Baden
Jazzquartet ehrte Billie Holiday

Die Gesangs-Ikone bekam zum 100. Geburtstag im «Prima Vista» ihre eigene Show.

Peter Thomann
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Sängerin Virginia Beatrice interpretiert den Jazz-Standard AIN'T MISBEHAVIN'
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Billie Holiday in Baden
Virtuos lässt Christoph Hegi seine Finger auf der Klaviatur tanzen
Bassist Roman Dylag soliert in der Ballade DON'T EXPLAIN

Sängerin Virginia Beatrice interpretiert den Jazz-Standard AIN'T MISBEHAVIN'

Peter Thomann

Swingend ertönen Klavier, Kontrabass und Schlagzeug. Dann setzt die Sängerin ein mit ihrem warmen Timbre und ihrem dezenten Vibrato. Sie versetzt das Publikum in eine vergangene Zeit voll musikalischer Romantik. Es handelt sich um den einst berühmten Song «Fine And Mellow» der legendären amerikanischen Jazzsängerin Billie Holiday. In diesem Lied hatte die 1959 verstorbene Künstlerin einen Teil ihres schweren und von Tragik geprägten Lebens beschrieben.

Auf der Bühne des «Prima Vista» präsentierte sich ein Quartett, welches heuer dem 100. Geburtstag der Gesangs-Ikone gedenken möchte. Initiator ist der Jazzpianist Christoph Hegi. Er hatte zusammen mit Virginia Beatrice ein entsprechendes Programm zusammengestellt und die Arrangements geschrieben.

Beatrice ist Gesangslehrerin an der Swiss Jazz School in Bern und musiziert seit ihrer Jugendzeit mit Hegi. Sie intonierte die Jazz-Titel auf souveräne Art und erzählte ausdrucksstark die zum Teil melancholischen Geschichten. Bemerkenswert waren ihre Gestik und Mimik.

Pianist Christoph Hegi zeichnete sich durch Fingerspitzengefühl bei der Begleitung aus. In seinen Soli aber zeigte er sein stupendes Können. Hegi, der seinen Lebensunterhalt als Primarlehrer verdient, tritt vielfach mit Berufsmusikern auf.

Dies sei stets wieder herausfordernd und lehrreich, erklärte er. So engagierte er für diese Konzerttournee den Top-Kontrabassisten Roman Dylag.

Der heute 77-jährige polnische Jazzmusiker ist ein Urgestein der Jazzszene. Er begeisterte mit ausgeklügelten, zeitweilig sogar humorvollen, Improvisationen.

Anekdoten zu Holidays Leben

Der vierte Musiker auf der Bühne war der Schlagzeuger Martin Meyer. Meyers dezentes Begleiten passte ausgezeichnet ins Repertoire. Sein Metrum erinnerte an ein Uhrwerk. Ja, und da war noch ein fünfter Akteur: der Radio-Moderator Simon Balissat. Er unterhielt mit Geschichten und Anekdoten zum Leben von Billie Holiday.

Als Kind der Achtzigerjahre sei er mit dem Swing vergangener Zeiten nicht vertraut gewesen, erklärte er. Bei seinen Recherchen hätte er aber Gefallen an dieser Musik gefunden.

Das Konzert bot ein gutes Dutzend legendäre Songs von Billie Holiday wie «Good Morning Heartache», «The Way You Look Tonight» oder «Willow Weep For Me». Der Abend endete mit dem einst als «Song Of The Centuries»-gekrönten Lied «God Bless The Child».