Baden

Jeden Mittag stürmen die Kinder das Zelt

Die Schülerinnen und Schüler der Tagesschule Ländli rennen zum Zelt, in dem sie bis zu den Herbstferien zu Mittag essen werden. Alex Spichale

Die Schülerinnen und Schüler der Tagesschule Ländli rennen zum Zelt, in dem sie bis zu den Herbstferien zu Mittag essen werden. Alex Spichale

Bis die Badener Tagesschule Ländli das Provisorium in Betrieb nimmt, essen die Schüler draussen im Partyzelt.

Die Schulglocke läutet in den Mittag. Doch in den Gängen des Schulhauses Ländli bleibt es still: 80 der 120 Schülerinnen und Schüler sehen sich am Filmfestival Fantoche Kinderfilme an. Plötzlich ist es fertig mit der Ruhe. Die 80 Schüler der 3. bis 6. Klasse rennen aber nicht ins Schulhaus, sondern über den Schulhausplatz hinter das Gebäude zum weissen Partyzelt, «das während der Fussball-WM im Graben dem Public Viewing diente», sagt Schulleiter Oliver Pfister und schmunzelt.

Im Zelt wartet das warme Essen, das neu von der Stiftung Arwo in Wettingen geliefert wird. Schnell bildet sich eine lange Schlange. Die Kinder warten geduldig, bis sie an der Reihe sind. Gegessen wird an den Biertischgarnituren. Nachdem die 80 «Grossen» fertig sind, kommen die 40 «Kleinen» an die Reihe. «Das Zelt ist temporär. Nach den Herbstferien beziehen wir das Provisorium, das nun im Aufbau ist», erklärt Pfister. Da die beiden Essräume im «Ländli» wieder zu Schulzimmern umfunktioniert wurden, wird der Pavillon als Mittagstisch dienen und für die Betreuung benützt.

Pavillon kostet eine halbe Million

Wie das Platzproblem im «Ländli» aufgrund des Systemwechsels 6/3 gelöst werden soll, war lange unsicher (az berichtete). Kurz vor den Sommerferien entschloss sich die Stadt Baden dazu, der Schule Lengnau einen Pavillon mit einer Fläche von zwei Schulzimmern abzukaufen. «Die Bedingung war, dass die Schule Lengnau den Pavillon bis Ende Schuljahr benützen kann», sagt Reinhard Scherrer, Gesamtleiter Schulraumplanung.

Deshalb sei es nicht möglich gewesen, den Pavillon rechtzeitig zum Schulbeginn in Baden aufzubauen. Gut Ding will Weile haben – wie Scherrer betont, ist der Pavillon die bessere Lösung als ein Metallcontainer. Nebst einem grossen Raum gibt es zwei WCs und im neuen Jahr sogar eine Küche. Acht Jahre wird der Pavillon der Schule Ländli dienen – dann soll das Schulhaus umgebaut werden. Die Kosten mit allen Installationen belaufen sich auf 500 000 Franken.

Schule ist voll, trotz Tariferhöhung

Dass die Kinder vorübergehend in einem Zelt und später in einem Provisorium essen werden, ist bisher nicht auf Widerstand gestossen. Diese Tatsache erstaunt ein wenig: Die Tagesschule war vor den Sommerferien aufgrund der massiven Tariferhöhung im Fokus der Eltern (az berichtete). Manche befürchteten sogar, ihre Kinder von der Schule nehmen zu müssen, weil sie sich diese nicht mehr leisten können.

«Dieser Sturm ist vorbei», sagt Pfister. Gespräche mit dem Elternrat und dem Geschäftsleiter der Schule Baden Alex Grauwiler hätten die Wogen geglättet. Abmeldungen augrund der Tariferhöhung habe es keine gegeben. «Ich bezweifle auch, dass jetzt noch Reklamationen betreffend das Zelt eingehen.» Wie die Umfrage unten zeigt, stören sich die Kinder jedenfalls nicht gross daran – im Gegenteil.

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