Es herrscht ausgelassene Stimmung im ausverkauften Fjord, als Kunz in weissem Hemd und Hosenträger die Bühne betritt. Die satten Drum-Beats, die feinen schwingenden Klänge des Hackbretts und der dröhnende Bass bringen die stickige Luft im Konzertsaal zum Vibrieren.

Der stampfende Sound ist das Markenzeichen von Kunz, der dem amerikanischen Schauspieler Ryan Gosling zum Verwechseln ähnlich sieht. Die Melodien sind oftmals simpel, gleichsam aber mitreissend, und sie besitzen einen fast schon erschreckenden Ohrwurmcharakter. So hat der Luzerner Sänger die Herzen des vorwiegend weiblichen Publikums vom ersten Ton an auf seiner Seite. Dabei bietet der «Alpen-Gosling» seinen Zuschauern eine energiegeladene Show, die zu überzeugen vermag – auch ein Bad im Publikum lässt sich der Musiker nicht entgehen. Dass Kunz alles andere als oberflächlich ist, beweist er mit seinem Song «Worzle»: «Man kann sich glücklich schätzen, in der Schweiz geboren zu sein. Dieses Lied habe ich für diejenigen geschrieben, die es nicht so schön hatten – für diese Leute müssen wir Verständnis aufbringen.»

Auch Mani Matters «Dr Sidi Abdel Assar vo El Hama» findet Eingang ins Konzert. Unter Applaus und Jubelrufen aus dem Publikum präsentiert die Band eine mitreissende Version des Mundart-Klassikers. Nebst Einflüssen aus der Schweizer Musik erinnert Kunz sonst vorwiegend an die britische Folk-Band «Mumford & Sons», behält dabei aber einen eigentümlichen Charakter. Sein neues Album mit dem simplen Namen «Mundart-Folk» stieg auf Platz eins in der Schweizer Hitparade ein. Ihre Einzigartigkeit erhalten die Kompositionen durch den Sound des Hackbretts, das sich nahtlos in die Musik einfügt. Diese Verschmelzung von Tradition und Moderne scheint den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Denn von einer Nachwuchshoffnung kann nicht mehr gesprochen werden – der aufgehende Stern mit Namen Kunz ist längst am Himmel der Schweizer Musikszene angekommen.