Herr Leutwyler, wieso treten Sie bei den Stadtratswahlen in Baden an?

Jean-Pierre Leutwyler: Weil Baden jetzt wieder einen Stadtrat braucht, dem man vertrauen kann. Ich kann meinen Teil dazu beitragen, dieses Vertrauen wieder aufzubauen. Durch meine wirtschaftliche wie auch soziale Haltung bin ich für viele Badenerinnen und Badener wählbar.

Wenn dem so ist, wieso sind Sie dann nicht bereits im ersten Wahlgang angetreten?

Ausschlaggebend waren für mich die Rückzüge von FDP-Kandidat Mario Delvecchio und SP-Kandidat Jürg Caflisch nach dem ersten Wahlgang. Da haben wir uns gesagt, das kann es nicht sein.

Leutwyler stellt sich zu 2. Wahlgang der Stadtratswahl in Baden

Wer sind «wir»?

Das bin ich und mein erweitertes Umfeld. Viele Personen sind nach dem ersten Wahlgang auf mich zugekommen und haben mich zu einer Kandidatur motiviert. Eigentlich wollte ich, wenn überhaupt, erst 2017 wieder antreten.

Sind die Fürsprecher eher dem bürgerlichen Lager zuzuordnen?

Nicht nur. Auch von linker Seite sind Stimmen laut geworden, ich solle doch antreten im zweiten Wahlgang.

«Ich bin einiges rechter einzustufen als Herr Obrist»: Jean-Pierre Leutwyler stellt sich im Video-Interview den brennendsten Fragen zu seiner Kandidatur.

«Ich bin einiges rechter einzustufen als Herr Obrist»: Jean-Pierre Leutwyler stellt sich im Video-Interview den brennendsten Fragen zu seiner Kandidatur.

Haben Ihnen Parteien schon offiziell ihre Unterstützung zugesagt?

Nein, bis jetzt noch nicht. Es geht aber auch ohne offizielle Unterstützung einer Partei. Bei den Bezirksrichterwahlen Anfang 2014 wurde ich auch als Parteiloser gewählt.

Erich Obrist hat im ersten Wahlgang ein Glanzresultat erzielt. Haben Sie überhaupt Siegchancen?

Ja, sonst würde ich gar nicht antreten. Ich denke, es wird knapp werden. Ich werde von SP-Seite sicher einige Stimmen holen, war ich doch Mitglied im Aargauer Gewerkschaftsbund. Bei der FDP werde ich sicher auch Stimmen holen, weil ich dank meiner wirtschaftsfreundlichen Haltung zu einem Aufschwung in Baden beitragen könnte, wozu der jetzige Stadtrat derzeit noch nicht in der Lage ist. Auch mit einem Stadtrat Erich Obrist wird das nicht der Fall sein.

Was können Sie denn besser als Ihr Kontrahent? Oder anders gefragt: Wieso sollen die Badenerinnen und Badener Ihnen den Vorzug geben?

Anders als Erich Obrist bin ich unabhängig; ich bin wirklich parteilos.

Da schwingt Kritik mit?

Ja. Für mich und für viele Badener ist Vertrauen jetzt das Wichtigste. Vertrauen in den gesamten Stadtrat. Nur so können wir die grossen Herausforderungen anpacken. Erich Obrist hat den Ausgang der internen Nomination, also die demokratische Wahl, nicht angenommen, sondern ist aus der SP ausgetreten, um als Parteiloser anzutreten. Ich frage mich schon, wie man in so jemanden Vertrauen haben kann im Stadtrat, wo man gemeinsam Beschlüsse fassen muss und man auch nicht riskieren will, dass vertrauliche Informationen plötzlich an die Öffentlichkeit gelangen.

Diese Gefahr besteht ja bei Ihnen nicht, wie Sie in einem «Verhaltenskodex» schreiben.

Richtig: Ich werde Informationen, die mir im Zusammenhang mit meiner Tätigkeit als Stadtrat bekannt werden, sicher nicht zur Erlangung eines Vorteils für mich oder Dritte verwenden.

Es fällt auf, dass Sie schon für viele Ämter kandidiert haben. Sind Sie ein Ämtlijäger?

Ganz und gar nicht. Das hat sich alles so ergeben. Wäre ich ein Ämtlijäger, wäre ich zum Beispiel bei den Ständerats- oder Nationalratswahlen angetreten.

Ebenfalls auffällig ist, dass es in Ihrer politischen Karriere immer wieder zu Reibereien und Streitigkeiten kam. Sind Sie ein Mensch, der aneckt?

Nein, ich ecke überhaupt nicht an. Ich stehe einfach für meine Überzeugungen ein und wehre mich, wenn mir etwas nicht passt. Es ging bei diesen Geschichten nie um meine Person, vielmehr habe ich mich für andere eingesetzt.

Was ist denn Ihr Leistungsausweis in Baden?

Sie meinen auf politischer Ebene? Ich habe geholfen, im Bezirk die GLP aufzubauen, deren Präsident ich auch war. Zudem war ich während dreier Monate auch im Grossen Rat und in verschiedenen Verbänden tätig, wodurch ich ein grosses Netzwerk habe.