Baden
Jetzt gehört der Park wieder den Kabarettisten

Die ABB Wohlfahrtsstiftung bietet viel Kulturelles – auch wenn sie dies nicht müsste. Bei der zweiten Ausführung von «Cabaret im Park» treten an vier Abenden die Künstler «Liederlich», Nils Althaus, «La Stracciatella» und «Blues Max» auf.

Martin Rupf
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Irène Kuttler vor der 117-jährigen Villa Boveri. Seit 2006 ist sie Geschäftsführerin der ABB Wohlfahrtsstiftung.

Irène Kuttler vor der 117-jährigen Villa Boveri. Seit 2006 ist sie Geschäftsführerin der ABB Wohlfahrtsstiftung.

Alex Spichale

Es gibt wohl nicht viele Menschen in Baden, die bei der Arbeit eine so schöne Aussicht geniessen wie Irène Kuttler. Seit 2006 ist die gebürtige Neuenhoferin Geschäftsführerin der ABB Wohlfahrtsstiftung. Von ihrem Büro in der Villa Boveri am Ländliweg leitet sie die Geschicke der Stiftung. «Es ist auch schon vorgekommen, dass ich von meinem Büro aus gesehen habe, wie sich im Park Eichhörnchen von einem Baum zum anderen geschwungen haben», sagt Kuttler lachend.

Dass sie in diesem 117-jährigen Haus – es war einst das Zuhause von BBC-Mitbegründer Walter Boveri – arbeiten dürfe, empfindet sie als grosses Privileg. «Schon als kleines Kind bin ich oft an diesem Gebäude und am Park vorbeigegangen und habe ehrfürchtig durch den Zaun geguckt», erinnert sie sich. Damals waren das Haus und der angrenzende Park noch BBC-Angestellten vorenthalten. Heute ist das anders. Der Park steht tagsüber offen und die Wohlfahrtsstiftung sorgt mit kulturellen Anlässen dafür, dass viele Menschen den Weg in den Park finden.

Kostspieliger Unterhalt

Doch der eigentliche Stiftungszweck der 1943 ins Leben gerufenen Stiftung beinhaltet nicht die Förderung der Kultur, sondern vielmehr die Führung der Villa Boveri, die Pflege des Parks und die Förderung der Begegnung der ABB- und Alstom-Angestellten. «Dass der Park öffentlich zugänglich ist und wir kulturelle Anlässe durchführen, kann man als Geschenk an die Stadt Baden und die Bevölkerung betrachten», sagt Irène Kuttler. Ja, man könne auch sagen, die Villa sei Sinnbild für die Verwurzelung der ABB in der Stadt Baden.

Den beträchtlichen jährlichen Finanzbedarf für Betrieb und Unterhalt von Villa und Park deckt die Stiftung teilweise – in guten Börsenjahren ganz – mit Anlageerträgen des Stiftungsvermögens sowie mit Vermietungen und Gastronomie. «Der Unterhalt der Villa und des Parks sind sehr kostspielig», sagt Kuttler. Geht im denkmalgeschützten Gebäude etwas in die Brüche, kann die Reparatur oft nur durch einen Spezialisten durchgeführt werden.

Zwei Seminarräume, diverse Zimmer und Schulungsräume und natürlich der Gartensaal können gemietet werden. Sogar geheiratet wird in der Villa Boveri. Im Jahr 2013 fanden über tausend Anlässe, unter anderem rund 350 Seminare statt. Insgesamt verzeichnete die Stiftung letztes Jahr über 22 000 Besucher. «Wir bieten auch massgeschneiderte Anlässe an, bei denen zum Beispiel Seminarteilnehmer zusätzlich in den Genuss von Gastronomie und Kultur kommen.» Die grosse Herausforderung, ein solches Gebäude mit dazugehörigem Park – beide sind denkmalgeschützt – zu pflegen, sei der Spagat zwischen Bewahren und Nutzen, so Kuttler. «Selbst eine ausgelassene Geburtstagsparty kann in der Villa gefeiert werden – vorausgesetzt man beachtet ein paar wenige Nutzungseinschränkungen.»

2. Folge von Cabaret im Park

Das kulturelle Angebot der Stiftung umfasst Parkführungen, Konzerte (Afterwork Music, Musik im Park, Meet Villa Boveri, Classics), oder kulinarische Abende. Das neueste «Geschenk» an die Stadt Baden heisst «Cabaret im Park». Die zweite Ausführung nach 2013 findet diese Woche statt. An vier aufeinanderfolgenden Abenden treten ab morgen die Künstler «Liederlich», Nils Althaus, «La Stracciatella» und «Blues Max» auf. «Der Vorteil dieser Veranstaltungsreihe ist, dass anders als bei Theaterproduktionen unsere Räume nicht dauerhaft belegt sind», so Kuttler. Gut möglich, dass ob den kabarettistischen Einlagen nächste Woche gar die Eichhörnchen im Park eine kurze Pause einlegen werden.

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