Baden
«Jedes Wochenende feiern gehen, das liegt nicht mehr drin»

Franziska Schoop (24) verzichtet für ihren Blumenladen «Badenblüht!» gerne auf lange Partynächte.

Barbara Scherer
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Floristin Franziska Schoop führt ihr Blumenschäft "Baden blüht" neu am Theaterplatz.

Floristin Franziska Schoop führt ihr Blumenschäft "Baden blüht" neu am Theaterplatz.

Wasser plätschert, der Geruch von Blumen liegt in der Luft. Durch die grosse Fensterfront fällt helles Licht: Das Geschäft von Franziska Schoop wirkt freundlich und modern. Seit Anfang November befindet sich der Blumenladen «Badenblüht!» am Theaterplatz in Baden. Davor war das Geschäft an der Mittleren Gasse eingemietet.

Vor drei Jahren übernahm Schoop den Laden dort. Gerade einmal 21 Jahre alt war sie damals. «Es war schon etwas früh, aber ich wusste gleich: So eine Gelegenheit bekomme ich nie wieder», sagt Schoop. «Ausserdem unterstützt mich meine Familie.» So hilft ihre Mutter ab und zu im Laden aus.

Derzeit hat die gelernte Floristin eine Mitarbeiterin und einen Lehrling. Mehr Angestellte brauche es noch nicht. Bei grossen Anlässen helfen auch mal enge Freunde der jungen Geschäftsführerin aus.

Zwei Geschäfte in einem Laden

Die feingliedrige Brünette sitzt auf einem Sessel im oberen Stock des Geschäfts. Ihre Hände hält sie gefaltet auf der schwarzen Schürze. Überall stehen Kerzen. Während sich im Erdgeschoss Blumenduft breitmacht, herrscht hier der Geruch von Wachs vor. Denn «Badenblüht!» ist kein reiner Blumenladen.

Schoop teilt sich die Lokalität mit Jeannine Hotz. Sie betreibt «0816 Accessoires». Deshalb trifft man im Geschäft neben Orchideen auch auf Kissen und Dekorationen. «Wir betreiben momentan zwei Kassen, das funktioniert gut», erklärt Schoop das Ladenkonzept.

Auch profitieren die Unternehmerinnen von einander, denn die Kunden kaufen oft bei beiden etwas. Einen eigenen Laden führen, diesen Wunsch hatte Schoop schon sehr früh: «Ich hätte nur nicht gedacht, dass es so bald sein würde.»

Andersartige Blumen rentieren

Ihr Interesse für Pflanzen, entdeckte die 24-Jährige in ihrer Kindheit. So wuchs sie in einem Haus mit einem grossen Garten auf und der Vater führte eine Baumschule. «Ich wusste schon früh, dass ich Floristin werden will», sagt Schoop. Doch Blumen kann man auch bei jedem Grossverteiler kaufen: Rentiert da ein kleines Geschäft wie «Badenblüht!»?

«Ich setzte auf etwas andere, neuartige Produkte und erfülle auch gerne ausgefallene Wünsche. Die Kunden schätzen das», sagt Schoop und lächelt, doch ihr Blick bleibt ernst. Dabei verkaufe ihr Geschäft am häufigsten Schnittblumen. Finanziell laufe es nicht schlecht, so Schoop. «Der Laden ist bereits selbsttragend».

Einen grossen Gewinn werfe das Geschäft aber nicht ab. «Ich mache meinen Beruf aber auch nicht des Geldes wegen.» Mit einem breiten Lächeln begrüsst Schoop eine Frau, die gerade den Laden betreten hat. «Das Schönste an meinem Beruf ist, wenn die Kunden meinen Laden lächelnd und zufrieden verlassen.»

Kunden aus der ganzen Schweiz

Zu ihrem Hauptgeschäft gehören auch Veranstaltungen. So liefert die 24-Jährige vom einfachen Empfangsgesteck bis hin zu Bühnendekoration verschiedenste Blumenarrangements aus. Ihre Kunden kommen vorwiegend aus der Region, aber auch aus Zürich. «Ich hatte sogar schon Bestellungen aus der Westschweiz», so Schoop.

Sie streicht sich die Haare aus dem Gesicht und ihre Augen wandern aufmerksam durch den Raum. «Sie ist jung und hat viel Energie», sagt Hotz über Schoop. «Und sie ist jemand, der gerne arbeitet.» Das muss die junge Unternehmerin auch, denn ihr Arbeitstag beginnt bereits um halb fünf Uhr morgens. «Dann kaufe ich die Blumen auf dem Markt», sagt Schoop. Zurück im Geschäft müssen diese noch vor Ladeneröffnung gerüstet werden.

Jugend zur Genüge ausgelebt

Wenn das Geschäft abends um halb sieben schliesst, ist der Tag für die Unternehmerin noch längst nicht vorbei. «Abends erledige ich alle Büroarbeiten.» Und das oft sieben Tage die Woche. Denn am Sonntag finden die meisten Events statt. Anstrengend sei das schon, aber ihre Arbeit sei ihre Leidenschaft.

«Natürlich muss ich auch verzichten, jedes Wochenende feiern gehen, das liegt nicht mehr drin», sagt Schoop. Vermissen tue sie aber nichts, sie habe ihre Jugend zur Genüge ausgelebt. Doch als Geschäftsführerin dürfe sie sich auch ab und zu einmal einen freien Tag gönnen. «Für ein Treffen mit Freunden nehme ich mir trotz der vielen Arbeit auch immer Zeit.»

Während Schoop spricht, merkt man schnell: Die junge Geschäftsführerin ist eine selbstbewusste Person und weiss, was sie will. Genau diese Art ist es wohl auch, die der gelernten Floristin trotz ihres Alters Seriosität verleiht. Denn: «Ich habe nicht das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden», sagt Schoop und fügt an: «Und wenn es sein muss, kann ich mich auch gut durchsetzen.»