Baden

Jean Pierre-Leutwyler kandidiert zum vierten Mal für den Grossen Rat – mit der vierten Partei

Dauerkandidat: Seit 2008 lässt Jean-Pierre Leutwyler kaum eine Wahl aus.

Dauerkandidat: Seit 2008 lässt Jean-Pierre Leutwyler kaum eine Wahl aus.

Dieses Mal will der Badener Jean-Pierre Leutwyler für die Partei Lösungsorientierte Volksbewegung (LOVB) in die Regierung.

Die Lösungsorientierte Volksbewegung ist eine kleine Partei mit grossen Visionen, eine Bewegung, die man kaum in das gängige Links-rechts-Schema pressen kann. Selbiges lässt sich über Jean-Pierre Leutwyler sagen. Der 47-jährige Badener tritt diesen Herbst bereits zum vierten Mal bei Grossratswahlen an, und jedes Mal war seine Partei eine andere. Im ersten Anlauf 2008 war es die GLP, danach kandidierte er für die BDP, dann für die Freien Wähler Aargau und nun für die Lösungsorientierte Volksbewegung.

Einmal schaffte es Leutwyler tatsächlich ins Parlament: Als GLP-Mann Peter Schuhmacher Ende 2012 vorzeitig zurücktrat, rückte Leutwyler, inzwischen parteilos, für die restlichen drei Monate der Amtsperiode nach. Wahlerfolge verbuchte er als Ersatzrichter sowie als Laienrichter am Bezirksgericht Baden, wo er bis Ende 2019 tätig war.

Ein Selbstdarsteller, der sich überschätzt?

Seit 2008 ist Leutwyler immer wieder bei Wahlen angetreten, sei es als Grossrat, Nationalrat, Ständerat, Ennetbadener Gemeinderat oder Badener Stadtrat. Dies trug dem Betriebsökonomen, der im Bereich der Informationssicherheit tätig ist, auch Kritik und Spott ein. Er sei ein Selbstdarsteller, der sich überschätze, einer ohne politischen Leistungsausweis.

Leutwyler sagt: «Mit Kritik kann ich leben, das gehört zum Geschäft.» Den Selbstdarsteller weist er aber von sich: «Ich bin nicht unbedingt einer, der die Öffentlichkeit sucht. Der Entscheid, bei Wahlen anzutreten, kostet mich jeweils reiflich Überlegung.» Auch bei seiner Kandidatur für die LOVB war dies der Fall, nachdem er von der Partei angefragt wurde. Doch da die Freien Wähler, deren Präsident er noch immer ist, in diesem Jahr nicht bei den Grossratswahlen antreten, habe er sich auf die Liste der LOVB setzen lassen. Im Bezirk Baden umfasst diese neben Leutwyler zwei weitere Kandidatinnen.

Partei gegen 5G und gegen Coronamassnahmen

Leutwyler will Verantwortung wahrnehmen, auch für Leute, die diese Möglichkeit nicht haben. Er sei einer, der gerne hilft. Menschen jeglicher Couleur sollen aufeinander zugehen, lösungsorientiert miteinander reden. Im Internet präsentiert er sich als «freiheitsliebend und weltoffen, gleichzeitig aber mit einem Gespür für die Verantwortung, die eine solche Freiheit immer mit sich bringt.» Egoismus lehne er ab, gegenüber zu viel Macht in wenigen Händen hege er grosse Skepsis.

Die LOVB vertritt in der Umweltpolitik eher linke, im Flüchtlingswesen eher rechte Ansichten. Die Partei ist für die Entfernung sämtlicher 5G-Antennen, setzt auf ein grundlegend neues Geldsystem ohne Zinsen. Und Theres Schöni, der Kopf der Partei, setzt sich dafür ein, dass sämtliche Covid-19-Massnahmen im Aargau sofort aufgehoben werden.

Nicht jeder dieser Programmpunkte zählt zu Leutwylers Schwerpunkten. Da er in der Informatikbranche arbeite, wäre es ein Widerspruch, ein entschiedener 5G-Gegner zu sein, sagt er. Und bei den Coronamassnahmen fordere er schlicht Verhältnismässigkeit.

Seine primären Anliegen: Die Schulen brauchen mehr Ressourcen, Lehrer müssen entlastet und Mobbing bekämpft werden. «Die Kinder sind unsere Zukunft», sagt der Vater einer Tochter. Weiteren Handlungsbedarf sieht er im Ausbau der Kantonspolizei und im Kampf gegen Korruption und Geldwäscherei.

Dass er auch bei diesen Wahlen als Aussenseiter antritt, ist Leutwyler bewusst. «Ein grosses Ziel wäre erreicht, wenn die Partei den Einzug in den Grossen Rat schafft», sagt er. Bei den Grossratswahlen gibt es allerdings eine Hürde, die für die Lösungsorientierte Volks­bewegung schwer zu meistern sein wird. Um überhaupt Anrecht auf Sitze im Parlament zu erhalten, muss eine Partei 5 Prozent Wähleranteil in einem Bezirk oder 3 Prozent Wähleranteil im ganzen Kanton erreichen, so viel fordert das Aargauer Wahlgesetz im Minimum.

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