Nach fünf Jahren als Einwohner von Wettingen ist das Abenteuer zu Ende. Ich komme im Mai wieder zurück in meine Heimat Baden.

Eigentlich war ich ja nie richtig weg und doch ist es ein nach Hause kommen: Ich darf endlich wieder sagen «Ich wohne in Baden» ohne zu lügen.

Ich muss mir endlich keine dummen Sprüche von meinen Freunden mehr anhören. Und der Wochenmarkt in Baden ist zwar nicht besser, aber mit Sicherheit schöner als der Markt auf dem DDR-ähnlichen Platz vor dem Wettinger Gemeindehaus.

Die Badener Leser freuen sich jetzt auf meinen Verriss von Ghetto-Wettingen. Sie wollen lesen, wie ich fünf Jahre lang in einer anonymen Vorstadtsiedlung vor mich hin vegetiert habe. Wie meine Schuhe schon nach wenigen Wochen durchlöchert waren von den Kieswegen in diesem Vorzeit-Dorf. Und wie ich ständig zu spät kam, weil ein Traktorkorso den Verkehr aufhielt.

Aber es tut mir sehr leid, liebe Badener Leser, ich gebe euch nicht das Gülleloch-Wettingen, das ihr erwartet. Ich gebe euch keinen herrlich schwarzen, abschätzigen Kommentar zur kleinen, grossen Nachbargemeinde. Im Gegenteil: Ich habe Wettingen in den letzten fünf Jahren ins Herz geschlossen und mag das Dorf. Wirklich jetzt! Wettingen hat Charme und sehr viel Herz. Man muss die schönen Ecken nicht einmal suchen. Die meisten kennen zum Beispiel das Altenburg-Quartier noch vom Fahrunterricht – wegen der vielen Rechtsvortritte hat das Quartier so manchen die Prüfung gekostet. Geht man zu Fuss durchs Quartier, dann bekommt es ein ganz anderes Gesicht: Kleine Wege führen einem vorbei an chic renovierten Häusern aus BBC Zeiten, ein Bächlein schlängelt sich durchs Quartier, aus den Vorgärten wird beim Vorbeilaufen gegrüsst und über den Gartenzaun ein kurzer Schwatz gehalten. In so einem Quartier will ich meine Kinder grossziehen. Aber auch die Landstrasse ist nicht so schlecht wie ihr Ruf. Im Gegensatz zur Badstrasse heisst der Kleiderladen noch «Kleider Müller» und nicht «H&M». Es gibt einen Chocolatier und einen griechischen Delikatessenladen mit Take-away. Und zu Fuss oder mit dem Velo ist das alles gemütlich zu erreichen.

«Aber was ist mit der «Center-Passage», das ist ja ein Schandfleck?», fragt sich die Badener Leserschaft jetzt erstaunt. Ja, das ist wahrlich kein grosser, städtebaulicher Wurf. Aber da müssen wir Badener vielleicht auch kurz in uns gehen. Haben wir mit dem «Gstühl-Center» nicht unsere eigene, kleine «Center-Passage»? Unser eigenes, kleines Provinz-Einkaufszentrum?

Ein erstes Indiz dafür: Die Raiffeisenbank hat sich dort eingenistet. Den endgültigen Beweis liefern aber zwei überdimensionale, rote Stühle, die das «Gstühl-Center» bewerben. Die Kreiselkunst in ganz Wettingen ist um ein vielfaches hübscher als diese zwei hässlichen Dinger. Man könnte diese Gräueltaten vielleicht nach Fischbach-Göslikon oder Rudolfstetten verfrachten und dort würden sie noch für Staunen und grosse Augen sorgen. Aber in Baden ist so etwas einfach nur peinlich. Und dann der abgedroschene Slogan: «wo man sich trifft»... Ich bin sicher, dass noch nie zwei Personen das «Gstühl Center» als Treffpunkt benutzt haben. Wenn, dann haben sie wohl gleich neben dem «hässlichen, roten Stuhl» abgemacht.

Baden ist halt doch die gleiche Provinz, wie es Wettingen ist. Daher fällt mir die Rückkehr noch leichter.