Das Kulturlokal ist in rotes Licht getaucht, komplexe Schlagzeugrhythmen und Saxofonklänge sind zu vernehmen – hinter den Musikern flimmern amüsante Trickfilme aus längst vergangener Zeit über die Leinwand. Wir befinden uns mitten an der Jamsession, zu welcher der Drummer Nicolas Struchen und seine Hausband eingeladen haben und die in Zusammenarbeit mit «Inox live» auf die Beine gestellt wurde.

Es sind jazzige und funkige Beats, die an diesem Abend das musikalische Treiben im Royal beherrschen. Der Saxofonist beeindruckt mit abwechslungsreichen und kreativen Melodien, während das Piano einen Klangfarben-Teppich über den Raum legt. Die alten Schwarz-Weiss-Filme – die Bilder sind von Staub und Zeit gezeichnet – fügen sich geschmeidig in das Gesamtkunstwerk, welches sich stetig und fliessend verändert. So geht ein Musiker mitten im Spiel vom Platz, um sich einen Schluck kühles Bier zu gönnen, während die Melodien weiter ihren Lauf nehmen.

Momente des Suchens

Zwischendurch kommt es zu Momenten des Suchens; der Pianist hält mit geschlossenen Augen inne, um kurz darauf wieder in die Musik einzusteigen und wenig später den Lead zu übernehmen. Die Musik wird schneller – steigert sich in ein Crescendo – um wie eine Welle in der Brandung zu brechen und in aller Gelassenheit in einen gemütlichen Gang abzugleiten.

«Schlagzeug, Schlagzeug, Schlagzeug!» hallt es alsbald durch das schummrige Kulturlokal – der bisherige Drummer musste dringend eine Toilettenpause einlegen. Schnell ist ein Ersatz hinter den Fellen gefunden und die musikalische Reise kann weitergehen – Ziel unbekannt. Die Grenzen der Genres verbiegen sich je nach Konstellation der Akteure, zwischendurch darf es gerne auch mal ein Jazz-Standard sein.

Es braucht wahrlich keine Worte, um sich an diesem Abend zu verstehen. Die Musik und ihre ungeheure Dynamik spricht für sich. Auf der Tribüne wird derweil fleissig über die selbst mitgebrachten Instrumente gefachsimpelt. Dass die Musiker jedoch nicht auf der Bühne stehen, sondern sich auf der Höhe der Zuschauer befinden, lässt die Grenze zwischen Publikum und Künstler verschwimmen. Immer mal wieder werden die Plätze getauscht, neue Instrumente kommen hinzu, andere verschwinden. Hier kann jeder mitbestimmen, wohin sich die Musik bewegt.