemeinderates zählen, sagt Egger. «Und das wird nur möglich sein, wenn wir weiterhin kräftig sparen.»